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01.03.1985 - 

Standard Intel zieht positive Bilanz nach Umschwenken auf Cincom-Software, aber:

Kurze Antwortzeiten ließen auf sich warten

01.03.1985

BONN (CW) - Den gewünschten Erfolg brachte die Umstellung auf die Cincom-Software MRPS dem Pilotanwender Standard Ideal zunächst nicht. So ließen Antwortzeiten von rund einer Minute den EDV-Mannschaften bei Cincom und der rheinländischen Keramik- und Armaturenfirma vier Monate lang die Köpfe rauchen.

1981 fiel bei Ideal Standard die Entscheidung, im Bereich Produktionsplanung und Produktionssteuerung die veraltete und Batch-orientierte Software eines großen Herstellers über Bord zu werfen. Das neue Programmpaket sollte bei dem Unternehmen nun folgenden Anforderungen gerecht werden:

- Niedrige Bestände in allen Fertigungsstufen;

- Hoher Lieferservice;

- Hohe Produktivität;

- Harmonisierung der Fertigung;

- Niedrige Stückzahlen;

- Kundennahe Fertigung.

Nachdem sich die EDV-Verantwortlichen der Firma mit Hilfe von Videoseminaren und Fachliteratur sowie durch Hinzuziehen eines unabhängigen Beraters einen ersten Überblick über das zu meisternde Problem geschaffen hatten, kamen die Systeme Copics, MAS und MRPS in die engere Wahl. Das eigens für die Auswahl eines neuen Systems gebildete fünfköpfige Projektteam schaute sich vor der endgültigen Entscheidung auch bei verschiedenen anderen Anwendern um.

Den Angaben von Standard Ideal zufolge machte MRPS von Cincom das Rennen, weil diese Software für den Online-Betrieb ausgelegt ist und sowohl auf Großrechnern als auch auf Minicomputern wie der VAX laufen kann. Darüber hinaus schien das System für Erweiterungen und Änderungen flexibel zu sein.

Mit der Installation von MRPS begann Standard Ideal 1981. Zunächst wurde aber nur ein Teil des Programmpaketes als Pilotanwendung eingesetzt, um das MRPS an das bestehende System anpassen zu können. Im August 1983 erfolgte dann die Implementierung der weiteren Softwaremodule. Trotz des Probebetriebes kam es zu unerwarteten Schwierigkeiten mit dem neuen Programm, das bei Standard Ideal auf einer IBM 4341 läuft. So mußten die Systembediener im Durchschnitt eine Minute auf die Antwort warten. Erst nach viermonatigem Tüfteln war es den DV-Mannen des Unternehmens in Zusammenarbeit mit Cincom gelungen, die Performance auf ein Maß von ein bis fünf Sekunden zu reduzieren.

Dazu EDV-Leiter Karl-Heinz Zwick: "Nachdem wir die Probleme mit der Antwortzeit beseitigt hatten, begann der Einsatz des neuen Systems erste Früchte zu tragen." Inzwischen habe man mit MRPS eine Lagerbestandsreduzierung von rund 20 Prozent erreicht. Als einen besonderen Vorteil der Umstellung wertet Zwick auch die Tatsache, daß der Auftragsbestand jetzt jeden Tag aktualisiert wird.

Früher habe das nur alle vierzehn Tage oder alle vier Wochen stattgefunden. Im einzelnen setzt das Bonner Unternehmen die Cincom-Software für folgende Aufgaben ein:

- Stammdatenverwaltung für Teile, Kosten, Stücklisten, Arbeitspläne (auch alternative Arbeitspläne) und Arbeitsplätze.

- Bestandsverwaltung, das heißt, Verwaltung aller Lager mit Bearbeitung von Lagerzu- und -abgängen, aktuelle Informationen über sämtliche Bestände.

- Verwaltung und Bedarfsvorhersagen für die einzelnen Produktlinien und prozentuale Aufpaltung. Dabei wird mit Hilfe von MRPS ein Produktionsplan aufgestellt.

- Materialbedarfsplanung. Unter Einbeziehung der Stücklisten werden Bedarfszahlen für untergeordnete Teile ermittelt und entsprechende Fertigungsaufträge erstellt. Dadurch werden die Bestände optimal genutzt und Aufträge zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge erzeugt.

- Verwaltung sämtlicher Fertigungsaufträge und Überwachung des Auftragsfortschritts durch Ausnahmemeldungen.

- Schreibung der Werkstattpapiere anhand von im System gespeicherten Daten.

- Kostensimulation mit bewerteten Stücklisten.

Für die Zukunft wünscht sich Karl-Heinz Zwick eine vollständige Dokumentation von MRPS auf Deutsch sowie den weiteren Ausbau des seit 1984 bei Cincom Systems bestehenden MRPS-Spezialisten-Teams.

Neben der neuen Software schaffte sich das Keramik- und Armaturenunternehmen auch neue Terminals an. Insgesamt befinden sich jetzt 40 Bildschirme von IBM (Typ 3278) und Honeywell Bull (Typ DKU 712) in den Betriebs- und Lagerräumen der Firma. Von dieser Maßnahme erhofft sich Zwick auf lange Sicht eine Senkung des Papierverbrauchs. Der EDV-Leiter meint: "Wenn jeder Vorarbeiter, jeder Meister und jeder Bereichsleiter mit dem System arbeiten kann, dann hat keiner mehr seine eigenen Zettel in der Schublade herumliegen und führt keine eigenen Listen."

Er räumt allerdings ein, daß nach der Umstellung zunächst einmal der Papierverbrauch enorm in die Höhe gegangen sei. Erst seitdem die Angestellten des Hauses das System richtig bedienen können, sei eine rückläufige Tendenz erkennbar.

DER ANWENDER

Ideal Standard, Tochtergesellschaft der American Standard Produktionsstätten: Keramikwerk in Neuss und Armaturenfabrik in Wittlich/Mosel

Hauptverwaltung: Bonn

Zahl der Mitarbeiter: 1800, davon 26 in der EDV-Abteilung