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22.09.1989 - 

Postscript als umfassendes Kommunikationsmedium:

Kurzer Einblick in eine Seitenbeschreibungssprache

Wer einen Laserdrucker kaufen will, muß sich nicht nur für eine bestimmte Marke entscheiden. Mit dieser Wahl fällt auch die Entscheidung für oder gegen eine Seitenbeschreibungssprache. In den letzten Jahren hat sich als Seitenbeschreibungssprache Postscript als Industriestandard etabliert - spätestens seit dem Zeitpunkt, als außer vielen anderen OEMs auch IBM Lizenznehmer wurde. Daß es einen Industriestandard darstellt, ist auch daran zu erkennen, wieviel Postscript-kompatible Systeme, bzw. Clones verfügbar sind.

Desktop Publishing ist ohne die Seitenbeschreibungssprache Postscript nicht denkbar, hat es eigentlich erst ermöglicht. Vor genau fünf Jahren stellte das 1982 gegründete Softwareunternehmen Adobe einem aufmerksamen Publikum eine neue Programmiersprache namens Postscript vor. Die zwei Erfinder Warnock und Geschke erläuterten, daß damit auf einem PC erarbeitete Dokumente in hoher bis höchster Qualität auf Laserdruckern oder Fotosatzbelichtern ausgegeben werden können.

Mit Postscript hatten beide eine Programmiersprache geschaffen, die es erlaubt, den Inhalt einer Seite in der Form eines Programms exakt zu beschreiben. Schickt man das solchermaßen erstellte "Programm" an ein Gerät zur Druckausgabe, braucht die darin eingebaute Elektronik die von Postscript definierten Anweisungen nur zu übersetzen, um die darzustellenden Grafiken und/oder Texte mit der höchstmöglichen Auflösung Punkt für Punkt zu Papier beziehungsweise zu Film zu bringen.

1984 war dies eine revolutionäre Idee und Entwicklung. Wer bis zu diesem Zeitpunkt an seinen PC einen Drucker anschloß, hatte bisweilen arge Probleme. Zum einen die Qualität der Darstellung: Buchstaben, aus ein paar Punkten zusammengesetzt, ließen manchmal nur ahnen, was gemeint war. Wen wundert es, daß sich kommerzielle Anwender scheuten, ihren Kunden das zuzumuten. Zum anderen standen immer nur ein paar wenige Schriften zur Verfügung, die keinem ästhetischen Anspruch standhielten. Dazu kommt, daß der Druck von Grafiken, Zeichnungen oder Bildern (wenn überhaupt) nur in geringer Qualität möglich war. Total unmöglich war es, digitalisierte Bilder zu drucken, wie das heute mit PC und Laserdrucker ohne großen Aufwand zu bewerkstelligen ist.

Und noch ein Problem gab es: Wollte man ein Dokument in besserer Qualität haben, war der Wechsel zu einem anderen Herstellungsprozeß unvermeidlich - das heißt die auf dem PC erstellten Daten mußten neu erfaßt und gestaltet werden. Einfach statt des zuerst verwendeten Druckers einen mit höherer Auflösung und damit höherer Ausgabequalität zu verwenden, war praktisch nicht realisierbar. Warnock und Geschke versprachen, mit Postscript Abhilfe zu schaffen.

Als erster erkannte der innovationsfreudige Steve Jobs die ungeahnten Möglichkeiten und sah gleichzeitig einen neuen Markt für die Apple-Produkte. Apple lieferte das notwendige Startkapital zur Entwicklung des Postscript Raster Image Prozessors (RIP). Ganz nebenbei: daß sich für Apple diese Investition auszahlte, zeigte sich vor wenigen Wochen, als Apple bekanntgab, sein Adobe Aktienpaket zu verkaufen. Aus damaligen 2,5 Millionen Dollar Investment ergab sich ein Kurswert von zirka 90 Millionen Dollar - unabhängig von der Tatsache, daß Apple nicht wenige Postscript-Drucker in den Jahren verkaufte!

1985 stellte Apple seinen ersten Laserwriter vor. Zur Zeit der Vorstellung war der Laserwriter, ausgerüstet mit dem Adobe Postscript Interpreter, sozusagen Apples leistungsfähigster "Computer". Der Drucker besaß einen 68000-Prozessor und verfügte über mehr Speicherkapazität als der Rechner selbst. Zeitgleich brachte Aldus seinen Pagemaker heraus, und die Ära des Desktop-Publishing war geboren.

Linie von A nach B soll punktweise aufgebaut werden

Um sich die Funktion einer Seitenbeschreibungssprache vor Augen zu führen, genügt es, sich vorzustellen, wie mit einem Laserdrucker ein Rechteck zu Papier gebracht wird.

Sobald der Druckbefehl für das auf dem PC-Bildschirm gezeigte Rechteck gegeben wird, generiert der Druckertreiber die Befehle in der verwendeten Seitenbeschreibungssprache, die der Prozessor im Drucker braucht, um zu verstehen, daß er ein Rechteck produzieren soll.

Man schickt an die Ausgabeeinheit nicht Punkt für Punkt den Befehl, eine Linie zusammenzusetzen. Bei Postscript-Schriften sind die einzelnen Buchstaben und Zeichen nämlich nicht Punkt für Punkt definiert, sondern als mathematischer Algorithmus. Vielmehr sagt der Befehl, daß eine Linie von Punkt A nach Punkt B punktweise aufgebaut werden soll. Erfolgt das, wird automatisch die höchstmögliche Ausgabequalität genutzt, und der Wechsel auf eine andere Postscript-Ausgabeeinheit kann problemlos erfolgen.

Postscript besteht aus zwei Teilen: einem Druckertreiber und dem Interpreter im Drucker. Der Druckertreiber formuliert die zu druckenden Dokumente in die Postscript-Syntex um. Postscript ist dabei eine Hochsprache, die die zu druckenden Objekte und deren Positionierung auf dem Papier definiert. Der Interpreter steuert die Lasereinheit im Drucker entsprechend den mit Postscript formulierten Befehlen an. Auch Buchstaben sind solche Objekte. Die Definition eines Buchstabens ist somit nichts als Mathematik. Mit deren Hilfe wird die Zusammensetzung von Geraden und Bögen beschrieben, aus denen der einzelne Buchstabe gebildet wird. Das Verfahren hat den Vorteil, daß eine Definition für eine Vielzahl von Schriftgrößen und Schriftgraden genügt.

Entscheidende Vorteile von Seitenbeschreibungssprachen sind: Sie sind ein einfaches, für den Benutzer transparentes Mittel, um auf einer Seite gemeinsam hochwertige Schrift- und Grafikausgabe zu ermöglichen. Mit welcher Auflösung ausgedruckt wird, hängt einzig und allein vom belichtenden Gerät ab. Seitenbeschreibungssprachen waren damit primär eine Brücke zwischen PC und Druckausgabegerät.

Einfache und transparente Mittel

Ein eigenes Kapitel sind die bei Laserdruckern verfügbaren Schriftarten. Dank ihrer hohen Auflösung von 300 x 300 dpi (oder höher) bringen solche Drucker nicht nur exzellente Grafiken auf das Papier, sondern auch Schriften, die sich erst bei näherem Hinsehen vom qualitativ hochwertigen Fotosatz unterscheiden lassen.

Laserdrucker, die von einer Seitenbeeschreibungssprache angesteuert werden können beziehungsweise müssen, verfügen mittlerweile über einen sehr großen Vorrat an Schriftarten. Der Grund dafür ist einfach: Die Schriften sind im Laserdrucker permanent im ROM gespeichert oder sie können im Einzelfall vom Rechner heruntergeladen werden. Im August 1989 waren mehr als 500 Schriften im Postscript-Format von Adobe und seinem ersten Lizenznehmer Linotype erhältlich. Bis Ende '89 soll diese Zahl auf 750 steigen.

Mehr als 6000 Schriften in der Bibliothek

Weitere Schriften werden verfügbar sein, wenn Firmen wie Monotype, Agfa-Compugraphic, Varityper und Autologic ihre Schriftenbibliotheken auf Postscript-Format konvertiert haben. In den nächsten zwei Jahren erwartet Adobe die Erweiterung der Postscript-Schriftenbibliothek auf über 6000 Schriften. Auch sind non-Roman Fonts (etwa Kanji) zwischenzeitlich im Postscript-Format verfügbar.

Ein wichtiger Aspekt von Postscript ist der Desktop-Publishing-Bereich, der nicht anderes bedeutet, als mit PCs vom Arbeitsplatz aus zu publizieren. Der weiterführende Begriff "Corporate Publishing" charakterisiert die Möglichkeit, unterschiedliche Publikationen unternehmensweit über elektronische Medien - vom PC bis hin zum Großrechner - abzuwickeln. Unabhängig davon, ob es sich um Geschäftsberichte, Broschüren, Handbücher oder Konstruktionszeichnungen handelt. Corporate Publishing Systeme sparen Zeit, Material und Kosten. Gleichzeitig kann das durchgängige Erscheinungsbild eingehalten werden. Gefordert ist dabei, das Desktop- und Corporate Publishing als Bestandteil der Unternehmensstrategie zu sehen, bevor Publishing-Lösungen und -Systeme zu Insellösungen in den Unternehmen werden.

Ein weiterer Aspekt von Adobes Postscript ist, daß es als neues umfassendes Kommunikationsmedium dienen soll. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Denn Postscript ist ausgabeunabhängig, gleich ob es sich dabei um Drucker, Fotosatzbelichter oder Filmrecorder handelt. Und Postscript stellt einen leistungsstarken Industriestandard dar, um diverse Systeme, also PCs, Workstations, Minis und Mainframes zu verbinden.

Postscript-Files können leicht über die Anwendungen und über verschiedene Hardware-Plattformen transferiert werden. Spooling, File Sharing, Drucker- und Fontserver sind verfügbar. Zusätzlich sind die meisten Postscript-Drucker direkt in Netzwerke integrierbar.

Postscript

Die Seitenbeschreibungssprache Postscript wurde von Adobe Systems Inc. für die Übertragung von Texten und Grafiken an elektronische Drucksysteme entwickelt. Postscript stellt einen umfangreichen Satz grafischer Operationen, mit denen sich das Aussehen einer Druckseite exakt beschreiben läßt. Grundlage für die Beschreibung ist die "ideale" Seite; die Auflösungsfähigkeit und andere Eigenschaften des realen Druckmediums spielen keine Rolle.

Beispiel: Der Befehl 144360 moveto bewegt einen gedachten Zeichenstift zum Punkt mit den x-y-Koordinaten 144360. Er heißt "aktueller Punkt". Die Angaben werden in 1/72 Zoll gemacht. 720360 lineto zieht eine horizontale Linie vom alten zu einem neuen aktuellen Punkt. Nach demselben Muster kann Postscript sehr mächtige grafische Befehle ausfahren: Das Zeichnen von Kreisen und schielen Bögen, das Verschieben, Drehen, Vergrößern und Verkleinern beliebiger Objekte.

Darüber hinaus hat Postscript die Eigenschaften einer höheren Programmiersprache. Es kann nicht nur arithmetische und logische Operationen durchführen, sondern erlaubt auch das Deklarieren von Prozeduren und Variablen. Normalerweise setzt ein Anwendungsprogramm die Formatierungs- und Zeichenbefehle seines Benutzers in Postscript um und leitet sie weiter an den im Drucker integrierten Rechner und seine Interpretersoftware.

Die Fotos, Schriftarten, liegen beim Postscript-System nicht in verschiedenen Größen vor, sondern nur einmal als geometrische Beschreibung der einzelnen Einheiten (Buchstaben, Symbole). Für den aktuellen Gebrauch wird daraus das Zeichen konstruiert: In der verlangten Größe, mit beliebiger Neigung, outlined, shadowed und so weiter nach Wunsch. Text und Grafik werden mit diesem Verfahren stets in der bestmöglichen Auflösung des Ausgabegerätes - ob Kleinlaserdrucker oder Satzbelichtungsmaschine - ausgegeben.