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05.10.1990 - 

Ehemaliger OEM stellt zur Orgatechnik eine eigene PC-Linie vor

Kyocera: Neuer Herausforderer auf dem Markt der High-end-PCs

MÜNCHEN (CW) - Während andere Hersteller mit ihrem PC-Absatz kämpfen und bereits im Verdrangungswettbewerb stehen, versucht sich Kyocera als Newcomer: Zur Kölner Orgatechnik präsentiert der hierzulande vor allem mit Laserdruckern bekannt gewordene japanische Hersteller eine komplette neue PC-Familie.

Um dem harten Preiswettbewerb zu entgehen, den sich viele PC-Hersteller mittlerweile liefern, steigt Kyocera gleich ins High-end-Marktsegment ein: Rechner mit 8086- oder 80286-CPU wird es nicht geben. Bereits das Einstiegsmodell besitzt einen 386 SX-Prozessor. Nach oben wird die Palette durch den derzeit leistungsfähigsten Prozessor, Intels 80486 mit 33 MHz abgerundet.

Kyocera möchte mit der PC-Linie an den Erfolg seiner Laserdrucker anknüpfen. Billig sind die Rechner nicht, dafür aber erhält der Kunde einen reichhaltig ausgestatteten PC. So kommen alle Modelle mit integrierter VGA-Grafik (800 x 600 Punkte), 14-Zoll-Farbmonitor (optional), mindestens 50 MB großer Festplatte, DOS 4.01 und einem integrierten Paßwortschutz auf den Markt. Die VGA-Karte bietet Ausgänge für TTL-, Analog- sowie einen Plasma-Bildschirm.

Das minimalistische Design der graugetönten Boxen stammt von der Nürnberger Firma ITO-Design. Bei den Monitoren hat sich Kyocera für Black-Trinitron-Röhren von Sony entschieden, die durch ihre Farbbrillanz wesentlich zur Ergonomie beitragen.

Das kleinste Modell, der "Multi light III SX", wird aus Designgründen nur mit einem 3 1/2-Zoll-Laufwerk angeboten, die anderen Modelle verfügen standardmäßig über 3 1/2- und 5 1/4-Zoll-Diskettenlaufwerke. Die Festplattenkapazität ist optional auf 100 oder 200 MB erweiterbar.

Der Multi light III SX belegt als Mini-Tower gerade eben 7 x 32 Zentimeter Standfläche bietet dabei aber noch Platz für zwei 16-Bit-Einsteckkarten. Er läuft mit 20 MHz und kommt ohne Monitor auf 7000 Mark (plus Mehrwertsteuer). Die beiden mit 25 und 33 MHz getakteten "echten" 386er sind mit 12 x 38 Zentimeter Standfläche ebenfalls recht klein ausgefallen, bieten aber neben den zwei Diskettenlaufwerken noch Platz für zwei halbhohe Festplatten sowie vier Einsteckkarten. Standardmäßig sind die Rechner mit 2 MB RAM ausgestattet, der durch Simms On-Board auf 10 MB erweiterbar ist Die genauen Spezifikationen des 486-Top-Modells waren bis Redaktionsschluß noch nicht bekannt. Auch die Preise für größere Modelle stehen noch nicht fest.

So unerwartet dieser Neueinstieg in den PC-Markt auch sein mag: Kyocera hat bereits lange Erfahrung als PC-Hersteller. Als OEM lieferte Kyocera sämtliche Rechner von Vistor, die damit in Europa auf einen Marktanteil von drei Prozent kam. Nach dem Verkauf von Victor an Tandy entschlossen sich die Japaner, die freigewordene Kapazität für die Fertigung einer eigenen Produktpalette zu nutzen. Yasuhiko Honda, General Manager der Kyocera Electronics Europe GmbH, rechnet mit einem anhaltenden PC-Boom: "Wir erwarten für den PC-Markt sehr hohe Steigerungsraten bis weit ins nächste Jahrtausend. Und wir wollen in diesem Markt einer der größten Hersteller von Computern und Peripherie werden."

Kyocera versucht die sanfte Invasion

Kyocera - der Name steht für "Kyoto Ceramics" - wurde 1959 gegründet und ist heute ein Konzern mit über drei Milliarden Dollar Umsatz. Auch heute noch machen keramische Bauteile den größten Teil des Geschäftes aus.

Im Bereich der keramischen Chip-Gehäuse etwa hat Kyocera einen Weltmarkt-Anteil von über 60 Prozent. Daneben ist der Konzern sehr stark im Bereich der elektronischen Bauteile sowie bei Computer-Peripherie vertreten.

Besonderen Wert legt das Unternehmen auf die Feststellung, daß es sich, im Gegensatz zu vielen anderen japanischen Firmen, nie mit der Nachahmung fertiger Produkte beschäftigte, sondern intensive eigene Forschung betrieb. Die Folge war eine Vielzahl innovativer Produkte - nicht-kristalline Silikon-Trommeln für Laserdrucker beispielsweise.

Auf die international weitverbreiteten Ängste vor einer "japanischen Invasion" antworteten viele japanische Firmen mit einer Verlagerung von Produktionsstätten nach Europa und in die Vereinigten Staaten. Kyocera wählte einen anderen Weg, den der "Globalisierung". Gemeint ist damit ein japanischer Konzern mit Zentrale in Japan und eigenständig operierenden Tochterfirmen rund um den Globus. Diese tragen zwar den gleichen Namen wie die Muttergesellschaft, sollen aber in den jeweiligen Ländern als einheimische Firmen gelten.

In der EDV ist diese Vorgehensweise noch relativ unbekannt, doch im Automobilbereich gibt es prominente Vorbilder. Opel beispielsweise gilt als ein rein deutsches Unternehmen, Vauxhall gilt als urbritisch. Beide Firmen bauen fast identische Fahrzeuge und sind 100prozentige Töchter von General Motors. Die Unterscheidung von der Mutterfirma wird hier durch die eigenen Namen der Töchter erleichtert.

Unbedingt nötig ist das nicht: Ford genießt bei weltweit identischem Namen das gleiche Image - Ford Köln gilt als deutsches Unternehmen, Ford Great Britain als britisches.

Kyocera versucht den gleichen Weg zu gehen. Die einzelnen Niederlassungen arbeiten selbständig, sie sollen die Bedürfnisse des jeweiligen heimischen Marktes erforschen und befriedigen. Dazu gehört, daß sie sich überwiegend einheimischer Mitarbeiter bedienen. Lediglich die Dachorganisation, die die Gesamtleitung innehat, sitzt in Japan und koordiniert die einzelnen Tochterunternehmen.