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27.06.1980

Läßt ökonomisches Unverständnis DV-Chefs scheitern?

Versucht heute ein DV-Manager weiterhin als "Generalist" tätig zu sein, wird er nach Ansicht von Norbert Ruppenthal, Gesamt-DV-Leiter bei Rodenstock in München, an der Fülle der beim Entscheidungsprozeß zu berücksichtigenden Hard- und Software-Angebote sowie an der damit verbundenen Informationsflut scheitern. "Inzwischen ist es keineswegs mehr im Sinne einer Geschäftsleitung", erläutert Heinrich Keller (Ernst Leitz GmbH, Wetzlar), "einen DV-Leiter zu beschäftigen, der zwar über Spezialkenntnisse verfügt, aber nicht in der Lage ist, die ökonomischen Interessen des Unternehmens zu begreifen." DV-Manager müßten daher mehr Mut aufbringen, ihre Aufgaben verstärkt zu delegieren, damit sie sich intensiver ihrer eigenen Weiterbildung widmen können. Der DV-Chef der Zukunft habe, so Keller, nur dann eine Chance, wenn er neben seiner Computerkapazität auch betriebswirtschaftliche Optimierungsmethoden anbieten könne. ha

Heinrich Keller

Leiter der Abteilung DV-Rechenzentrum, Ernst Leitz Wetzlar GmbH, Wetzlar (Univac 90/80111, VS/9)

Die emotionale Entwicklung der Computertechnologie innerhalb der letzten Jahre hatte maßgeblichen Einfluß auf die Aus- und Weiterbildung der EDV-Leute.

Neue Hard- und Softwaretechnologien in einem bis dahin nie dagewesenen Ausmaß mußten in den Wissensstand implementiert werden, so daß für die Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Anwendungsmethoden keine Zeit mehr blieb. Hinzu kam, daß sich mit der Einführung neuer Technologien auch neue Anwendungsmöglichkeiten auftaten, die wiederum eine Herausforderung an den EDV-Leiter darstellten. Eine Herausforderung dergestalt, daß er seine Dienstleistungen in die Fachabteilungen hinein bringen mußte.

Mit der Erweiterung der Aufgabenabgrenzung ergaben sich zwangsläufig neue Kommunikationsprobleme, die es nunmehr zu bewältigen gilt.

Hier liegt der eigentliche Ansatzpunkt für die Aus- und Weiterbildung des EDV-Leiters. Er muß in Zukunft seine Wißbegier schwerpunktmäßig mehr den unternehmensplanerischen Zielen widmen. Um dies zeitlich verkraften zu können, muß er mehr Mut zur Delegation der Verantwortung m datenverarbeitungsspezifischen Bereich (vornehmlich Programmierung und Rechenzentrum) aufbringen.

Es kann keinesfalls im Interesse einer Betriebs- oder Geschäftsführung liegen, einen EDV-Leiter zu beschäftigen, der EDV-Spezialkenntnisse bis ins kleinste Detail besitzt, andererseits ober nicht in der Lage ist, ihre ökonomischen Interessen zu begreifen und somit von der Problemstellung her keine optimalen Lösungen entwickeln kann.

Der EDV-Leiter der Zukunft hat deshalb nur dann noch eine Chance, wenn er neben seiner Computerkapazität auch betriebswirtschaftliche Optimierungsmethoden anzubieten hat.

Ein DV-Leiter sollte seine Aufgabenabgrenzung schwerpunktmäßig verlagern, damit ihm zunächst einmal Zeit für die eigene Weiterbildung zur Verfügung steht.

Ein weiterer nicht unwichtiger Faktor in punkto Weiterbildung wäre die Frage, welche Ressourcen ihm hier zur Verfügung stehen, um sein Wissen mehr in Richtung des sogenannten Informationsmanagers hin zu orientieren.

Spezielle Schulungsangebote hierfür findet man in den Ausbildungsverzeichnissen von EDV-Herstellern und Ausbildungsakademien noch nicht. Es ist aber ohne weiteres möglich, sich anhand dieser Ausbildungsverzeichnisse selbst einen Studienplan zusammenzustellen, der dann sogar noch besser auf die branchenspezifischen Belange des eigenen Hauses ausgerichtet und somit effizienter sein kann.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit des Selbststudiums anhand der in großen Mengen angebotenen Fachliteratur über moderne Management-Methoden. Auch der durch mehr Zeit zwangsläufig umfangreichere Dialog mit den Fachabteilungen ist ein wesentlicher Faktor zur quantitativen und qualitativen Erweiterung des Grundlagenwissens.

Fazit: Der EDV-Leiter muß lernen Verantwortung zu delegieren, damit er die Zeit findet, den Dialog mit den EDV-Benutzern (Fachabteilungen) zu intensivieren um damit letztlich den Computereinsatz insgesamt wirksamer zu gestalten.

Er muß seinen Bildungsstand den unternehmensplanerischen Zielen entsprechend anpassen, damit er jederzeit präsent ist und Informationsbedürfnisse der Betriebs- oder Geschäftsführung sowie auch der Fachabteilungen rational und optimal befriedigen kann.

Attila L. Osvath, Manager Information Systems, Lilly Deutschland GmbH, Gießen (IBM 3031, DOS/MVS)

ES ist eine allgemeine Weisheit, daß man ohne berufliche Weiterbildung den Anschluß in seinem Beruf recht schnell verliert.

Dies gilt insbesondere für die Datenverarbeitung, wo der technische Wissensstand spätestens alle fünf bis sieben Jahre zur Makulatur wird und früher gewonnene Erfahrungen und Vorgehensweisen in einer sich rapid verändernden Umgebung unter Umständen sich sogar als hinderlich, weil "counter-productiv" erweisen können. (Man denke doch nur an einen Bittüftler alter Prägung, in einer Umgebung, wo Software ingenieurmäßig mit modernen Technologien erstellt wird).

Weiterbildung ist also auch für den EDV-Leiter unerläßlich, will er in seinem Job auf Dauer bestehen. Nur die Frage ist: "wie" Weiterbildung, "was" lernen und auch "wann". Diese drei Punkte verursachen mehr als genug Probleme. Darf denn der EDV-Leiter (Manager Information Systems) heute überhaupt noch anstreben an der Spitze der technischen Entwicklung zu stehen:

- als Hardware-Experte?

- als Betriebssystem-Experte?

- als Kommunikations-Experte?

- als Anwendungs-Programmierer?

- als Belegvor- und nachbearbeitungs-Experte?

und vieles andere mehr.

Oder sollte er sich mit der Rolle des "Generalisten" begnügen?

Ich glaube, daß der EDV-Leiter sich auf die Aufgabe beschränken sollte, die ihm übertragen worden ist, nämlich zu leiten.

Er sollte sich in erster Linie als Manager weiterbilden, am Fähigkeiten zu entwickeln, die es ihm ermöglichen, in Zusammenarbeit mit anderen und durch andere die ihm gestellte Aufgabe zu bewältigen. Als Leiter einer Service-Abteilung muß er zur Verwirklichung der gesetzten Ziele des Gesamtunternehmens beitragen.

Er muß die Verantwortung übernehmen für alles, was in seinem Bereich geschieht. Da er aber nicht alles selbst erledigen kann, muß er Techniken erlernen, wie er bestimmte Aufgaben durch seine Mitarbeiter erledigen lassen kann. Das heißt, durch Motivation, Delegation und Kontrolle. Dies sind reine Management-Aufgaben, und das wiederum bedeutet: Im Vordergrund jeglicher Weiterbildung sollte das Erlernen von Management-Fähigkeiten stehen.

Selbstverständlich muß zusätzliches Fachwissen erworben werden, um Trends, Entwicklungen richtig einschätzen zu können. Diese fachbezogene Expertise kann er sich im Gespräch mit seinen Mitarbeitern, beim Software- oder Hardwarehersteller, durch Studium der Fachliteratur, durch Teilnahme an Ausstellungen sowie beim Besuch von Tagungen aneignen. Auch viele herstellerunabhängige Institute bieten hier sehr gute Fortbildungskurse an.

Tatsache ist also, Weiterbildung muß sein und an Gelegenheit fehlt es nicht. Im Gegenteil, das Angebot ist so vielfältig, daß eine sehr kritische Überprüfung und Selektion des Angebotes unerläßlich ist.

Trotzdem wird viel zu wenig für die Weiterbildung getan. Für die meisten DV-Leute dürfte zutreffen daß, selbst wenn man das "Wie" und "Was" für sich befriedigend beantwortet hat, des "Wann" das Hauptproblem sein wird.

Norbert Ruppenthal, Gesamt-DV-Leiter, Optische Werke G. Rodenstock, München, (Siemens 7.755, BS 1000)

Durch tägliche Arbeiten eingedeckt und durch einen hohen Prozentsatz von eigener Aktivität, zielstrebigem Fortschrittsdenken und einer Fülle betrieblicher Aufgaben, kommt ein DV-Leiter - wenn er heute noch weitgehend im "Feld" tätig ist - selten zu Erholungs- oder Verschnaufpausen. Wie gelingt es aber trotzdem vielen dieser einstmaligen Pioniere in der Fülle der täglichen Aufgaben, die weit über den Acht-Stunden-Tag hinausgehen, informativ und fachlich auf dem laufenden zu bleiben?

Wenn ich meine eigene Arbeit betrachte, so ist diese ein gezieltes "Sichselbst-organisieren". Stelle ich mir jedoch die Frage, was ich den ganzen Tag neben den vielen Kontroll-, Telefonats- , Diktier- und Anweisungs-Funktionen gemacht habe, so erkenne ich, das nahezu 50 Prozent wiederkehrende Tätigkeiten sind. Dies ist jedoch eine Sache der Organisation. Warum soll man also nicht für sich selber Organisationsmittel einsetzen, die man als Manager für Organisation und Informatik "anderen Leuten verkaufte".

Um einen Tag oder sogar eine Woche, die zwar schon langfristig mit Arbeiten und Terminen geplant ist, kurz vor dem Start des Tages vorzubereiten, genügt es, wenn man sich am Vorabend fünf bis zehn Minuten Zeit nimmt und sich fragt: Was will ich morgen wie und mit wem erledigen? Oder: Was habe ich heute wie, mit wem und warum erledigt?

Wenn man diese Grundtendenz einhält, hat man genügend Zeit, neben vielen Fachgesprächen auch interessante, neue Themen zu bearbeiten und dabei auch noch an seine eigene Weiterbildung zu denken. Man kann sich Anregungen aus Fachzeitschriften holen, kann in seinem Sekretariat eine Auswahl aus der Fülle der Artikel treffen und aus der täglichen Flut des Posteinganges Führungs- und Fachseminare heraussuchen, die interessant erscheinen.

Versucht heute ein DV-Chef weiterhin als "EDV-Generalist" tätig zu sein, wird er bei der Fülle von Hard- und Software-Angeboten und der damit verbundenen Informationsflut scheitern.

Inzwischen bieten DV-Hersteller, Verbände und private Bildungs-Institute eine Fülle von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen an. Haupttendenzen der DV-Entwicklung bezüglich Hard- und Software-Produkte sollte man sich auf nationalen oder internationalen Kongressen holen. Hier sollten auch Kontakte mit Fach-Managern geknüpft werden. Auch auf diese Art kann man informiert sein. Bei Fachgesprächen etwas außerhalb des eigenen Gesichtskreises sind einige EDV-Hersteller zwar sehr vorbildlich, jedoch nur auf "ihr System bezogen".

Die Gefahr, die bei eigenen oberflächlichen Fort- und Weiterbildungsversuchen besteht, liegt darin, Mitarbeiter zu vertieften Spezialkursen und Seminaren zu schicken. Diese sind dann vielfach besser geschult als der "Chef".

Ein DV-Manager kann nur die Vor- und Nachteile eines Betriebssystems beherrschen, wenn er sich laufend damit beschäftigt dies ist jedoch in der Regel kaum möglich. Er sollte daher, je nach Größe des DV-Betriebes, eine Reihe von Spezialisten um sich reihen, mit denen er diskutieren kann, um daraus seine Fort- und Weiterbildung abzuleiten. Die einstigen Möglichkeiten, sich ein bis zwei Wochen dem Betriebsgeschehen zu entziehen, um ein Weiterbildungsseminar zu besuchen, sind inzwischen nicht mehr gegeben.