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07.01.1983 - 

Trends und Prognosen im Bereich lokale Netze:

LAN-Einstieg zunächst nur für Großanwender interessant

Als unübersichtliches und schwer zu beackerndes Terrain erwies sich der Markt für lokale Netze, Local Area Networks oder, modisch verkürzt, LANs, auch im vergangenen Jahr. Divergierende Auffassungen darüber, was unter dem Begriff LAN eigentlich zu verstehen sei, und zu hochgeschraubte Ansprüche der potentiellen Anwender kennzeichneten die Situation. Ein Lichtblick zeigte sich allerdings an der Herstellerfront: Als erster Standard wurde das auf der Ethernet-Entwicklung basierende CSMA/CD-Verfahren für Basisbandnetze von dem europäischen Normungsgremium und im Grundsatz auch von seinem amerikanischen Pendant abgesegnet.

Ende Juni 1982 verlautete aus Genf, dem Sitz der European Computer Manufacturers Association (ECMA), daß sich die überwiegende Mehrheit der in dieser Vereinigung zusammengeschlossenen Hersteller auf einen LAN-Standard für die ersten beiden Ebenen des ISO-Modells, die physikalische und die Datenübertragungsschicht, geeinigt hätten. Mit wenigen Ausnahmen - darunter Burroughs und NCR - stimmten alle übrigen ECMA-Mitglieder für das CSMA/CD-Zugriffsverfahren (Carrier Sense Multiple Access with Collision Detect) für busstrukturierte Basisband-Kupferkoaxialkabelnetze. Marktführer IBM, der ein eigenes LAN-Konzept mit Ringstruktur und Token-Passing-Zugriff angekündigt hatte, rang sich ein halbherziges "Ja" unter der Voraussetzung ab, daß auch sein Prinzip als Standard zu Ehren käme.

Ein Vierteljahr später, Ende September, gab Texas Instruments bekannt, daß man nach IBM-Spezifikationen einen VLSI-Chip entwickeln werde, der das Token-Passing-Konzept berücksichtige. Branchenkenner werteten diese Ankündigung allerdings nicht als eine eindeutige Festlegung von Big Blue im Bereich LAN, sondern verwiesen auf die Zusammenarbeit zwischen IBM und der kanadischen Mitel. Zudem hätten die Armonker als Weiterentwicklung der Serie /1 -Minicomputer Netzwerkfunktionen realisiert, die das CSMA-Protokoll unterstützten.

Grünes Licht für CSMA/CD signalisierten Ende des vergangenen Jahres schließlich auch die im amerikanischen Institute of Electric and Electronic Engineers (IEEE) zusammengeschlossenen Hersteller. Die endgültige Absegnung des auf der LAN-Entwicklung "Ethernet" beruhenden Prinzips, das Rank Xerox, Digital Equipment und Intel entwickelt haben, soll im Mai dieses Jahres fallen. Damit wäre dann erstmals ein Standard geschaffen, der diesseits und jenseits des Atlantiks als verbindlich anerkannt wird.

Der Anwender hat weiterhin die Qual der Wahl

Die Diskussion um das beste LAN-Konzept dürfte damit aber nicht beendet sein, sondern allenfalls zu einer Versachlichung beitragen: Der Anwender hat weiterhin die Qual der Wahl zwischen CSMA/CD, Token Passing, TDMA (Time Division Multiple Access) und Dual-Mode-TDMA-Zugriffsverfahren sowie zwischen Basis- und Breitbandkupferkoaxialkabeln und Glasfasernetzen. Voraussetzungen für eine Konzeptentscheidung sind vor allem eine detaillierte Analyse der Anforderungen und eine Klärung der innerbetrieblichen Zuständigkeit.

Auch die Marktforscher uneins über LAN-Zukunft

Die Hersteller beklagen allerdings Immer wieder, daß sich die Anwender nur selten Gedanken darüber machen, welchen Nutzen sie aus einem lokalen Netz ziehen können. Ungeachtet dessen verlangten sie aber eine allumfassende optimale Lösung: Die Integration der verschiedenen Kommunikationsarten, Kompatibilität sowohl zwischen den Komponenten verschiedener Hersteller als auch zwischen innerbetrieblichem Verkehr und der Kommunikation mit externen Partnern sowie die rasche Entwicklung im Bereich der öffentlichen Netze.

Die Wirtschaftlichkeit lokaler Netze bleibt dagegen meist ungeprüft - Insider sind der Auffassung, daß in fünfzig Prozent aller LAN-Lösungen eine Telefon-, Telex- oder Teletex-Nebenstellenanlage den gleichen Zweck erfüllt mit dem Vorteil, wesentlich billiger zu sein.

Die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Local Area Networks zieht sich auch wie ein roter Faden durch die Prognosen der berufsmäßigen Marktbeobachter. Sie behelfen sich damit, einzelne Kriterien zur Grundlage ihrer Beurteilung zu machen. Die Experten des New Yorker Marktforschungsinstituts Frost & Sullivan wagten zum Beispiel im März letzten Jahres die Vorhersage, daß der LAN-Markt von 15 Millionen US-Dollar bis 1990 weltweit auf eine Milliarde US-Dollar anwachse. Der Löwenanteil werde dann nicht mehr auf die Basisbandnetze á la Ethernet entfallen, sondern mit mehr als 800 Millionen Dollar auf die komfortableren Breitbandnetze.

Eine Studie der amerikanischen Venture Development Corporation (VDC) vom September 1982 unterscheidet nach Zugriffsverfahren. Der Erfolg des CSMA/CD-Verfahrens beziehungsweise von Ethernet wird danach bezweifelt. Insbesondere für die schnelle Datenverarbeitung sei dieses Prinzip nicht geeignet. VDC ist außerdem der Meinung daß die meisten Anwender mit umfangreichem DV-Equipment mehrere LAN-Anwendungen brauchen TDMA beispielsweise für die Echtzeitverarbeitung und zur Verbindung mehrerer kleiner LANs innerhalb großflächiger Grundstücke, werken Passing für die automatisierte Fabrik und für wissenschaftliche Zwecke sowie CSMA/CD für die Bürokommunikation.

In den kommenden Jahren werde es mehrere technologische Durchbrüche und in der Folge auch eine Vielzahl von Produkten geben, die in Qualität und Verarbeitungskapazität miteinander konkurrierten. Bis 1990 wächst der Markt VDC zufolge sogar auf 1,175 Milliarden US-Dollar.

Die Glasfaser wird als Medium entdeckt

Während heutige LAN-Lösungen zum überwiegenden Teil auf Basis- oder Breitbandkupferkabeln als Übertragungsmedium beruhen, bieten bereits die ersten Hersteller die Glasfasertechnologie an. Als Beispiele sind hier etwa das SILK-System der schweizerischen Hasler AG oder der "LIBSY"-Konzept der Stuttgarter Informatik GmbH zu nennen.

Andere Hersteller experimentieren mit optischen LAN-Konzepten. Burroughs befindet sich nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit Hitachi, um seine eigenen Office-Automation-Produkte über Sigma-Net, das Glasfasernetz der Japaner zu verbinden. Ungermann-Bass, Codenoll Technology und Siecor/Fiber-LAN, eine gemeinsame Tochter des größten Glasfaserherstellers Corning und der Siemens AG, präsentierten in Santa Clara ein optisches Ethernet-kompatibles lokales Netz das "Fiber Optic Net/One".

Fazit: Der LAN-Einstieg lohnt sich bisher - wenn überhaupt - nur für Großanwender, die sehr genau wissen, was sie wollen und brauchen und die sich in der Pilot- oder Pionierrolle wohl fühlen.