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Die strategischen Ansätze der Bürokommunikations-Anbieter

LAN, ISDN-PBX oder Unix: Drei Wege führen ins Gelobte Land

17.02.1989

In einem Punkt sind sich die Experten beim Thema "Bürokommunikation" einig: Das arg strapazierte Schlagwort steht inhaltlich für die (versuchte) Integration aller kommerziellen Anwendungen. Der Wege sind zwar nicht ganz so viele wie die. die bekanntlich nach Rom führen, aber die Qual der Wahl bleibt dem Anwender doch: Da konkurrieren LANs mit den Möglichkeiten. die ISDN zukünftig bietet. und softwareseitig spielt inzwischen Unix eine wichtige Rolle.

Das unübersichtliche Produktangebot auf dem Sektor Bürokommunikation und die unterschiedlichen strategischen Ansatzpunkte, mit denen die Anbieter sich ihren Anteil

am Markt zu sichern suchen, hat die COMPUTERWOCHE zum Anlaß genommen, bei zehn Herstellern nachzuforschen, wohin deren LAN-, ISDN- und/oder Unix-Reise in die Bürozukunft geht. Während Hewlett-Packard sich vornehm zurückhielt und zu gar keiner Antwort durchringen konnte, bezogen Nixdorf, Siemens, Telenorma, SEL, Philips, Mannesmann Kienzle und Wang auf allen Feldern Position. DEC ließ das Thema LAN unbeantwortet (und begründete dies mit Zeitmangel). IBM nahm lediglich zum Thema Unix präzise Stellung, wich aber bei ISDN und LAN auf sehr wolkige Formulierungen aus.

Den ersten Schritt in Richtung herstellerübergreifende Kommunikation markiert das thematische Aufkommen der LANs mit Ethernet an der Spitze - kein Wunder, daß lokale Netze, dank der Möglichkeit, heterogenes Equipment zu vernetzen, auch und gerade in den Büros Einzug hielten. Die internationalen Standardisierungsgremien, gepusht durch Herstellerinitiativen wie "Ethernet" oder "Token Ring", trugen ihren Teil dazu bei und sorgten für Klarheit auf der Normungsseite. Konsequenz: Alle befragten Hersteller bieten mindestens ein LAN gemäß IEEE 802.3-Norm - besser bekannt als Ethernet -an, die meisten auch IEEE 802.5 (Token Ring) und einige zusätzlich auch IEEE 802.4 (Token Bus). Für die Ingredienzen, die darüber hinaus ein maßgeschneidertes "Standardprodukt" ausmachen, füllen entweder De-facto-Standards wie Ethernet und TCP/IP oder aber Herstellerstandards wie Novells Netware, der LAN Manager von Microsoft oder der IBM Token Ring die Lücken.

Klar aus Herstellersicht sind auch die weiteren LAN-Schritte in die Zukunft: Angesichts der weiten Verbreitung von Ethernet spielen Weiterentwicklungen auf Twisted Pair und Lichtwellenleitern eine maßgebliche Rolle, darüber hinaus FDDI sowie MAP.

Doch zurück zur Gegenwart, wie sieht die Bürokommunikationswirklichkeit Ó la LAN tatsächlich aus? Zu den dominierenden Anwendungen heute zählen der Zugriff auf gemeinsame Datenbanken, File- und Druck-Ressourcen sowie Electronic Mail und Terminplanung. Einsparungsmöglichkeiten gegenüber traditionellen BK-Lösungen versprechen die Hersteller- soweit sie sich dazu überhaupt geäußert haben - bei den Installations- und Gerätekosten (standardisierte Verkabelung, weniger Terminals, Drucker und Plotter) sowie in der Erweiterung der vorhandenen Speicherkapazität.

Frage der Zentralisierung vs. Dezentralisierung stellt sich neu

Mit der zunehmenden "LANisierung" stellt sich freilich auch die alte Glaubensfrage Zentralisierung versus Dezentralisierung von neuem. Der Trend lautet nicht mehr "Entweder/Oder", sondern "Sowohl/Als Auch": Da korrespondiert dezentralisierte Prozessorleistung durchaus mit zentralem Netzwerkmanagement, und der Verfügbarkeits- und Sicherheitsverbund stellt sich folge richtig als Kehrseite der Medaille "Verteilte Intelligenz" dar.

Ein Manko freilich konnten bisher alle noch so ausgefeilten LAN-gestützen Bürokommunikationssysteme nicht wettmachen - ein lokales Netz läßt bekanntlich den Sprach-Dialog (und damit beispielsweise auch einen auf dem Telefonnetz basierenden Dienst wie Telefax) außen vor. Abhilfe ist oder scheint zumindest mit ISDN-BK-Lösungen auf der Basis von digitalen Nebenstellen-/ Telekommunikationsanlagen bereits in Sicht, doch genau da beginnt für Anwender und Anbieter das eigentliche Dilemma, wie die CW-Umfrage deutlich belegt.

Auf die Frage nämlich, welche ISDN-Anwendungen wohl am aussichtsreichsten bei der täglichen Büroarbeit sind, zeigt sich eine starke Überlappung mit dem Bereich "Lokale Netze": Nixdorf beispielsweise sieht bei ISDN vor allem Chancen im Hinblick auf Datenübertragung, Bildtelefon und Telefax, für Telenorma liegt der Vorteil von ISDN im möglichen Aufbau von Bürokommunikationsnetzen zwischen räumlich getrennten Standorten eines Unternehmens, bei Siemens stellt man als Plus von ISDN das orts- und bereichsübergreifende Zusammenspiel von DV- und Kommunikationssystemen heraus, DEC sieht die Stärken von ISDN in der Verbindung von Sprachleistungsmerkmalen mit Merkmalen der informationsverarbeitenden Systeme und IBM erklärt sogar, daß viele Inhouse-Anwendungen mit ISDN abgewickelt werden könnten.

Auf der anderen Seite mag so recht kein Hersteller davon sprechen, daß

mit ISDN vorhandene Bürokommunikationslösungen substituiert werden. Vielmehr - so lautet der einhellige Tenor - werden die Anwendungen verlagert und ersetzt oder kurz: "intelligenter".

Intelligentere Anwendungen er fordern jedoch wie in allen Bereichen der herstellerübergreifenden Kommunikation einen Grundkonsens an Normen und Standards und hier klaffen bei ISDN noch zahlreiche Lücken. Zwar treiben das Genfer CCITT und das kürzlich gegründete Europäische Telecom-Normungsinstitut ETSI die Standardisierung im öffentlichen Bereich voran und setzen damit Eckpfeiler auch für den Inhouse-Sektor; dennoch sind weitere Ergänzungen unumgänglich.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen sieht die von der ECMA unterbreiteten und dem ZVEI unterstützten Vorschläge für den Anschluß von TK-Anlagen (So- und Upo-Schnittstellen mit dem DKZN2-Protokoll), die der europäischen Normungsbehörde Cenelec vorliegen als zukunftssicher an. Bis diese allerdings endgültig vorliegen, dürfte noch einige Zeit vergehen und die Anbieter sind gezwungen, ihre Produkte mit eigenen (Zwischen-) Standards zu realisieren. Das Rennen dürften hier nach allgemeiner Einschätzung Herstellerprotokolle machen, die sich an CCITT-Normen anlehnen und später eine Migration zu CCITT-abgeleiteten allgemeinen Normen gestatten.

Kosteneinsparungen bisher nicht näher zu beziffern

Ungeachtet dieser Unwägbarkeiten listen die Befragten einen ganze 5 Reihe von Fällen auf, in denen sich schon heute mit einer digitalen und auf ISDN ausgerichteten PBX Kosteneinsparungen ergeben, ohne diese allerdings näher zu beziffern: So läßt sich etwa die vorhandene Telefonverkabelung auch für die PC-Vernetzung und die Host-Kommunikation nutzen, bei Umzügen und Erweiterungen des Geräteparks ergibt sich eine größere Flexibilität bei der Anschaltung von Non-Voice-Geräten, die verschiedenen Telematik-Dienste lassen sich in integrierten Arbeitsplätzen bündeln oder die TK-Anlage wirkt als Konzentrator und spart damit Ports.

Was bei ISDN in puncto noch nicht ausgefüllte Normen gilt, gilt auch für Bürokommunikationslösungen auf Unix-Basis: Ein Grundstock ist erarbeitet, aber wesentliche Felder sind noch unbeackert beziehungsweise in der Diskussion. Die Plattform, die bei fast allen befragten Herstellern unstrittig ist, heißt X/Open Portability Guide und IEEE Posix 1003.1; ergänzende Standards, so die überwiegende Einschätzung, resultieren vor allem aus den Aktivitäten der OSF, zum geringeren Teil auch aus denen des rivalisierenden Konsortiums Unix International.

Immerhin gehört der Bereich Bürokommunikation zu den ersten kommerziell verfügbaren Unix-Anwendungspaketen, wobei die Palette sowohl übergreifende als auch Branchenlösungen umfaßt. Die Anbieter verschweigen allerdings auch nicht die noch bestehenden Defizite im Produktangebot: Hierzu zählen vor allem Daten- und Systemsicherheit, Netzwerkmanagement, Benutzerschnittstellen, Grafik sowie die im Vergleich zu herstellerspezifischen Lösungen geringere Funktionalität.

Als weiteres Unix-Hemmnis kommen die verschiedenen Implementierungen hinzu, die derzeit einheitliche Anwendungsumgebungen und damit wirklich portablen Lösungen entgegenstehen mit der Folge, daß die Kunden verunsichert sind. Immerhin zeigen sich die befragten Unternehmen zunehmend sensibilisiert und bereit, Abhilfe zu schaffen. So betont IBM bespielsweise: "Die sich entwickelnden Standards, die diese Probleme beheben, sehen wir als Klammer, die auch die unterschiedlichen Implementierungen der beiden Pressure Groups einbindet. " In ähnlicher Weise äußern sich auch DEC, Philips und Siemens.

Maßgeblich dafür, daß dies nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben, dürfte die Vorreiterrolle sein, die die Öffentlichen Verwaltungen bei der Durchsetzung von Unix-Systemen spielen. Telenorma etwa konstatiert "Da der größte Teil aller Bürokommunikations-Installationen im öffentlichen Bereich stattfindet, und die Bürokommunikation als Integrator aller kommerziellen Anwendungen angesehen werden kann, ist mittelfristig mit einer Umorientierung kommerzieller Applikationen in Richtung Unix zu rechnen. Nach Meinung von Philips und Mannesmann Kienzle haben die Öffentlichen Hände den Durchbruch im kommerziellen Markt bewirkt, für Nixdorf und SEL beschleunigt dieses Engagement noch zusätzlich das Bewußtsein für Standards.

Dieses Bewußtsein für Standards und damit die Abkehr von herstellerspezifischen De-facto-Normen dürfte für alle Anbieter, die sich auf dem Feld der Bürokommunikation tummeln und damit Geld verdienen wollen, in Zukunft unabdingbar sei.

Allerdings: Die Frage, ob der LAN- und der Unix-Bereich - der erst e kraft der bereits installierten Basis, der zweite auf Druck der öffentlichen Verwaltungen - für die nahe Zukunft eine Koalition zu Lasten des ISDN-Ansatzes eingehen oder ob daraus doch schnell ein Dreier-Bündnis wird, bleibt vorerst unbeantwortet.