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19.08.1988 - 

Trend zu Token-Ring und mehr Kompatibilität bestimmt das Netzwerk-Geschehen, Teil 2

LAN-Markt '88: Irrgarten der Produktvielfalt

Der LAN-Markt ist im ersten Halbjahr 1988 noch mehr in Bewegung geraten. Neue Kooperationen prägen die Szene, und die Zahl der Produkte wächst kontinuierlich. Nach wie vor aber kreist das Markt-Geschehen um die Standards Ethernet und Token-Ring. Auf der Strecke bleibt der Anwender, der den Überblick zu verlieren droht.

Mit Strategien unterschiedlichster Art versuchen die Unternehmen am LAN-Markt zum Ziel zu kommen. So setzt man zum Beispiel bei Apple seit Anfang dieses Jahres auf Kooperationen und unternimmt große Anstrengungen, mit den Aushängeschildern Macintosh und Appletalk in der LAN-Welt Fuß zu fassen. In Cupertino hat man das Vertrauen allein auf die Benutzeroberfläche des Macintosh und die amerikanische Rechtsprechung aufgegeben. Vielmehr kam man dort zur Einsicht, steigende Absatzzahlen langfristig nur über die Kompatibilität des Mac zu den wesentlichen LAN-Standards erreichen zu können.

Erster Schritt in diese Richtung war im Januar die Ankündigung der Kooperation mit DEC. Ziel: die OSI-konforme Integration von Mac-Rechnern und Appletalk mit VAX- und Decnet-Konfigurationen. Diesem ersten Streich folgte kurz darauf der zweite. Apple sicherte sich die Hilfe von Novell, um Appletalk bis Ende dieses Jahres 100prozentig Ethernetkompatibel zu machen. Damit noch nicht genug. Gemäß der Devise "aller guten Dinge sind drei", visierte man in Cupertino auch noch den Token-Ring an. Über ein Adapter-Board soll der Mac ab Frühjahr 1989 in die Welt des Token-Ring eindringen. Auch in diesem Fall, so war von Apple zu erfahren, wird Novell Apple unter die Arme greifen, um das Appletalk-Protokoll für den Token-Ring lauffähig zu machen.

Novell verfolgt Strategie des "Alleingangs"

Während man bei Apple auf Kooperation setzt, verfolgt man bei Novell die Strategie des "Alleingangs". Das Unternehmen verläßt sich ganz auf eigenes Know-how und stimmt seine Produkte in eigener Regie auf neue Umgebungen und Standards ab. Scheinbar fährt man bei Novell mit dieser Taktik sehr gut, denn das Unternehmen ist mit seinem Produkt Netware laut IDC die Nummer eins bei Netz-Software, knapp vor 3Com.

Dafür spricht auch das erste Halbjahr 1988. Läßt man die Schlagzeilen und Produktankündigungen Revue passieren, dann sticht Novell mit neuen Netware-Versionen besonders häufig ins Auge. Kein Unternehmen am LAN-Markt tanzt auf so vielen Hochzeiten. Ob OS/2, PC-MOS/386-Workstations, X.400, DEC, Token-Ring oder Ethernet, auf jeden dieser Standards, Geräte und Unternehmen stimmt Novell laufend sein Produkt Netware ab oder kündigt die Kompatibilität an. Christoph Thomas, Projektleiter Hardware bei IDC Deutschland, zur Strategie von Novell: "Novell stellt durch seine Vielfältigkeit zu verschiedenen Herstellern neben der IBM sicher, daß seine Produkte von diesen Herstellern für ihre eigenen Produkte mit angeboten werden."

Neben Kooperation oder Eigeninitiative, ist am Markt eine weitere Strategie auszumachen: Der Trend ñ überwiegend bei Dritt-Anbietern ñ geht hin zur Kompatibilität möglichst vieler unterschiedlicher Systeme. Viele Hersteller haben erkannt, daß System-Verknüpfungen beim Anwender gefragt sind und häufig eine Marktlücke darstellen.

Fiel Novell im Bereich Netz-Software durch seine Vielseitigkeit auf so machten die Konkurrenten 3Com und Microsoft überwiegend mit ihrer Coproduktion OS/2-LAN-Manager Schlagzeilen. Gründe: die unsichere Zukunft des Betriebssystems OS/2, die umstrittene Kompatibilität zum LAN-Server der IBM und die vielen verkauften Lizenzen.

LAN-Manager sorgt für Gesprächsstoff am Markt

Gerüchte, der LAN-Manager sei mit dem LAN-Server nicht kompatibel und OS/2 habe keine Zukunft, versucht der Pressesprecher der Microsoft GmbH in Aschheim, Michael Kausch zu zerstreuen: "Nach Angaben von IBM wird es keine Connectivity-Probleme geben. Zwischen beiden Netzen können Applikationen getauscht und übernommen werden." Zur Zukunft des LAN-Managers und OS/2 meint Kausch: "Wir gehen davon aus, daß der LAN-Manager Standard werden wird und daß bis Mitte der neunziger Jahre in der Bundesrepublik ebensoviele OS/2- wie MS-DOS-Installationen vorhanden sein werden."

Auch wenn nicht alle die OS/2-Zukunft so rosig sehen wie der Pressemann von Microsoft, so sind doch viele Lizenznehmer, darunter Ungermann-Bass, AT&T und NCR, auf den ins Rollen kommenden LAN-Manager-Zug aufgesprungen. Sie alle wollen die Chance auf ein lukratives Geschäft nicht verpassen.

Mittlerweile hat unter den Lizenznehmern auch schon der Wettlauf begonnen, die eigene LAN-Manager-Version mit Vorteilen auszustatten. So planen beispielsweise die US-Unternehmen Torus Systems und Ungermann-Bass, über den LAN-Manager auf ihren Netzen Kompatibilität zu OS/2-Applikationen zu erreichen. Ferner will Torus Electronic Mail und einen Group-Time-Manager implementieren. Und die Communication Machinery Group entwickelt ein LAN-OS/2-System, das dem Anwender Dienstleistungen wie Telnet oder das File-Transfer-Protocol direkt aus dem Netz bietet.

Macintosh-Welt in LAN-Manager einbeziehen

Eile ist geboten, denn auch Microsoft arbeitet an Erweiterungen. Die Rede ist von X.400 (Electronic-Mail), von X.500 (Directory Service) und der TP4 Transportebene, alle Bestandteil von OSI. Weiter ist von der Unterstützung für IBMs Interface APPC sowie der Übertragungsprotokolle TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) und EDI (Electronic Data Interchange) zu hören. Als wesentlichste Erweiterung bezeichnet Kausch jedoch "die Einbeziehung der Macintosh-Welt in den LAN-Manager."

Im Gegensatz zur sonstigen Produktflut am LAN-Markt stellt der Bereich Netzwerk-Betriebssysteme und vor allem Netzwerk-Management die sprichwörtliche Ausnahme dar. Außer den Winden, die der LAN-Manager und die neuen Netware-Versionen erzeugten, herrschte hier große Flaute. Leidtragender ist der Anwender, der sich konkrete Lösungen wünscht. So Werner Rauh, zuständig für das werksinterne Netz der Hoechst AG: "Wir warten immer noch auf ein Produkt, das es uns gestatten würde, Netzwerk-Management für heterogene Systeme zu machen."

wird fortgesetzt