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26.08.1988 - 

Trend zu Token-Ring und mehr Kompatibilität bestimmt das Netzwerk-Geschehen, Teil 3 und Schluß

LAN-Markt 88: Irrgarten der Produktvielfalt

Von CW-Mitarbeiter Peter Gruber

Der LAN-Markt ist im ersten Halbjahr 1988 noch mehr in Bewegung geraten. Neue Kooperationen prägen die Szene, und die Zahl der Produkte wächst kontinuierlich. Nach wie vor aber kreist das Markt-Geschehen um die Standards Ethernet und Token-Ring. Auf der Strecke bleibt der Anwender, der den Überblick zu verlieren droht.

Soweit festgelegte OSI-Standards vorliegen, wie X.400 (Electronic Mail) und FTAM (File Transfer and Management), sind die Hersteller im allgemeinen bestrebt, diese in ihren Applikationen abzudecken. Da aber die Mühlen der OSI-Gremien langsam mahlen, sehen sich die Hersteller nach "Ersatznormen" um.

Eine wahre Bekenntnisflut der Anbieter haben im ersten Halbjahr 1988 TCP/IP und FDDI (Fiber Distributed Data Interface) erlebt. Der Boom von TCP/IP - auch unter dem Kürzel DOD/MIL bekannt - ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß OSI-TP4 auf sich warten läßt. Infolgedessen weichen Hersteller und Anwender immer häufiger auf das Transport-Protokoll TCP/IP aus. Dazu Bernd Zöller von Diebold: "TCP/IP ist ein Mittel, sich einer relativ stabilen Spezifikation anzunehmen, die aber irgendwann, wenn es entsprechende OSI-Protokolle gibt, abgelöst wird."

Nur ein Lückenbüßer ist DOD/MIL auch für Uwe Borner, Leiter des Rechenzentrums bei der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung in Sankt Augustin. Borner: "TCP/IP hat sich zu einem Quasi-Standard entwickelt, aber wir werden sobald OSI 4 in den Systemen implementiert ist, OSI 4 benutzen."

Gute Aussichten, zum allgemeinen Standard zu werden, hat FDDI, die bislang einzige Norm für schnelle LANs. FDDI, auch als ANSI-Standard X3T9.5FDDI bekannt, ist für eine Übertragungsgeschwindigkeit von 100 MBit pro Sekunde ausgelegt, weist eine Ringtypologie auf und arbeitet mit dem Zugriffsverfahren Token-Passing. FDDI erfreut sich bei Anbietern von Glasfasertechnologie wie Fibronics und Hirschmann zunehmender Beliebtheit. Deshalb gewinnt die Glasfaser als Vernetzungsmedium der Zukunft speziell im Backbone-Bereich laufend an Bedeutung.

IBM-Token-Ring

mit 100 MBit/s im Visier

Zur Gefahr droht die hohe Übertragungsrate vor allem für die angekündigte 16-MBit/s-Token-Ring-Version von IBM zu werden. Die Rechnung der IBM, den Erfolgskurs des 4-MBit/s-Token auf die größere Version zu projizieren, könnte nicht aufgehen. Vermutlich um mit dem "Backbone-Token" nicht Schiffbruch zu erleiden, hat die IBM für 1990 auch eine 100-MBit-Version des Token-Ring in Aussicht gestellt.

Die Situation des 16 MBit pro Sekunde schnellen Token-Ring ist bezeichnend für die Schnellebigkeit des LAN-Markts. Ein Produkt, das heute noch nicht auf dem Markt ist, kann morgen schon veraltet sein. Aus der Fülle dieses Produkt-Kaleidoskops die richtige Auswahl zu treffen, ist schwer. "Einen Ansprechpartner, der objektiv als Schiedsrichter fungiert und sagt, da gibt es dies und da gibt es das", so drückt Albert Schöppl, Leiter Systemprogrammierung bei der Metzeler Kautschuk GmbH in München seinen Wunsch nach einer neutralen Institution aus, die dem Anwender hilft, den LAN-Markt besser zu durchblicken.

Eine solche Einrichtung würde sich auch der Leiter des Rechenzentrums eines Einkaufsverbandes mit Sitz in Nordrhein-Westfalen wünschen. Er reist derzeit von Hersteller zu Hersteller auf der Suche nach der geeignetsten Vernetzung von PCs und MDT-Geräten mit dem Rechenzentrum seines Unternehmens. Für ihn stellt sich momentan der LAN-Markt als eine schwer überblickbare Produktwüste dar. Der RZ-Leiter: "Welchen Standard wir wählen, ist nicht absehbar. Wir stecken in den Kinderschuhen und sehen einfach kein Land."