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31.07.1987

LAN-Wartung muß notwendigerweise Stückwerk bleiben

Allround-Wartung aus einer Hand stellt bei lokalen Netzwerken eher eine Seltenheit dar. Die Anschlußkomponenten in einem LAN "versorgt" der Anwender meist in eigener Regie. Für die Softwarepflege und den Support der Kabel hingegen nimmt er in vielen Fällen fremde Hilfe in Anspruch. "Ein Software-Wartungsvertrag ist sinnvoll, weil man immer auf den neuesten Release-Stand hochfahren kann", erklärt dazu Sebastian Pichler, Kommunikationsberater aus München. Auf der Leitungsebene empfehlen sich aus seiner Sicht besonders bei Breitbandnetzen vertragliche Vorkehrungen, weil man hier auf einen Meßgerätepark angewiesen ist. Klaus Zimmermann, kaufmännischer Leiter bei der Gebrüder-Schmid GmbH und Anwender eines PC-Netzes, setzt wie viele andere Anwender seines "Genres" mit einem eher homogen gestalteten Netz auf die Garantiezeit, da Fehler und Ausfälle meistens nur in den ersten Wochen nach der Installation auftreten. Um sich nachträglich auftauchende Probleme vom Halse zu halten, plädiert schließlich Hermann Rister, Leiter der Abteilung Versuchssysteme bei der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) in Oberpfaffenhofen, dafür, die Wartungsproblematik rechtzeitig in die Planung eines Datenverarbeitungssystems mit einzubeziehen.

Peter Chylla

Autor des Buches "Ethernet-LANs", Oberhausen

Das größte Problem liegt bei der Wartung im Bereich der heterogenen Netze. Das erforderliche Gesamt-Know-how ist jeweils so spezifisch auf den jeweiligen Anwendungsfall zugeschnitten, daß es eigentlich gar nicht von einem Netzanbieter geboten werden kann. Als großes Unternehmen ist man dadurch an und für sich gezwungen, sich Spezialisten zu halten, zumal das Netz aufgrund von Erweiterungen nicht statisch ist. Deshalb ist es mit Sicherheit nicht möglich, in einer auch noch so breiten und aufwendigen Einführungsphase alle Probleme zu zerschlagen, sondern im Zuge des Netzwachstums zeigen sich immer wieder neue Schwierigkeiten.

Der Schwerpunkt von Firmen, die sich auf LAN-Wartung spezialisieren, liegt mehr im Hardware- und Kabelbereich. Da die Netze weiter wachsen, sind neue Dimensionierungen vonnöten oder es muß vielleicht eine Verkehrsseparierung vorgenommen werden. Das sind Dinge, die würde ich noch dem eigentlichen Netz-Layout und dem Hardware-Sektor zuschreiben. Das ist ein Bereich, den kann man wahrscheinlich gut außer Haus geben, da man hier im großen und ganzen Standards und Konformitäten antrifft. Da ist es eigentlich nur wichtig, daß der Hersteller eine gute Dokumentation der Verkabelung liefert. Die hier entstehenden Schwierigkeiten entspringen aber nicht der Heterogenität der Netze, sondern liegen einfach in der Spezialisierung auf eine Verkabelungstechnik begründet. Besonders bei Breitband ist man auf die Zusammenarbeit mit einem Spezialisten oder einen Wartungsvertrag angewiesen, der hier entsprechende Netzdimensionierungen, das Netz-Layout und Berechnungen vornimmt und auch während der Installationsphase sowie bei nachträglichen Änderungen die entsprechende Vermessung und Ausmessung der Komponenten durchführt. Bei der Wartung hingegen sollte man wichtige Teile doppeln und seine eigene Lagerhaltung parat haben.

Das zweite Problem, der Update von Software-Releases, stellt für den Anwender das schwierigste Problem überhaupt dar, da man hier - und auch durch Verträge abgesichert - mit der jeweils neuesten Ankündigungspolitik mithalten sollte. Es fehlt dem Distributor oft auch das Wissen darüber, was in einem halben Jahr hier eigentlich an Ankündigungen erfolgen wird. Ein allgemeinverbindlicher Rat läßt sich hier nicht geben, das Problem zieht sich auch weiter fort in die höheren Ebenen bis in die Anwendungsprogramme hinein.

Folgende Fragen stehen dabei im Raum: Welche Programme sind denn eigentlich netzwerkfähig, wie können Netzdienstleistungen ausgenutzt werden und unter welcher Netzsoftware läuft das? Im Bereich der PC-Netze wird man hier nach einiger Zeit der Erfahrung wohl feststellen müssen, daß man womöglich in die eine oder andere Sackgasse gegangen ist und hier sicher nur in Teilbereichen optimiert, aber nicht rundum eine in sich geschlossene Lösung aufgebaut hat.

Hermann Rister

Leiter der Abteilung Versuchssysteme in der Hauptabteilung Angewandte Datentechnik bei der DFVLR, Oberpfaffenhofen

Die Wartungsproblematik wurde bei uns bereits sehr stark in die Planung des DV-Systems einbezogen. Dabei spielte zunächst die Überlegung eine Rolle, soweit wie möglich Industriestandards und internationale Normen zu verwenden. Die Systeme basieren auf dem Standard Ethernet mit TCP/IP, auf Unix und dem Konzept der verteilten Datenverarbeitung.

Wir betreiben ein heterogenes Rechnernetz, jedoch kommen mit den installierten Sun-Anlagen in erster Linie Unix-Systeme zum Tragen. Mit diesen Anlagen wird für jeden Arbeitsplatz die komplette Vernetzung mitgeliefert, das heißt, die komplette Netzwerkarchitektur ist integraler Bestandteil des Rechnersystems. Die Wartung wird damit im Rahmen des üblichen Software- beziehungsweise Hardwarepflegeabkommens durchgeführt.

Daneben sind an das Ethernet auch VAX-Rechner, IBM PCs und ein IBM-3090-Großrechner angeschlossen. Für die Integration dieser Anlagen in das Rechnernetz haben wir uns für Lösungen entschieden, die nicht so stark in die Betriebssysteme der Rechner eingebunden sind. Eingesetzt werden Front-end-Prozessoren, wie sie beispielsweise Excelan anbietet. Der Front-end-Prozessor übernimmt unabhängig vom Hostrechner den kompletten Transportmechanismus bis einschließlich der Ebene 4 des OSI/ISO-Referenzmodells. Er hat zum Hostrechner eine konsistente und vom jeweiligen Betriebssystem weitgehend unabhängige Schnittstelle. Dadurch und durch seinen mobiliaren Charakter sind Wartungsptobleme sehr viel leichter zu lösen; die Anpassung an Protokollerweiterungen und neue Rechner wird um eine Größenordnung vereinfacht. Eine besondere Wartungsvereinbarung wird aus unserer Sicht für diese Produkte nicht benötigt.

Neben Ethernet-TCP/IP haben wir in der Vergangenheit allerdings auch Konzepte mit einer weitgehenden Betriebssystem-Einbindung realisiert, so mit dem Produkt Hyperchannel von Network Systems. Damit sind wir allerdings nicht sehr glücklich, weil Hyperchannel nicht den gewünschten Funktionsumfang bietet. So gibt es beispielsweise keine Terminalemulation. Außerdem ist diese Installation mit immensen Kosten verbunden. Wir zahlen, um einen einzigen VAX-Knoten zu betreuen, 25000 Mark pro Jahr an reinen Wartungskosten. Die auf einen Zeitraum von fünf Jahren begrenzte Wartung sollte Gewähr dafür bieten, daß sich die großen Investitionen auch über einen längeren Zeitraum hin erhalten.

Im übrigen hat sich gezeigt, daß kleine Firmen sehr kooperativ sind, erst die Installation vornehmen und bis zum Kauf eine Testphase "einräumen". Systemausfälle ereignen sich meistens schon in den ersten Wochen und Monaten; danach kommt es in Hinblick auf Aufrüstungen und Änderungen wirklich sehr stark gute Zusammenarbeit auf eine jeweiligen Hersteller mit dem oder seinem Distributor an. Kleinere Unternehmen sind besonders engagiert, um sich am Markt behaupten zu können. Mit der Folge, daß sie auf neue Betriebssystemvarianten schnell reagieren. Das gibt uns die Garantie, innerhalb von drei Monaten nach der Veröffentlichung eines neuen Releases wieder die neueste Variante und die Software für die Anpassung der Produkte an das neue Betriebssystem geliefert zu bekommen. Aus Kulanzgründen sind dann solche Anpassungen oft auch kostenlos.