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18.09.1992 - 

Verbesserter Service in der Kommunalen Selbstverwaltung

Landschaftsverband Rheinland baut RZ-Automatisierung aus Günter Pott ist freier Fach- und Wirtschaftsjournalist in Kuppenheim.

Magnetbandkasetten sind das geeignete Medium zur Archivierung von Massendaten, auf die nicht oft zugegriffen werden muß, die bei Bedarf dennoch schnell verfügbar sein sollen. Die manuelle Verwaltung bereitet in der Regel allerdings Probleme - vor allem im Hinblick auf Zugriffszeit, Sicherheitsanforderungen und den 24-Stunden-Betrieb. Für-den Landschaftsverband Rheinland (LVR) war ein automatisches Kassetten-Ladesystem die Lösung.

Nur in Nordrhein-Westfalen werden regionale Aufgaben in erster Linie im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung durchgeführt. Träger sind die beiden Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe. Diese öffentlichrechtlichen Körperschaften wiederum werden von den Kreisen und kreisfreien -Städten getragen. Der LVR mit seinen rund 150 Dienststellen erledigt beispielsweise die von 13 Landkreisen und 14 Städten (Mitgliedskörperschaften) übertragenen Aufgaben, die entweder nicht oder nicht mit der gleichen Wirtschaftlichkeit auf Kreis-, Orts- oder Stadtebene durchzuführen sind.

In spätestens drei Jahren amortisiert

Rund neun Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet des LVR. Für diese Bevölkerungszahl sind etwa 18 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verwaltungen für unterschiedliche Aufgaben in den Bereichen Sozialhilfe, Kriegsopferund Schwerbehindertenfürsorge, Gesundheitspflege, Jugendwohlfahrt, Straßenwesen und landschaftliche Kulturpflege sowie nach dem Schulverwaltungsgesetz für die Trägerschaft von Behindertenschulen zuständig. Außerdem erledigt der LVR eine Reihe von Aufträgen für den Bund und das Land Nordrhein-Westfalen.

Die umfangreichen Aufgaben kosten viel Geld - immerhin beläuft sich der Haushalt des Landschaftsverbandes Rheinland auf über fünf Milliarden Mark. Diese Summe wird zu einem Teil als Umlage von den Kreisen und kreisfreien Städten, zum anderen durch Schlüsselzuweisungen des Landes und des Bundes sowie durch sonstige Einnahmen aufgebracht. Der effiziente Einsatz der Finanzmittel und die wirtschaftlichen Ergebnisse werden kontrolliert. Alle Bereiche des LVR und damit speziell auch die Datenverarbeitung sind daher in der gleichen Lage wie jeder andere Betrieb oder Dienstleister: Anwenderservice und Dienstleistungen müssen ständig verbessert werden, die, Kosten sollen aber möglichst niedrig bleiben.

Derzeit betreuen 109 Mitarbeiter im LVR-Rechenzentrum am Hauptsitz Köln die gesamten Aufgaben mit DV-gestützten Verfahren. Plattenspeicher mit einem Fassungsvermögen, von rund 100 GB, 13000 Magnetbandkassetten sowie 2000 Bänder mit mehreren Millionen Dateien werden zentral geführt und verwaltet. Sie stehen den Anwendern rund um die Uhr zur Verfügung. Verwaltungsspezialisten, Arzte, Architekten, Ingenieure und Wissenschaftler des LVR kommunizieren über ein modernes Hochgeschwindigkeitsnetz, tauschen Daten und Informationen aus und greifen auf zentrale Datenbanken sowie auf Informationssysteme des LVR zu. Ein Zentralrechner, über 20 dezentrale Systeme und eine ständig steigende Zahl von PCs (zirka 600), Datensichtgeräten (rund 1200) und Druckern (etwa 500) sind an dieses Netz angeschlossen.

"Kürzere Arbeitszeiten des Bedienerpersonals, die gleichzeitige Ausweitung der Vorhaltezeiten für Dialoganwendungen und der permanent steigende Datendurchsatz machten eine möglichst weitgehende Automatisierung unseres Rechenzentrums und Downsizing erforderlich", berichtet Hans-Georg Göhring, Leiter der LVR-Datenverarbeitungszentrale. Zusätzlich zu den eingesetzten Hilfsmitteln wie automatische Programmablaufsteuerung, elektronische Verwaltung der

Druckausgaben und komplexe Plattenspeicherverwaltung sollte als nächstes ein Kassetten-Ladesystem installiert werden, um die Archivierung der Daten auch in den bedienerlosen Nachtstunden durchfuhren zu können und den Tagesbetrieb damit weitgehend zu entlasten.

Anforderungen, die dieser Roboter zu erfüllen hatte, waren insbesondere der kostengünstige modulare Ausbau in kleinen Stufen, die Bedienbarkeit herstellerunabhängiger, IBM-kompatibler Geräte sowie manueller und Mehrrechner-Betrieb. Vor der Installation stand allerdings die kritische Prüfung verschiedener Systeme durch die RZ-Verantwortlichen. Umfragen bei befreundeten Rechenzentren und Besichtigungen kamen hinzu. Auch die Mitarbeiter im Operating hatte man über das Vorhaben informiert. Zum Schluß befanden sich zwei Hersteller in der engeren Wahl. Die Entscheidung fiel schließlich auf das Automatische Kassetten-Ladesystem (ACL) Comparex 6388.

Dieser Roboter ist für ein Gesamtvolumen von bis zu 24 000 Kassetten ausgelegt. In der kleinsten Ausbaustufe mit einer rotierenden Lagereinheit verwaltet das ACL bis zu 3000 Kassetten vollautomatisch. Maximal acht Lagereinheiten können von einem ACL bedient und zirka 250 Aktionen pro Stunde ohne Operatoreingriff (auch im Sicherheitsbereich) vor Ort oder über mehrere Kilometer Entfernung durchgeführt werden.

Das beim LVR eingesetzte ACL kann in seiner jetzigen Ausbaustufe 10 000 Kassetten verwalten. Täglich werden bis zu 300 Kassetten zwischen einem zweiten Sicherungsarchiv, anderen Systemen und dem ACL durch das Operating ausgetauscht. Mit der beim LVR eingesetzten Version lassen sich bis zu 200 Kassetten in einem einzigen Vorgang ein- oder auslagern. Die Steuerung des ACL erfolgt durch ein vorgeschaltetes Unix-System. Dieses wiederum ist direkt mit dem IBM-Großrechner verbunden und kann bei Bedarf auch mit anderen Systemen zusammenarbeiten.

Vorteile durch den Einsatz des ACL kommen nicht nur dem Träger, sondern auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugute. Dazu Göhring: "Im Zusammenhang mit weiteren

Automatisierungsmaßnahmen, zum Beispiel dem automatischen Operating, werden wir nicht nur auf die Einführung einer dritten Schicht verzichten können, sondern auch die bisher bestehenden zwei Bedienerschichten auf eine erweiterte Tagesschicht reduzieren. Wir rechnen damit, daß sich das Kassetten-Ladesystem in spätestens drei Jahren amortisiert hat." Die dadurch frei gewordenen Mitarbeiter wurden in anderen Bereichen, insbesondere in der Netzwerk- sowie in der Systemtechnik, eingesetzt, wo neue Spezialisten dringend benötigt werden. Zusätzliche Personalkosten hat der LVR bei höherer Leistung Und Arbeitsqualität damit eingespart.