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20.06.2006 - 

Kolumne

Langer Abschied von Microsoft

Es fällt schwer, den richtigen Ton zu treffen, wenn es um den angekündigten Abschied von Bill Gates geht (siehe auch Seite 5). "Einen Verriss kann man nicht schreiben", wie es ein Kollege treffend ausdrückte, aber ein Loblied eben auch nicht. Dafür ist das bemerkenswerte Schaffen des Mannes zu widersprüchlich, der mit 50 Jahren den Rückzug von seinem Lebenswerk Microsoft ankündigte - vielleicht um mit der Melinda und Bill Gates Stiftung ein zweites zu beginnen.

Doch Gates hat nicht nur Microsoft gegründet und mit Office und Windows viel Geld verdient, sondern er hat sich auch verdient gemacht um die Entwicklung der IT und die "Digitalisierung" der Industrienationen. Ohne die Produkte seines Hauses würde wahrscheinlich nur ein Bruchteil der heutigen Nutzer mit IT und Internet umgehen. Was auch bedeutet, dass die IT-Industrie heute weniger bedeutend wäre als sie ist.

Gates hat mit harten Bandagen für seine Vision von "Information at your fingertips" gekämpft - oft und vor allem gegen Mitbewerber. Mit seiner Beharrlichkeit gelang es ihm immer wieder, Microsoft-Produkte zu Industriestandards zu machen. Damit trug er zur Verbreitung der IT in Unternehmen wie in den Privathaushalten bei. Allerdings - und deshalb ist es so schwer, den Microsoft-Gründer außer für sein knallhartes und geniales Unternehmertum zu loben - hat er das natürlich nicht für das große Ganze getan, sondern für mehr Microsoft-Umsatz. Die Monopole in den Bereichen Betriebssysteme und Büroanwendungen hat Gates rücksichtslos ausgenutzt, um für sein Unternehmen neue Märkte zu erobern. Das hält er heute noch so, und die Kartellhüter tun sich schwer damit, ihn aufzuhalten.

Gates verlässt die Brücke seines Unternehmens bei ruhiger See. Die Offiziere sind hoch dekoriert und dürften den Kurs halten. Allen voran sein Freund und langjähriger Weggefährte Steve Ballmer sowie Lotus-Notes Erfinder Ray Ozzie, der Gates’ Nachfolge als Chief Software Architect antreten wird. Allerdings stellt sich die Frage, wie die neue Führung auf sich allein gestellt reagiert, wenn radikale Kursänderungen nötig werden. Was passiert, wenn beispielsweise Google Microsoft tatsächlich zur Adaption seines Geschäftsmodells zwingt - weg vom Lizenz- und hin zum Servicegeschäft? Gates schaffte es Mitte der 90er noch mit geharnischten E-Mails, das Ruder herumzureißen und das Schiff auf Internet-Kurs zu zwingen. "Stellen Sie sich vor", schrieb ein englischer Kollege, "was passiert, wenn Ozzie so eine Mail schreibt?"

Gleichgültig ob ruhige oder schwere See: Microsoft wird die Durchsetzungskraft seines Gründers fehlen. Das Unternehmen muss sich verändern und anders aufstellen, um ohne ihn auszukommen.

Diese Kolumne finden Sie auch im Blog der computerwoche unter blog.computerwoche.de. Dort können Sie Ihre Meinung abgeben und sofort veröffentlichen. Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.