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21.09.2001 - 

Etikettenschwindel bei den Web-Veranstaltungen

Langeweile auf der virtuellen Messe

Die meisten Internet-Messen sind langweilig, verwaist und alles andere als ein Ersatz für echte Ausstellungen. Dennoch gibt sich die Branche hoffnungsfroh, denn sie baut darauf, dass Unternehmen virtuelle Messen als zusätzliche Präsentationsplattformen nutzen werden. Von Miltiadis Oulios*

Wozu sollen Geschäftsleute eigentlich eine Messe besuchen, auf der es weder schicke Abendpartys noch stilvolle Kugelschreiber als Werbegeschenk gibt, und auf denen sich - darum geht es ja auch noch - keine Fachgespräche führen lassen? Richtig, sich hoffnungslos langweilen, den Rechner herunterfahren, sich in den realen Firmenwagen setzen und zur nächsten Fachmesse fahren. Trotz schmerzender Beine, Parkplatzstress und Warteschlangen vor der Würstchenbude ist diese herkömmliche Vorgehensweise auch im Zeitalter des E-Business immer noch ein lohnenderes Unterfangen als sich auf die heißen Versprechungen einiger "Messeveranstalter" im Internet zu verlassen.

Es gibt nämlich kaum ein Begriff, hinter dem sich ein größerer Etikettenschwindel verbirgt als hinter der "virtuellen Messe". Denn trotz der technischen Möglichkeiten des Internets, virtuelle Gemeinschaften auf dem Bildschirm in Echtzeit abzubilden oder Produkte im 3D-Format und Video-Stream zu präsentieren, bieten Adressen wie www.dhw-messe.de für Deutsche Handwerksmesse oder www.schmuckmesse.de oft ein trostloses Bild.

Auf virtuellen Messen werden oft keineswegs Produktneuheiten präsentiert und Kontakte geknüpft. Die meist dürftig gestalteten Portale listen lediglich Links zu den Homepages der jeweiligen Branchenanbieter auf. Leere Rubriken oder magere Besucherzahlen, machen deutlich, wie gering das Interesse an solchen Online-Angeboten ist. Bei Web-Messen, die zumindest mit einer Vielzahl von Firmen-Links aufwarten, wie etwa bei www.medizinindex.de, bleibt die Kategorisierung ausbaufähig.

Aber auch hoffnungsvolle Ansätze, wie einige Job- und Unternehmensbörsen, die den Kontakt zwischen Interessenten und Anbieter vermitteln, schöpfen heute verfügbare Möglichkeiten nicht aus. Die in der Regel besser aufgebauten Internet-Marktplätze machen es vor, wie die Geschäftsabwicklung - sofern die Anbieter mitspielen - ohne Medienbruch online funktionieren kann. Eine Zusammenführung der Konzepte Marktplatz und Web-Messe als Börse für Kontakte und Informationen zu einer wirklich neuen Produktkategorie könnte sogar beiden Spielarten aus der Akzeptanzkrise helfen.

Was technisch alles möglich ist, demonstriert beispielsweise die E-Procurement-Lösung des Handelsriesen Metro AG. Das 100-prozentige Tochterunternehmen Gemex entwickelte die Software für ein so genanntes "Virtual Pool Meeting". Damit sind virtuelle Schauräume gemeint, die für Einkaufs-Manager alle gehandelten Produkte in den entsprechenden Rubriken nicht nur bereithalten, sondern optisch einwandfrei präsentieren. Ein Radio-Recorder wird zum Beispiel als dreidimensionales Bild dargestellt, das von den Einkäufern per Cursor gedreht und gewendet werden kann. Mit Zoom-Funktionen lassen sich sogar Einzelheiten genau unter die Lupe nehmen, und zwar via Browser und Internet-Verbindung.

Vieles wäre möglichEin solches Niveau bei der Umsetzung eines Internet-basierten Messeauftritts könnte die Basis für eine virtuelle Präsentation bilden, denn sie böte dem Nutzer tatsächlich einen Mehrwert gegenüber der physischen Anwesenheit vor Ort. Dass die Informationstechnologie und insbesondere das Internet auf diese Weise den Entscheidungsprozess des Kunden unterstützen, so dass er am Ende tatsächlich weiß, was, von wem und wo er ein Produkt kaufen will, ist aber noch selten der Fall. Erst mit solchen Funktionen würde eine virtuelle Messe aber auch Spaß machen.

Davon kann bei der ersten großen Internet-Messe CRM2001 (zu erreichen über www.crmforum.de) nur bedingt die Rede sein, obwohl die Veranstalter ein Paket geschnürt haben, dass zumindest den Namen "virtuelle Messe" mit Fug und Recht verdient. Der Internet-Besucher hat nicht nur ein großes Anbieterspektrum auf seinem Bildschirm, sondern auch vielfältige Möglichkeiten der Information über jede ausstellende Firma zu sammeln: Die Seite bündelt Power-Point-Präsentationen, Firmen-News, Produktbeschreibungen und sogar Live-Chat-Termine mit dem CEO eines Ausstellers. Video-Streams mit Unternehmenskurzfilmen verleihen der virtuellen Messe Charme. Trotz dieser Möglichkeiten und der bildlich nachempfundenen Hallen wirkt die CRM-Messe alles andere als dynamisch. Die Diskussionsforen zu verschiedenen CRM-Themen sind oftmals verwaist. Bis auf die obligatorischen Erfolgsmeldungen einiger Aussteller über das Gelingen der Messe, beteiligt sich niemand an den Fachdiskussionen.

"Chatten im Internet ist zwar eine schöne Sache", gibt Lars Koerdt, Business Director Germany des britischen Veranstalters Webevents Ltd. schließlich zu, "aber das funktioniert im Geschäftsbereich nicht, weil sich die meisten Leute lieber von Angesicht zu Angesicht oder am Telefon unterhalten. Die Internet-Technologie ist zu langsam und wird nicht akzeptiert." Webevents nimmt dies allerdings keineswegs zum Anlass, Trübsal zu blasen, denn die Akzeptanz der ersten virtuellen CRM-Messe sei mit zirka 15000 registrierten Besuchern "sehr groß" gewesen. Und Koerdt räumt gleich ein Missverständnis aus: Solche Internet-Events seien vor allem ein Sales- und Marketing-Werkzeug für die Anbieter: Nicht die Interessen der Besucher, sondern die der Aussteller stünden im Vordergrund. Und hier seien virtuelle Messen in einem Punkt ihren physischen Vorbildern um Längen voraus. Man könne mit erfahrungsgemäß zehn Prozent der sonstigen Ausstellerkosten eine größere Anzahl von Kontakten knüpfen, und zwar an 365 Tagen im Jahr. "Virtuelle Messen werden prima als Vor- und Nachbereitung für die wenigen physischen Pendants funktionieren", wirft Koerdt einen optimistischen Blick in die Zukunft. Grund genug für Webevents, die erste Business-Intelligence-Messe im Internet Online zu schalten (www.ei2001online.com).

Als Bremser scheint sich dagegen die Deutsche Messe AG, Hannover, etablieren zu wollen. Ihr zentraler Internet-Service Globis lieferte zwar parallel zur Computermesse CeBIT auch Liveübertragungen von Pressekonferenzen sowie Firmen- und Produktpräsentationen als Videostream, doch Globis-Sprecherin Anja Brokjans stellt unmissverständlich klar: "Wir wollen unseren eigenen Messen keine Konkurrenz machen." Und so bietet die ständige Web-Präsenz der diversen Fachmessen unter dem Dach der Deutschen Messe AG eben nicht viel mehr als die erwähnten Katalogfunktionen mit minimaler Information und dem Verzicht auf interaktive Features.

Schrittmacher in diesem Markt sind einmal mehr ideenreiche Startups. Die Sindelfinger Firma Fair 42 wird im Spätsommer Online-Messen zu Themen wie Human-Ressources und E-Procurement starten (Demo-Version unter fair42.de). Um vertrauliche Geschäftsverhandlungen per Chat zu ermöglichen, richten die Verantstalter geschützte Internet-Verbindungen ein.Vielleicht führt eine derart geknüpfte Partnerschaft dazu, eine virtuelle Verabredung zum Geschäftsessen in der nächsten Sushi-Bar anzubahnen.

*Miltiadis Oulios ist freier Journalist in Köln.

Messemüdigkeit adeViele Messeaussteller klagen angesichts inflationärer Ausstellungs- und Messeaktivitäten über sinkende Besucherzahlen und zu hohe Kosten für die Veranstaltungen. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Schwetz Consulting Anfang 2001 ergab aber, dass zum Beispiel die überwiegende Mehrheit der 90 befragten CRM-Aussteller mit maximal zwei Fachmessen pro Jahr zufrieden wäre. Veranstalter von virtuellen Ausstellungen sehen in dieser Messemüdigkeit eine optimale Voraussetzung für die Akzeptanz von Internet-Messen. Den Anlaufpunkt im Web können Firmen nämlich wegen geringerer Kosten und minimalem Aufwand das ganze Jahr über zu Präsentationszwecken nutzen.