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25.08.1995

Langfristig sollen Windows-95-User auf das andere 32-Bit-System wechseln NT ist die erste Wahl in Sachen Sicherheit und Portierbarkeit

Vor der Qual der Wahl duerfte mancher Systemadministrator stehen. Denn mit der Verfuegbarkeit von Windows 95 sind aus dem Hause Microsoft nun zwei Betriebssysteme erhaeltlich, die den Einsatz von 32-Bit-Applikationen erlauben. Waehrend der Neuling auf den ersten Blick durch das moderne Design seiner Oberflaeche besticht, ueberzeugt Windows NT eher mit verborgenen Funktionen wie Sicherheit, Skalierbarkeit oder Portierbarkeit.

Angesichts der vielen Gemeinsamkeiten und andererseits teilweise gravierender Unterschiede faellt es nicht leicht, die beiden Betriebssysteme richtig zu positionieren. Wenn im folgenden von Windows NT gesprochen wird, ist jeweils nur die Workstation- Variante gemeint, da nach Erkenntnissen der Meta Group Inc. der Windows NT Server speziell auf Netzdienste ausgerichtet wurde und so auf dem Desktop nicht die gleiche Performance wie Windows NT Workstation bietet.

Der Problematik, im Besitz zweier Betriebssysteme fuer 32-Bit- Anwendungen zu sein, ist man sich auch in der deutschen Microsoft- Niederlassung in Unterschleissheim bewusst. Hier positioniert man Windows 95 als Consumer-Produkt, "das fuer den Mainstream-PC entwickelt wurde", waehrend NT fuer die Anforderungen von Unternehmen konzipiert sei. So charakterisiert denn ein Informationspapier der Microsoft GmbH NT als "ein in hohem Masse stabiles und zuverlaessiges Desktop-Betriebssystem".

Bei der Verwirklichung dieses Ziels muss der Anwender allerdings den Nachteil in Kauf nehmen, dass nicht alle DOS-Applikationen unter NT lauffaehig sind.

Nicht alle DOS-Programme laufen unter Windows NT

Betroffen sind davon jedoch in der Regel lediglich Programme, die direkt auf die Hardware zugreifen, ein Verfahren, das die Microkernel-Systemarchitektur von NT unterbindet. Da es sich bei diesen Programmen groesstenteils nur um DOS-Spiele handelt, sollte dieses Problem beim professionellen Einsatz zu vernachlaessigen sein.

Staerker faellt dagegen ins Gewicht, dass alte oder exotische Hardware mit NT unter Umstaenden nicht zusammenarbeitet. Denn im Gegensatz zu Windows 95 koennen alte DOS- oder Win-16-Treiber nicht weiterverwendet werden, da das Betriebssystem aufgrund seiner Struktur spezielle 32-Bit-Treiber erfordert. Stammen die Peripheriegeraete von einem groesseren, namhaften Hersteller, so stellt dies in der Regel kein Problem dar: Entweder unterstuetzt Windows NT von Haus aus bereits gaengige Devices wie SCSI- Controller, oder die Hersteller liefern ihre Produkte mit entsprechenden NT-Treibern aus.

Was hier auf den ersten Blick wie eine Schwaeche von NT aussieht, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als eine der wichtigsten Staerken des Betriebssystems. Da der grosse Bruder im Gegensatz zum neuesten Sproessling nicht den Ballast der vollen Rueckwaertskompatiblitaet und die damit verbundenen 16-Bit-Treiber mit sich herumschleppt, ermoeglicht NT allen Applikationen ein preemptives Multitasking in geschuetzten Adressraeumen, so dass komplette Systemabstuerze, wie sie unter Win 95 mit fehlerhaften Programmen moeglich sind, bei NT der Vergangenheit angehoeren sollten. Beispielhaft lassen sich diese Abstuerze unter Win 95 mit dem MS-DOS-Debugger provozieren.

Ebenso gehoert Aerger wegen der Systemressourcen, unter Windows 3.x ein dauernder Problemfall, bei NT der Vergangenheit an. Waehrend die Ressourcen bei Win 95 erweitert wurden, sind sie bei NT laut Microsoft unbegrenzt.

Unterschiede zeigen sich derzeit auch bei der Verwendungsmoeglichkeit von 32-Bit-Programmen. Waehrend in der aktuellen Version 3.51 von Windows NT alle 32-Bit-Windows- Applikationen lauffaehig sind, ist dies umgekehrt nicht unbedingt der Fall. Denn das bei Windows 95 verwendete Win-32c-API ist derzeit noch kein Subset der Win-32-Version von NT. Hinzu kommt, dass NT bereits ueber eine Open GL (Graphic Library) fuer 3D-Grafiken verfuegt, die bei Windows 95 erst in einem der naechsten Releases geplant ist. Deshalb lassen sich Programme mit spezifischen NT-Merkmalen wie etwa Sicherheits- Features unter Win 95 nicht fahren.

Gerade in diesem Bereich hat das dem amerikanischen Sicherheitsstandard C2 entsprechende NT mehr zu bieten als der kleine Bruder. So koennen auf ein und derselben Workstation Files, Folders oder Applikationen fuer bestimmte Anwender unsichtbar gemacht werden.

NT unterstuetzt drei File-Systeme

Darueber hinaus bietet NT mit NTFS ein Dateisystem, das im Fehlerfall (Stromunterbrechung etc.) die automatische Wiederherstellung des Orginalzustandes erlaubt. Zudem unterstuetzt NT neben der alten MS-DOS-File-Allocation-Table (FAT) auch noch das High Performance File System (HPFS). Windows 95, das zwar ebenso wie sein groesserer Bruder lange Dateinamen erlaubt, verwendet hierzu das neue File-System VFAT, das jedoch nur eine Weiterentwicklung des bekannten FAT-Systems ist und keine Sicherheits-Features besitzt. In der Praxis eher von untergeordneter Bedeutung ist dagegen die Faehigkeit von NT, Programme fuer den IBM Presentation Manager (bis Release 1.3) sowie die unter Unix gebraeuchlichen alphanumerischen Applikationen fahren zu koennen.

Doch diese Funktionen und die hoehere Sicherheit haben ihren Preis: Waehrend Microsoft fuer Windows 95 einen minimalen Speicherausbau mit 8 MB RAM empfiehlt, erfordert NT in der empfohlenen Minimalkonfiguration bereits 12 MB. In Sachen Festplattenbedarf belegt NT dann schon ueber das Doppelte: Begnuegt sich Win 95 noch mit 40 MB Plattenplatz, fuellt NT muehelos 90 MB. Dafuer ist der User mit dem Kernel-basierten NT jedoch nicht einseitig auf die Intel- Plattform festgelegt, sondern kann auch auf RISC-basierte Systeme migrieren. Derzeit sind NT-Varianten fuer den Power-PC, Mips- und Alpha-Rechner erhaeltlich. Zudem kann das Betriebssystem bei besonders komplexen Applikationen auch in einer Multiprozessor- Konfiguration gefahren werden.

Ein Teil der Unterschiede, vor allem die Schmankerl, die Windows 95 dem grossen Bruder voraus hat, duerften in absehbarer Zeit bereits der Vergangenheit angehoeren. So ist schon heute ueber verschiedene Online-Dienste die grafische Oberflaeche von Windows 95 fuer die englische NT-Variante Release 3.51 erhaeltlich. Bei der naechsten NT-Version soll diese Shell dann ein integrierter Bestandteil des Betriebssystems sein. Zudem kommt das Release 3.6 auch mit einer Client-Software fuer den Zugang zum Microsoft Network.

Darueber hinaus ist fuer das Upgrade eine universelle Inbox fuer Fax und E-Mail auf Basis des Exchange-Client geplant, wie er bereits heute in Windows 95 integriert ist. Ebenso noch Zukunftsmusik ist der dynamische PCMCIA-Karten-Support von Windows 95 - der NT- Anwender muss heute beim Wechsel eines PCMCIA-Device seinen Rechner noch neu booten. Ebenfalls vom kleinen Bruder abgeschaut arbeitet man in Redmond in Sachen Networking an einer neuen Registrationsfunktion fuer NT, die Netz-Managern die Vergabe von verschiedenen Privilegstufen fuer den Client erlaubt. Darueber hinaus will Microsoft bei NT auch im Bereich Multimedia nachbessern: Es ist ein System Developer Kit (SDK) geplant, das auf den APIs von Windows 95 basiert.

Zwar duerfte ein so erweitertes NT 3.6 amerikanischen Quellen zufolge zwischen 4 und 8 MB mehr RAM erfordern als Win 95, doch fuer Microsoft liegt der langfristige Upgrade-Pfad trotz hoher Anforderungen bei Windows NT. So kuendigte denn auch, wie die CW- Schwesterpublikation "Infoworld" berichtet, Microsoft-Chef Bill Gates erst kuerzlich oeffentlich an, dass es noch ein groesseres Update bei Windows 9x geben werde, bevor NT seinen Platz als einziges MS- Betriebssystem einnehmen koenne.