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Wie sollten Bildschirm-Arbeitsplätze aussehen?


20.06.1980 - 

Langsam klärt sich das Bild

Schon heute zählt man in der Bundesrepublik an die 100 000 Bildschirm-Arbeitsplätze, jährlich steigt ihre Zahl um etwa 30 Prozent. Diese Daten zeigen, wie rasant sich die Bürolandschaft in den kommenden Jahren verändern wird und - im Zeichen des internationalen Wettbewerbs - wohl auch muß. Aus diesem Wandel darf aber keine inhumane Arbeitsplatzgestaltung resultieren, bei der die Arbeitsmittel und Arbeitsabläufe nur nach angeblich rationellen Kriterien geplant werden - sie wäre früher oder später sowohl aus volkswirtschaftlicher wie aus sozialpolitischer Sicht zum Scheitern verurteilt.

Während in der Bundesrepublik zur Zeit zahlreiche Experten und Gremien gemeinsam an "Sicherheitsregeln für Bildschirm-Arbeitsplätze" knobeln, gab der hierbei federführende Fachausschuß "Verwaltung" zunächst einmal "Hinweise für Gestaltung und. Verwendung von Bildschirm-Arbeitsplätzen" heraus, die eine gute Vor-Orientierung gestatten; wer sie befolgt, dürfte zumindest keine grundsätzlichen Fehler beim Einsatz seiner Bildschirme im Büro mehr machen. (Anzeigegeräte und Monitore in Schaltwarten und Leitstehden sind ein davon abzugrenzender Extrafall, obwohl sich viele der folgenden Hinweise sicher auch auf sie übertragen lassen.)

Je mehr Information ein Bildschirm vermitteln soll, desto größer muß er sein, betonen die neuen "Hinweise". Die Zeichen müssen mindestens einen Sehwinkel von 18 Grad ausfüllen, dürfen aber keinesfalls kleiner als 3 Millimeter (Höhe der Großbuchstaben) sein. Der Bildschirm muß alle Buchstaben voll ausbilden, also einschließlich der Ober- und Unterlängen. Auch wenn das Bild auf maximale Helligkeit geschaltet ist, müssen die Zeichen scharf dargestellt werden.

Die Zeichen sollen auf dem ganzen Bildschirm flimmerfrei wiedergegeben werden, was eine entsprechend hohe Bildelement-Folgefrequenz bedingt. Der Bildschirm muß genügend Kontrast aufweisen; vor allem bei Positivdarstellung muß der Hintergrund zumindest dreimal heller leuchten als das Zeichen. Bei der heute noch vorherrschenden Negativdarstellung soll der Kontrast sogar zwischen 6 zu 1 und 10 zu 1 liegen.

Keine Reflexionen

Die Oberfläche des Bildschirms sollte möglichst schon vom Hersteller so ausgeführt werden (aufgedampfte Spezialschichten), daß Reflexionen und Spiegelungen vermieden werden. Von nachträglichen Sprays, Folien und Filtern halten die Bildschirm-Experten hingegen nichts. Wegen der geringeren Reflexionseffekte plädieren die Autoren der "Hinweise" im übrigen für die Positivdarstellung; für sie spricht auch, daß dann der belastende ständige Wechsel zwischen hellen Belegen und dunklem Bildschirm entfällt. Nebenbei: Auch die Belege selber sollten schon von Haus aus leicht lesbar sein, also deutlich beschriftet.

Tastaturen getrennt aufstellen

Den neuen Hinweisen zufolge gehören Geräte mit fester Zuordnung Bildschirm-Keybord auf den Müll; die Tastaturen sollten nämlich beweglich sein, zirka drei Zentimeter Höhe kaum überschreiten (oder eine Handballenauflage besitzen) und kaum glänzen. Ihr "Reflexionswert" (laut einschlägiger Tabelle) sollte möglichst nah bei etwa 40 bis 50 Prozent liegen.

Wenig beachtet, aber von großem Einfluß auf das Wohlbefinden sind auch die Vorlagenhalter. Sie sollten frei beweglich sein, man muß auf ihnen aber auch stempeln, korrigieren und signieren können. Nach Glanz und Reflexionswert sollten sie den Tastaturen entsprechen. In keinem Fall dürfen sie den Benutzer in "Zwangshaltungen" drängen.

Zwangshaltungen zu vermeiden ist abre auch sonst bei der Gestaltung der Bildschirm-Arbeitstische generell die oberste Devise. Man müsse die einzelnen Geräte und Arbeitsmittel möglichst flexibel verschieben können und auch die Tische selber sollten etwa

zwischen 68 und 76 Zentimeter in der Höhe verstellbar sein. Starre Tische sollten 72 Zentimeter hoch sein, die mittlere Tastaturhöhe sollte 75 Zentimeter nicht überschreiten.

Erfüllt man diese Forderungen nach Flexibilität, so dürfte sich die Einrichtung unterschiedlicher Spezial-Arbeitsplätze für "Dateneingabe", "Dialog" und "Datenausgabe" erübrigen, meinen die Autoren der "Hinweise". Sollen neben der Bildschirmarbeit noch handschriftliche Eintragungen in die Unterlagen vorgenommen werden, so müssen die Tischplatten übrigens mindestens 1,20 Meter breit sein und eine entsprechende Schreibfläche übrig lassen. Vor der Tastatur müssen fünf bis zehn Zentimeter frei sein, damit die Handballen eine Auflage finden. Im übrigen ist klar, daß auch den Beinen ausreichend Bewegungsfreiheit verbleiben muß.

Dilemma Kopfhaltung

Bei der Aufstellung von Bildschirmgeräten ergibt sich ein Dilemma aus der Tatsache, daß einerseits Spiegelungen vermieden werden sollen, die Kopfhaltung bei der Arbeit aber bequem sein sollte. Letzteres bedingt an sich einen Blickwinkel von etwa 35 Grad nach unten, doch dann träten auf entsprechend nach oben gerichteten Bildröhren Reflexionen besonders stark auf. Aus diesem Grund raten die "Hinweise" zu einem Kompromiß wobei die "oberste verwendbare Zeile" des Bildschirms etwa 115 bis 130 Zentimeter über dem Fußboden liegen sollte - und die ganze Sache natürlich noch verstellbar sein muß.

Wegen Reflexionen und Spiegelungen sollten Datensichtgeräte weder direkt vor Fenstern noch von Fenstern abgewandt aufgestellt werden (Fensterkreuze im Bild), sondern besser in etwas Distanz von den Fenstern senkrecht zur Fensterfront. Ebenso ist zu vermeiden, daß Lampen etc. sich im Bildschirm spiegeln oder den Benutzer blenden: Das Arbeitsfeld sollte also möglichst gleichmäßig ausgeleuchtet sein, es dürfen keine "schwarzen Löcher" hinter dem Bildschirmgerät auftreten. Noffalls sind eben entsprechende Stellwände oder Vorhänge anzubringen.

Um unnötige physiologische Belastungen des Personals zu vermeiden sollte die allgemeine Raumbeleuchtung eine Nenn-Beleuchtungsstärke von etwa 500 Lux aufweisen- Einzel-Tischleuchten sind an Datensichtgerät-Arbeitsplätzen hingegen zu vermeiden, heißt es in den "Hinweisen". Sie zwingen nämlich erst recht zu Hell-Dunkel-Anpassungen und heizen den Platz überdies noch unerwünscht auf. (Doch ob man die einzelnen Mitarbeiter da nicht besser jeweils selber entscheiden lassen sollte. . ?)

Öfter mal zum Arzt

Wer laufend am Bildschirm arbeiten soll, muß vorher zum Arzt, betonen die Autoren der vorliegenden Schrift. Oft wird nämlich auf den Bildschirm geschimpft, obwohl in Wirklichkeit ein Sehfehler Ursache bestimmter Beschwerden ist. Bei Problemen muß natürlich der Augenarzt konsultiert werden, er sollte die Brille so verschreiben, daß Text in einem Abstand von 45 bis 60 Zentimeter beschwerdefrei gelesen werden kann. Am Arbeitsplatz sollten übrigens keine Mehrstärke-Gläser getragen werden und auch getönte Brillen werden von Arbeitsmedizinern abgelehnt.

Im allgemeinen müßte es reichen, die Augen etwa alle fünf Jahre überprüfen zu lassen; ab 45 empfiehlt sich ein dreijähriger Kontroll-Turnus, solange keine besonderen Beschwerden auftreten. Im übrigen wird in den "Hinweisen" ausdrücklich betont daß eine Schädigung der Augen durch das Arbeitsmittel Bildschirm unwahrscheinlich und bislang auch nicht erkennbar war.

Abschließend wird noch empfohlen die Arbeit am Bildschirm nicht so stark zu zergliedern, daß sie monoton und damit zur Belastung für die Mitarbeiter wird.

*Egon Schmidt ist freier Fachjournalist in München