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Objektorientierte Datenbanken/Anbieter hoffen auf einen baldigen Boom

Langsam lichten Standards das Dickicht verschiedener Systeme

19.01.1996

Im Jahr 1994 erreichten nach Angaben von Harmon Associates objektorientierte Produkte in Nordamerika ein Marktvolumen von 915 Millionen Dollar. Davon entfielen zirka 150 Millionen Dollar auf entsprechende Datenbanken.

Damit konnten die Hersteller von Objektdatenbanken das Ergebnis von 1993 (rund 73 Millionen Dollar) mehr als verdoppeln. Das hoert sich recht eindrucksvoll an, solange man kei-ne Parallelen zum Markt fuer relationale Datenbanksysteme (RDBMS) zieht. Deren Anbieter setzten 1994 ueber fuenf Milliarden Dollar um und wachsen weiterhin enorm.

Objektorientierte Systeme sind also noch ein recht kleiner Teil des gesamten Datenbankmarktes, der aber schnell expandiert. Marktforscher erwarten fuer 1996 einen regelrechten Boom. So geht IDC beispielsweise davon aus, dass sich das OO-Segment in den kommenden Jahren jeweils nahezu verdoppeln wird, von 491 Millionen Dollar im Jahr 1996 auf 885 Millionen Dollar im Jahr 1997.

Fuer eine derartig optimistische Prognose bestehen mehrere Gruende. Zum einen nimmt die generell staerkere Akzeptanz von Objekttechnologie seitens der Anwender den Markt fuer entsprechende Datenbanken ins Schlepptau. Zweitens werden OODBMS insgesamt stabiler, robuster und reifer. Drittens erleichtern entstehende Industriestandards die Annahme im kommerziellen Markt.

Generell lassen sich Anbieter von Objektdatenbanken in zwei Kategorien unterteilen: zum einen in die reinen OODBMS-Anbieter, deren Produkte inzwischen Queries und Zugang auf relationale Datenbanken ermoeglichen, zum anderen in Hersteller objektorientierter Front-end-Produkte (O/RDBMS), die eine Objektdatenbank als Vorprozessor einer relationalen anbieten.

Zur ersten Kategorie zaehlen "Gemstone" von Gemstone Systems Inc. (ehemals Servio), "IDB Object" von Persistent Data, "Matisse" von Advanced Databases Inc. (ehedem Intellitic), "O2" von O2 Technology, "Objectivity/ DB" von Objectivity, "Objectstore" von Object Design, "Ontos" von Ontos Inc., "Poet" von Poet Software und "Versant" vom gleichnamigen Unternehmen.

In die zweite Kategorie fallen "Illustra" von Illustra Technology, "ODB-II" von Fujitsu, "Odapter" von Hewlett-Packard, "ODBMS" von Object Power Inc., "Persistence" von Persistence Software, "Raima Object Manager" von Raima und "Uni-SQL" von Uni-SQL.

Es sei angemerkt, dass die Haelfte dieser Produkte im Jahr 1989 noch nicht existierte.

Fuer 1996 haben fuehrende Anbieter von relationalen Da-tenbanken, beispielsweise Oracle Corp. und Sybase Inc., objektorientierte Erweiterungen ihrer Systeme angekuendigt. Darueber hinaus haben Computer Associates und Fujitsu vor wenigen Monaten eine Kooperation zur Integration von "Open-Ingres" und ODB-II fuer 1996 bekanntgegeben. Cincom nutzt be-reits Uni-SQL-Technologie im neuen O/RDBMS "Total Object Hub".

Weiterhin existieren diverse objektorientierte und hybride Datenbanken, die als CASE-Repositories eingesetzt werden. In diesem Bereich arbeiten beispielsweise Texas Instruments und Microsoft an einem OLE-basierten Repository, das das OLE-CASE- Produkt von Texas Instruments unterstuetzen soll.

Die oben vorgestellte Systematisierung stellt nicht die einzig moegliche Klassifizierung des OODBMS-Markts dar. Man kann diesen auch in folgende zwei Kategorien unterteilen:

Reine Objektdatenbanken lassen sich nach der zugrundeliegenden Programmiersprache unterscheiden. Sie basieren entweder auf C++ oder auf Smalltalk. Ferner werden manche auf C++ beruhenden Datenbanken auch mit Smalltalk als zusaetzlichem Sprachen-Binding angeboten und umgekehrt.

Zu den auf C++ aufsetzenden Datenbanken gehoeren IDB, Matisse, O2, Ontos und Poet, die im Unterschied zu Objectstore aus derselben Gruppe noch kein Smalltalk-Binding aufweisen. Zu den Smalltalk- basierten Produkten zaehlt beispielsweise Gemstone, das ein C++- Binding mit sich bringt.

Des weiteren unterscheiden sich die Datenbanken hinsichtlich ihrer Preise. Im Niedrigpreisbereich von 299 bis 1000 Dollar liegen Poet, IDB Object, Raima, ODBMS und Illustra. Alle anderen Produkte sind teurer.

Eine kuerzlich erschienene Klassifikation von objektorientierten und hybriden Datenbanken unterscheidet differenzierter:

- Semantische O/RDBMS: eine OODBMS, die auf ein semantisches Netzwerk aufgesetzt ist. Beispiel: Matisse.

- Reine OODBMS, die Objekte direkt in einer Objektdatenbank abbilden und keine Verbindung zu einer RDBMS haben. Produktbeispiele sind "Phylia" (ein neues Produkt von Mainstay), Poet, Versant, Ontos und IDB.

- Reine OODBMS mit Gateways zu relationalen Datenbanken. Diese bilden Objekte ebenfalls direkt in einer Objektdatenbank ab, koennen jedoch Daten mit relationalen Systemen austauschen. Beispiele: Gemstone, O2, Objectstore und ODB-II.

- Objektrelationale Daten-Manager, welche Objekte direkt in RDBMS- Tabellen abbilden und mit Daten als Objekten arbeiten. Beispiele sind Odapter, Persistence, Ontos und Uni-SQL.

- Erweiterte relationale Datenbanken, die SQL-Datenstrukturen erweitern, aber kein Objekt-Management bieten. Beispiel: Illustra.

- Relationale "Mantel"-Bibliotheken. Diese bilden Objekte als Datenbankobjekte ab, die dann in relationalen Datenbanken gespeichert werden. Beispiele dafuer sind Raima Object Manager und "Rogue Wave Dbtools.h++".

Drei Standards spielen eine Rolle

Es sind im wesentlichen drei Standards, die den Markt fuer Objekt- und objektrelationale Datenbanken beeinflussen: Der erste - unter dem Titel "ODMG-93" - kommt von der Object Database Management Group (ODMG). Zweitens gibt es den "Persistence Services Standard" der Object Management Group (OMG). Die dritte wichtige Norm schliesslich ist "SQL 3" von ANSI.

ODMG-93 ist aus dem ODMG-Konsortium hervorgegangen, das aus den folgenden stimmberechtigten Mitgliedern besteht: Object Design, Objectivity, Ontos, O2 Technology, Poet Software, Servio, Versant und neuerdings auch Uni-SQL. ODMG-93, der vorgeschlagene Standard zur Portabilitaet von Anwendungen fuer Objektdatenbanken, deckt die folgenden Bereiche ab: ein gemeinsames Objektmodell (als Erweiterung des OMG- Kernmodells), eine Objekt-Definitionssprache (ebenfalls eine Erweiterung des OMG-Kernmodells), eine Objekt- Query-Sprache OQL (welche eigentlich nicht mit SQL 2 kompatibel ist) sowie ein C++- und ein Smalltalk-Binding. Die Ar-beit an ODMG-93 dauert an, und zwei weitere Spezifikationen sind fuer das kommende Jahr geplant.

Im Gegensatz dazu arbeitet die Object Management Group nicht an der Standardisierung der inneren Komponenten von OODBMS, hat aber in die Corba-Architektur sogenannte Persistence-Services integriert. Diese umfassen einige der ODMG-93-Spezifikationen. Andere Persistence- Services stehen jedoch in keinem Zusammenhang mit dem Standard der ODMG.

Das ANSI-Komitee X3H2 beschaeftigt sich mit objektorientierten Erweiterungen von SQL, die unter der Bezeichnung SQL 3 fuer 1997 erwartet werden. Die Query-Sprache OQL der ODMG und SQL3 sind derzeit noch inkompatibel, allerdings arbeiten ANSI und ODMG bereits an einer Konversion. Es ist anzunehmen, dass Anbieter relationaler Datenbanken SQL 3 annehmen werden. Daher waere es wuenschenswert, wenn ODMG und ANSI sich auf einen gemeinsamen Standard einigen koennten.

Der Markt insgesamt ist relativ kompliziert. Der Trend geht in Richtung Hybriddatenbanken, die objektorientierte Merkmale und Funktionen mit relationalen verbinden.

Es ist zu erwarten, dass Objektdatenbanken kuenftig zunehmend bei komplexeren Anwendungen zum Einsatz kommen. RDBMS und ihre hybriden Erweiterungen werden wahrscheinlich um ein und denselben Markt kaempfen.

Dies gilt vor allem dann, wenn Kompatibilitaet mit grossen, bereits existierenden SQL-Datenbanken und gleichzeitig objektorientierte Funktionalitaet gefragt ist. Dieser Markt ist ausgesprochen gross.

Zwei andere wichtige Faktoren sind die Leistung und die Zuverlaessigkeit. Objektdatenbanken zeigen im allgemeinen eine bessere Leistung, wenn sie als Query fuer komplexe Datenstrukturen genutzt werden.

*Roberto Zicari ist Professor fuer Datenbanken und Informationssysteme an der Universitaet Frankfurt am Main. Er ist Mitbegruender und Technischer Direktor der Logon Technology Transfer GmbH in Kronberg, der Repraesentanz der Object Management Group (OMG) fuer Mitteleuropa.

Kurz & buendig

Objektorientierte Datenbanken boomen. Der Umsatz in Nordamerika hat sich von 73 Millionen Dollar im Jahr 1993 auf 150 Millionen 1994 erhoeht. Die entsprechenden Anbieter lassen sich generell in zwei Kategorien unterteilen: Zum einen Hersteller reiner OODBMS und zum anderen solche von relationalen Systemen mit objektorientiertem Front-end (O/RDBMS). Eine feine Differenzierung unterscheidet nach Produkten, die auf ein semantisches Netzwerk aufsetzen; OODBMS, die Objekte direkt in einer Datenbank abbilden; OODBMS mit Gateways zu RDBMS; objektrelationalen Daten-Managern und erweiterten RDBMS. Drei Standards beeinflussen den OODBMS- Markt: ODMG-93, Persistence-Serviced Standard von der OMG und SQL3 vo ANSI.

Welche Datenbank soll es sein?

Ein Anwender, der sich zwischen einer rein relationalen Datenbank, einer relationalen Objektdatenbank oder dem Warten auf objektorientierte Erweiterungen vorhandener relationaler Produkte zu entscheiden hat, koennte sich anhand folgender Checkliste orientieren. Sie ist nicht vollstaendig, und ihre Reihenfolge bedeutet keine Gewichtung:

- Greift eine Anwendung auf komplexe Daten zurueck? Oder bestehen Plaene, bereits vorhandene Anwendungen in diese Richtung zu erweitern? Wenn eine dieser Fragen bejaht wird, ist wahrscheinlich eine objektorientierte oder hybride Datenbank noetig. Wenn die Antwort nein ist, warum sollte dann eine relationale Datenbank nicht ausreichen?

- Bestehen im Unternehmen bereits grosse objektorientierte Anwendungssysteme, und sind nun Daten zu speichern? In diesem Fall geht es nicht ohne eine objektorientierte Datenbank, die moeglichst die Sprachgrundlage des vorhandenen Systems (Smalltalk oder C++) unterstuetzen sollte.

- Sind Daten von einer OO-Umgebung in eine SQL-Datenbank einzulesen oder zu schreiben, sollte eine R/OODBMS in Erwaegung gezogen werden.

- Steht die Umstellung von einer Mainframe-Umgebung auf Client- Server- oder verteilte Peer-to-peer-Systeme an? Wenn das der Fall ist, so lautet die gute Nachricht, dass alle hier beschriebenen Produkte die Client-Server-Architektur unterstuetzen.

- Falls Standards fuer ein Unternehmen vo Bedeutung sind, sollte es sich an ODBMS-Anbieter halten, die ODMG-93-konforme Systeme anbieten oder auf den Markt bringen werden.