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08.04.1994

Laokoon Gerstner im Old-Boys-Network Dieter Eckbauer

Geht es die Anwender etwas an, wie Louis Gerstner die Rolle der IBM in einer sich veraendernden DV-Welt sieht? Vielleicht nicht, vielleicht doch - ganz bestimmt aber, wenn sich der IBM-Chef auf sie beruft. Die Kunden fuehlten sich bestuermt von einem Chaos konkurrierender Technologien: "They're confused", so Gerstner - Herausforderung und Chance fuer eine neue IBM, die auf die Kunden zugehen wolle. Der Big-Blue-Boss mag mit seiner Diagnose recht haben, aber verheisst er auch eine erfolgreiche Therapie? Fuer die Anwender sollte allein dies zaehlen. Keine Glaubensfrage, aber wichtig fuer die Einkaufspolitik der Anwenderunternehmen: Was spricht dafuer, dass sich bei Big Blue Entscheidendes veraendert hat?

In seiner Rede am 24. Maerz 1994 vor Wall-Street-Analysten in New York - das Manuskript liegt der CW-Redaktion vor - musste Gerstner die Antwort auf diese Frage schuldig bleiben (siehe auch Seite 5). Was haette er sagen sollen? Dass er sich, umgeben vom "Old-Boys- Network" der IBM, wie Laokoon vorkomme? Der Vergleich ist nicht willkuerlich gewaehlt. "Let me introduce them now", hatte Gerstner seine Rede begonnen und die Mitglieder der IBM-Fuehrungsriege der Reihe nach vorgestellt: Paul Rizzo, Jim Cannavino, Gerry Czarnecki, Ellen Hancock, Bob LaBant, Ned Lautenbach, Rick Thoman, John Thompson, Pat Toole und Jerry York - die alte Garde, sieht man von Czarnecki, Thoman und York ab.

Was haette er also offenbaren sollen? Auf keinen Fall seine Gedanken, die wir nur erahnen koennen. "Am liebsten haette ich gar nichts gesagt", kokettierte denn auch Gerstner, "weil Ihr (Analysten) mir sowieso erst glaubt, wenn Euch konkrete Ergebnisse genannt werden." Festeren Boden betrat der IBM-Lotse bei seiner Geschichtsbetrachtung. "Es war eine Host-zentrierte Welt, in der IBM proprietaere Produkte entwickelte und in der der Anwender von uns abhaengig war." Das kann man ihm abnehmen.

Soll Gerstner zugeben, dass er den Verlust dieser einmaligen Marktstellung beklagt und dass die IBM alles daransetzen wird, die Anwender weiter abhaengig zu halten? Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist nur, was Gerstner nicht sagt, wie er sich naemlich die Beteiligung der IBM am Open-Systems-Wettbewerb vorstellt. Anhaltspunkte finden sich in Nebensaetzen: "Diese Trends (Client- Server, offene Systeme, heterogene Netze, Einschub des Kolumnisten) stellen sowohl eine Bedrohung als auch eine Moeglichkeit fuer die Industrie dar. Wir nehmen sie sehr ernst, und ich hoffe, Sie erkennen sie in unseren strategischen Prioritaeten wieder."

Richtig spannend wird es, wenn sich Gerstner ueber die DV- technische Entwicklung auslaesst. Der Anschaulichkeit halber geben wir ein Zitat im amerikanischen Originalton wieder: "Microprocessors have become the dominant processor technology for today and the future. They're smaller, cooler, and less expensive than other processor technologies. And, they double in performance every 12 to 18 month, at about the same cost. You can't beat them." Haette Gerstner sagen sollen, dass der 370-Mainframe fuer die IBM tot ist?