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Itanium-Prozess


08.08.2012 - 

Larry Ellison droht Milliarden-Rechnung von HP

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Oracle hat die erste Runde im Itanium-Rechtsstreit mit Hewlett-Packard (HP) verloren. Nun droht dem Konzern eine drastische Schadenersatzforderung.
Der Itanium von Intel konnte sich aufgrund mangelnder Software-Kompatibilität nie richtig am Markt durchsetzen.
Der Itanium von Intel konnte sich aufgrund mangelnder Software-Kompatibilität nie richtig am Markt durchsetzen.
Foto: Intel

Richter James Kleinberg vom Santa Clara County Superior Court in San Jose, Kalifornien, hat gestern entschieden, dass Oracle vertraglich verpflichtet ist, weiterhin Software für HP-Server mit den mittlerweile exotischen Itanium-Prozessoren von Intel zu entwickeln. Das Verfahren kann nun vor einer Geschworenen-Jury weitergehen. Dort dürfte HP von Oracle bis zu vier Milliarden Dollar Schadenersatz fordern, schreibt das "Wall Street Journal".

Oracle seinerseits will Berufung gegen Kleinbergs Entscheidung einlegen und steht weiter auf dem Standpunkt, es sei von Hewlett-Packard gelinkt worden.

Wir erinnern uns: Der Rechtsstreit geht zurück auf eine Ankündigung von Oracle vom März 2011, keine neue Versionen seiner Software mehr für die Itanium-Server von HP zu entwickeln. HP seinerseits verklagte Oracle dann einige Monate später mit der Begründung, eine Klausel aus der Einigung in einem anderen Prozess verpflichte Oracle dazu, unter anderem seine Datenbank weiter für Itanium anzubieten.

Die beiden IT-Schwergewichte waren lange enge Partner gewesen. Ihr Verhältnis verschlechterte sich aber zusehends, als Oracle im Jahr 2010 Sun Microsystems kaufte und mit dessen Server-Hardware in deutlich direktere Konkurrenz zu HP trat. Dazu kamen dann noch eine Menge persönliche Animositäten, als HP seinen CEO Mark Hurd schasste und dieser nur einen Monat später als Oracle-President bei seinem Freund Ellison unterschlüpfte. HP zerrte Hurd deswegen vor den Kadi.

Der frühere HP-Chef Mark Hurd, hier auf der OpenWorld 2010 direkt nach seinem Wechsel zu Oracle
Der frühere HP-Chef Mark Hurd, hier auf der OpenWorld 2010 direkt nach seinem Wechsel zu Oracle
Foto: Hartmann Studios / Oracle

Beide Firmen erzielten daraufhin einen Vergleich, und im Text genau dieser Einigung steht ein Passus darüber, dass Oracle seine Produkte auch künftig auf HP-Plattformen anbieten werde. Oracle stellt dies mittlerweile als freundliche PR-Geste dar, die ob des offensichtlich zerrütteten Verhältnisses der einstigen Partner besorgte Kunden beruhigen sollte.

Oracle gab dann trotzdem bekannt, seine Software für Itanium nicht mehr weiterzuentwickeln - Microsoft und Red Hat hatten das übrigens zuvor ebenfalls getan. Es begründete diese Entscheidung unter anderem mit internen Hinweisen vom Prozessorlieferanten Intel, dass sich Itanium seinem EOL (End of Life) nähere, was Intel freilich bestreitet. HP, dann unter Führung des erklärten Oracle-Hassers Léo Apotheker, verklagte den Ellison-Konzern schließlich wegen Vertragsbruch.

Im bisherigen Verlauf der Verhandlung wurde dann auch schon jede Menge schmutzige Wäsche gewaschen. HP behauptete, Oracle versuche, dem Unternehmen selbst auf Kosten gemeinsamer Kunden zu schaden; Oracle wiederum unterstellt, HP halte Itanium nur durch versteckte Millionenzahlungen an Intel künstlich am Leben, um seine lukrativen Support-Verträge so lange wie möglich zu melken. Richter Kleinberg verglich die Streithähne deswegen bereits mit einem Ehepaar während der Scheidung.

Dennoch kam der Richter gestern zu dem Schluss, der Vertragstext (des Vergleichs in Sachen Mark Hurd) sei "unmissverständlich" und mache klar, dass Oracle zur Weiterentwicklung der Itanium-Software verpflichtet sei. Eine HP-Sprecherin wertete dies verständlicherweise als "einen gewaltigen Sieg für HP und seine Kunden".

Eine Oracle-Sprecherin konterte, die Entscheidung des Gerichts ändere nichts daran, dass die fraglichen Server-Systeme vor dem Ende stünden. "Wir wissen, dass Oracle in den von HP zitierten 27 Wörtern aus einer Personalsache ohne Bezug nicht das Recht aus der Hand gegeben hat, Enscheidungen zur Plattformentwicklung zu treffen", erklärte sie. "HPs Argumentation stellt das Konzept von ‚Partnerschaften‘ im Silicon Valley auf den Kopf."

Léo Apotheker wurde ja vor knapp einem Jahr ebenso wie Amtsvorgänger Hurd rausgeworfen; seine Nachfolgerin, die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman, schlägt längst weniger harsche Töne in Richtung Oracle an. "Das Verhältnis zwischen Oracle und HP betrübt mich", sagte die HP-Chefin im Juni in einem Interview. "Ich respektiere Oracle sehr und würde die Beziehung zu Oracle mit der Zeit gerne wieder aufbauen."

Dass HP nun vor Gericht einen Etappensieg erzielt hat, bedeutet natürlich noch lange keinen Erfolg von Itanium am Markt. Die Highend-Server mit den reinen 64-Bit-Prozessoren von Intel gehören zu den profitableren Produkten des Konzerns; das Geschäft ist aber seit der Oracle-Ankündigung merklich zurückgegangen. In der zuletzt vorgelegten Quartalsbilanz ging der Umsatz der Sparte, welche die Itanium-Systeme anbietet, um 23 Prozent auf 421 Millionen Euro zurück.

HP und Intel hatten Itanium mit einem auf wenigstens zehn Milliarden Dollar geschätzten Aufwand unter anderem als Nachfolger für die "PA-RISC"-Architektur in den Unix-Servern von HP entwickelt. Dann kam allerdings AMD mit seinen "Opteron"-Chips auf den Markt, die die gute alte x86-Architektur einfach auf 64 Bit aufbohrten, auf denen aber auch alte 32-Bit-Anwendungen ohne Anpassungen weiterliefen. Das gefiel den Anwendern so gut, dass Intel mit seinen "Xeon"-Prozessoren auch flugs auf den x64-Zug aufsprang und seither primär dort investiert, was Server angeht. Itanium fristet seitdem ein Nischendasein primär im HPC-Umfeld.

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