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16.08.2002 - 

IT-Beschaffung mit Fremdfinanzierung

Leasen oder nicht leasen?

MÜNCHEN (js) - Auf IT-Finanzierung spezialisierte Dienstleister versprechen Kunden, ihren Bedarf budgetschonend zu decken. Vor allem mit Leasing- und Mietmodellen sollen Anwender um große Investitionen herumkommen. Neben vielen Vorteilen gibt es dabei aber auch Nachteile, die bedacht werden müssen.

IT ist teuer und veraltet schnell. Gerade in Zeiten knapper Kassen suchen Unternehmen nach Möglichkeiten, die Finanzierung großer Investitionen im DV-Bereich zeitlich zu strecken. Dazu bieten einige Dienstleister ihre Services an. Viele große IT-Finanzierer sind an Hersteller gebunden, erläutert Markus Huber-Graul, Senior Consultant der Meta Group. Dienstleister wie etwa IBM Global Financing verfolgten neben ihrem Finanzierungsgeschäft meist weitere Interessen: "Neben der Umsatzsteigerung im Hardwarebereich versucht man, den Kontakt zum Kunden zu bekommen und damit eine Übersicht über seine IT-Infrastruktur." Dadurch könne die Nachfrage auf gewisse Weise gesteuert und der potenzielle Bedarf des Kunden kalkuliert werden.

Projekte komplett finanzieren

Nachdem Leasing und Miete bei einfacher Hardware wie PCs oder Notebooks bereits gang und gäbe sind, versuchen die Anbieter nun, in neue Bereiche vorzudringen. Server- und Projektfinanzierung sieht Huber-Graul als Trend der Branche, der zumindest teilweise auch von den Anwendern getrieben werde: "Der Kunde sucht neue Wege, wie er Großprojekte finanzieren kann." Bringe er das Kapital allein auf, müsse er einen Investitionsplan erstellen und prüfen, ob die veranschlagten Ausgaben mit dem Budget über drei Jahre machbar seien. "Die Anschaffungskosten für Software und Services belasten in diesem Fall das gesamte IT-Budget über Jahre hinweg", so Huber-Graul. Ein möglicher Weg, den IT-Geldtopf von großen Posten zu entlasten, sei das Projektleasing.

Dieser Argumentation folgen auch die Anbieter. "Der Kunde möchte Zahlungsströme so lenken, wie es sein Budget zulässt", erläutert Erwin Jung, Leiter des Geschäftsbereichs IBM Global Financing in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vor allem bei großen IT-Projekten sieht Jung einen Trend zu Fremdfinanzierung. Bevor aus einem Projekt eine nutzbringende Lösung wird, sei ein "schmerzhafter Kosten-Peak" vorzufinanzieren. Diesen Markt will der Dienstleister mit einer Mischung aus Projektfinanzierung und Leasing bedienen. Dabei übernimmt der Service-Provider zunächst die kompletten Projektkosten, kauft dem Anwender quasi das Projekt ab. Anschließend wird ein Leasingvertrag aufgesetzt. Dabei beschränkt sich Global Financing nicht grundsätzlich auf Projekte, in denen IBM als Lieferant oder Service-Provider auftritt. Die Zahl der finanzierten Nicht-IBM-Projekte sei aber gering, gesteht Jung ein.

Kleine Aufträge lohnen sich nicht

Der Branchenriese ist vor allem auf die Finanzierung großer Vorhaben aus, etwa im Umfeld der Mainframes: "Rund 85 Prozent aller Z-Series-Maschinen, die installiert werden, sind finanziert", behauptet Jung. Aus seiner Sicht gibt es eine klare Tendenz in der Unternehmens-IT: "Je größer die Installationen und je mehr sie aufrüstbar sind, desto höher ist der Finanzierungsanteil am Gesamtvolumen." Die Untergrenze für Finanzierungsprojekte hat IBM Global Financing bei 10000 Euro angesetzt. Wegen des Aufwands seien kleinere Vorhaben nicht lohnend. Jung ist der Meinung: "Das machen andere besser und einfacher."

Prinzipiell steht Finanzierung aus Sicht des IBM-Manns dem Outsourcing nahe: "Leasing ist Financial Outsourcing." Diese Verwandschaft sieht auch Meta-Group-Consultant Huber-Graul. Bei IT-Leasing treten seiner Meinung nach ähnliche Schwierigkeiten auf wie beim Outsourcing. Besonders wenn geschäftskritische IT im Mittelpunkt stehe, sei Vorsicht angebracht. Methoden und Metriken, um die Service-Levels zu kontrollieren und bei Bedarf schnell anzupassen, seien unbedingt notwendig. Auch könnten die Financiers aus begründetem Interesse Einfluss auf die von ihnen finanzierten Leistungen nehmen. Das sei legitim, aber im Mission-critical-Bereich nicht unproblematisch, so Huber-Graul.

Neben Leasing, das meist bei Nutzungszeiten von 18 bis 38 Monaten als sinnvoll erachtet wird, gibt es am Markt auch Angebote für den kurzfristigen Bedarf - Hardware zur Miete. Bei Mietdauern zwischen drei und sechs Monaten erzielt der Hardwarevermieter Livingston seine größten Umsätze, verrät Michael Sulatycki, Marketing- und Business-Development-Manager des Unternehmens: Kurzfristig würden oft Ersatzgeräte oder Vorführmaschinen gemietet. Langzeitmiete fragten häufig Kunden nach, die einen zeitlich begrenzten erhöhten Bedarf an IT haben, zum Beispiel um einen Auftrag abzuarbeiten. Auch im Bereich Event-IT, etwa für Messen, ist der Dienstleister tätig. Die Zielgruppe sind Anwender, die für ihre Geräte eine Nutzungszeit von weniger als 18 Monaten wünschen. "Gerade für Unternehmen, die technisch immer up to date sein müssen, ist die Miete das Richtige", behauptet Sulatycki. Dieses Modell sei flexibler als Leasing.

Bei Livingston wird in der Regel ohne feste Verträge gearbeitet. Der Marketing-Manager erklärt, dass die Geschäftsgrundlage das jeweilige Angebot und die allgemeinen Geschäftsbedingungen sei. Ein Kunde könne die Mietsache jederzeit zurückgeben. "Bei einer Mietzeit von unter sechs Monaten geht alles unbürokratisch", so Sulatycki. Er stellt aber klar: "Je länger Sie mieten, desto günstiger wird es."

Livingston beschränkt sich auf Hardware der unteren und mittleren Kategorie. Bei den IBM-Mittelklassemodellen der P- und I-Series ist nach Angaben des Managers Schluss.

Wachstum, aber kein Boom

Angesichts der knappen IT-Budgets könnte man meinen, das der Mietmarkt für den kurzfristigen Ressourcenbedarf boomt. In der Tat seien die Mietumsätze gestiegen, jedoch nicht in dem Maß, dass Livingston erwartet hätte: "Die Leute reagieren auch hier verhalten", kommentiert Sulatycki. Der Markt entwickelt sich aus seiner Sicht allerdings gut und werde binnen der nächsten drei Jahre eine breite Akzeptanz bei den Anwendern erreichen.

Leasing und Miete können Alternativen zum Kauf sein. Die Entscheidung, welcher Beschaffungsweg eingeschlagen werden sollte, muss sich laut der Giga Information Group jedoch in eine finanzielle Unternehmensstrategie einfügen. Giga sieht die Entscheidungshoheit in erster Linie beim CFO (Chief Financial Officer), dem die IT beratend zur Seite stehen könne.

Schließlich bringt Leasing nicht nur Vorteile für den Anwender. Giga gibt zu bedenken, dass der Leasinggeber Eigentümer bleibt - obwohl der Leasingnehmer schätzungsweise 80 bis 90 Prozent des Warenwertes über die Vertragslaufzeit bezahlt habe. Auch sei bei langen Laufzeiten Leasing unterm Strich oft teurer als der Kauf, besonders wenn das Leasinggut zum Restwert übernommen werde.

Der kleine Unterschied

Bei der Fremdfinanzierung gibt es prinzipiell zwei Wege: Kreditkauf oder Leasing. Der Hauptunterschied ist, dass gekaufte Güter dem Käufer gehören, während Leasing- oder Mietgegenstände Eigentum des Leasinggebers bleiben. Die Abgrenzung zwischen Leasing und Miete ist schwierig, einheitliche Definitionen fehlen. Zudem legen die Anbieter dieser Finanzierungsmodelle immer wieder neue Produkte auf, die die Grenzen verschwimmen lassen. Im strengen Sinn ist Leasing ein Vertrag, auf Grund dessen ein Leasinggeber einem Leasingnehmer ein Wirtschaftsgut über einen fixierten Zeitraum zur Nutzung gegen Entgelt überlässt. Typischerweise werden beim Leasing langfristige Verträge über mehrere Jahre geschlossen, und das Wirtschaftsgut kann nach Vertragsablauf vom Leasingnehmer zum Restwert gekauft werden. Miete wird im Gegensatz dazu in der Regel als kurzfristige Form der Nutzungsüberlassung verstanden. Eine Übernahme des Wirtschaftsguts ist meist nicht vorgesehen, wird aber am Markt auch angeboten.