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29.01.1988 - 

Computer bleiben wichtiger Wachstumsmotor für die Finanz-Dienstleister:

Leasing leidet nicht unter müder Konjunktur

Im Gegensatz zu den meisten anderen Wirtschaftsbereichen zeigt die Leasingbranche immer noch keine konjunkturellen Ermüdungserscheinungen. 1986 expandierten die gesamten Leasinginvestitionen um fast 14 Prozent, wobei sich in erster Linie die Bereiche Kfz und EDV hervortaten. Dieses Wachstum wurde 1987 mit 13 Prozent nur geringfügig unterschritten, und auch für 1988 stehen alle Zeichen auf Expansion.

Bis zum Jahr 1984 haben Büromaschinen und EDV-Anlagen im Vermietungsgeschäft dominiert und werden somit zu Recht als Wegbereiter dieser Branche angesehen. 1986 jedoch erreichten sie mit einem Anteil von 31 Prozent am gesamten Leasingvolumen nur noch den zweiten Platz; mit insgesamt 37,5 Prozent jagte die Fahrzeugbranche der Computerindustrie souverän die bis dato unangefochtene Leasing-Spitzenposition ab. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß bei EDV-Anlagen - im Gegensatz zu den meisten übrigen Investitionsgütern - die Preise für die Hardware seit Jahren rückläufig oder zumindest stabil sind und vor allem Software-Produkte sowie Dienstleistungen kaum noch zum kompletten Lieferumfang der Anlagen gehören, sondern getrennt berechnet werden. Nachdem die Ausgaben - zumindest für Individualsoftware - in der Regel nicht mit den Investitionsgütern aktiviert werden, erscheint in den Anlagekonten überwiegend nur noch die Hardware und unterzeichnet damit optisch die Investitionstätigkeit der EDV-Vermieter.

Im Zuge der nachgebenden Hardware-Preise haben die Anwender die Zahl der Peripherie- und Einzelgeräte in ihren Betrieben merklich erhöht; zudem hat sich der Benutzerkreis im Bereich der kleineren und mittleren Firmen beträchtlich ausgeweitet. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß die Anlagenvermieter 1986 nicht nur bei den Stückzahlen, sondern auch bei den Anschaffungswerten für Büromaschinen und EDV-Anlagen einen deutlichen Zuwachs (+ 12 Prozent) erzielten.

Nimmt man noch die Produktionsmaschinen und -anlagen mit ihrem Anteil von gut 9 Prozent an den Neuzugängen der Anlagenvermietung zu den Fahrzeugen sowie Büromaschinen und EDV-Anlagen hinzu, so vereinigten diese drei Gütergruppen im Jahre 1986 gut 80 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens der Leasinggesellschaften und der Herstellervermietung auf sich. Auf Nachrichtenanlagen, Medizintechnik und sonstige Ausrüstungsgüter entfielen weitere 8 Prozent der Mietinvestitionen. Damit hatte das Mobilien-Leasing (einschließlich Herstellervermietung und -leasing) im Jahr 1986 bereits einen Anteil von rund 89 Prozent an den gesamten Neuzugängen der Anlagenvermietung erreicht; auf das Immobilien-Leasing entfielen nur noch gut 11 Prozent.

Verarbeitendes Gewerbe bleibt Nummer eins

Auch 1986 ging der weitaus größte Teil der Investitionen des Sektors Anlagenvermietung in das verarbeitende Gewerbe (36,3 Prozent) und in den Handel (18 Prozent). Den dritten Platz in der Rangfolge der Leasingnehmer nahmen 1986 mit einem Anteil von 14,7 Prozent bereits die privaten Haushalte ein, die bis zum Jahr 1982 noch unter "ferner liefen" eine nahezu unbekannte Kundengruppe des Leasing waren. Auf dem vierten Rang folgt der Sektor "Sonstige Dienstleistungen" (14 Prozent). Das Spektrum der unter dieser Rubrik zusammengefaßten Dienstleistungszweige reicht vom Hotel und Gaststättengewerbe über Software-Büros, Unternehmensberater, Verlage und Werbeagenturen bis zu mittelständischen Selbständigen wie Ärzten, Rechtsanwälten, Architekten, Steuerberatern, Maklern etc. Der Verkehrssektor hat mit einem Anteil von 5,7 Prozent gegenüber 1985 (7,9 Prozent) für die Anlagenvermieter etwas an Bedeutung verloren. Bei den Kreditinstituten und Versicherungen (3,7 Prozent), dem Baugewerbe (2,9 Prozent) und dem Staat (2,3 Prozent) änderte sich 1986 der Anteil an den gesamten Leasinginvestitionen kaum. Nach dem gravierenden Anteilsverlust von 1985 ging die Bedeutung der Energiewirtschaft für die Leasinggesellschaften nochmals zurück; ihr Anteil lag 1986 nur noch bei 1,8 Prozent.

1987: 25 Jahre Leasingbranche

Die gesamtwirtschaftlichen Investitionen ohne den Wohnungsbau expandierten 1987 um gut 4 Prozent - also deutlich langsamer als im Jahr 1986 (+ 6,2 Prozent). Dabei wuchsen die Ausrüstungsinvestitionen um rund 5 Prozent und die gewerblichen Bauinvestitionen um etwa 4 Prozent. Wie die Ergebnisse der jüngsten Leasingumfrage des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen, fiel die Investitionsentwicklung der Anlagenvermieter wesentlich dynamischer aus als in der gesamten Wirtschaft. Die Finanzierungs-Leasinggesellschaften und die Unternehmen aus dem Bereich Herstellervermietung und -Leasing erreichten für 1987 ein Investitionswachstum von 13 Prozent auf rund 27,5 Milliarden Mark. Damit erzielte die Leasingbranche im Jahr ihres 25jährigen Gründungsjubiläums in der Bundesrepublik eine mehr als dreimal so hohe Wachstumsrate der Anlagenzugänge wie die gesamte Wirtschaft.

Angesichts des inzwischen erreichten Volumens im Neugeschäft ist ein zweistelliges Ergebnis für die Leasingbranche keine Leichtigkeit oder Selbstverständlichkeit mehr. Nur durch ein sehr aktives Marketing und attraktive Gestaltung von Preis und Service lassen sich im Wettbewerb mit den traditionellen Financiers derartige Marktanteilsgewinne realisieren. Immerhin stieg der Anteil der Leasinginvestitionen an den gesamtwirtschaftlichen Anlagenkäufen ohne den Wohnungsbau im vergangenen Jahr um 0.7 Punkte von 8,7 auf 9,4 Prozent. Anders ausgedrückt heißt das, daß bereits fast jede zehnte Investitionsmark von einer Leasinggesellschaft finanziert wurde.

Besonders dynamisch entwickelte sich 1987 das Mobilien-Leasing, und zwar sowohl bei den Finanzierungs-Leasinggesellschaften (+ 14,2 Prozent) als auch bei den Unternehmen aus Herstellervermietung und Hersteller-Leasing (+ 15,8 Prozent).

Verleaste DV-Anlagen nahmen um 10 Prozent zu

Die Meldungen derjenigen Vermietungsunternehmen, die sich nur mit dem Fahrzeug-Leasing befassen, lassen erkennen, daß auch im vergangenen Jahr das Fahrzeug-Leasing, mit einer Zuwachsrate von etwa 20 Prozent, die expansivste Sparte in der Anlagenvermietung blieb. Das ist um so bemerkenswerter, als die Pkw-Neuzulassungen 1987 nahezu stagnierten, während sie im Vorjahr noch um 19 Prozent zugenommen hatten. Um reichlich 10 Prozent dürfte 1987 der Wert der neu verleasten EDV-Anlagen und Büromaschinen gestiegen sein.

Als Wachstumsstütze für die Leasingbranche haben sich im vergangenen Jahr auch die relativ neuen Vertriebswege, wie etwa der "Drittvertrieb" (1) und das Vertriebsleasing (2), erwiesen. Diese neuen Vertriebsinstrumente zielen auch auf den bisher noch relativ wenig erschlossenen Markt der mittelständischen Wirtschaft. Da Computer und rechnergesteuerte Anlagen in diesen Betrieben mit rasantem Tempo Einzug halten, sind diese natürlich ein sehr interessantes Marktsegment mit erheblichen Wachstumschancen.

Das Akquisitionspotential bei den mittelständischen Betrieben (3) ist beträchtlich, denn immerhin zählen 99 Prozent aller Unternehmen zu diesem Kreis. Wie Umfragen im Rahmen des Ifo-lnvestitionstests im verarbeitenden Gewerbe, im Baugewerbe und im Handel ergeben haben, ist der Anteil derjenigen Firmen, die vom Leasing Gebrauch machen, bei den kleinen und mittleren Unternehmen gerade erst halb so hoch wie bei den großen.

1988: EDV-Leasing nimmt weiter zu

Für 1988, das sechste Jahr eines gemäßigten wirtschaftlichen Aufschwungs, ist nach dem Herbstgutachten der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute (4) mit einem nominalen Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Bruttoanlageinvestitionen ohne den Wohnungsbau von rund 4,5 Prozent zu rechnen; also mit einem gegenüber 1987 nahezu unveränderten Wachstumstempo. Dabei wird für die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern eine etwas höhere Wachstumsrate als für gewerbliche Bauinvestitionen erwartet. Die jüngsten Turbulenzen auf den Aktienund Devisenmärkten müssen diese Prognose keineswegs zwangsläufig obsolet machen. Nach den Investitionsplänen des verarbeitenden Gewerbes für 1988, die bereits vor dem "Schwarzen Montag" abgegeben wurden, sollen die Erweiterungsinvestitionen in diesem Jahr ohnehin an Bedeutung verlieren.

Rund 70 Prozent der Unternehmen gaben Ersatzbeschaffung und Rationalisierungsmaßnahmen als Hauptmotiv ihrer geplanten Investitionsprojekte an (5). Selbst diejenigen Unternehmen, die in nennenswertem Umfang in den Dollarraum exportieren beziehungsweise für ihre Produkte eine verstärkte Importkonkurrenz aus dem Dollarraum erwarten, müßten im Grunde ihre Rationalisierungsanstrengungen noch erhöhen, um ihre Wettbewerbsposition zu halten. Die Verteidigung von Marktanteilen über Preiszugeständnisse dürfte aber verschiedentlich Auswirkungen auf die Ertragslage der betroffenen Unternehmen haben. Wenn aus diesem Grund nicht mehr so viele Firmen ihre Investitionen aus einem reichlichen Cash-Flow finanzieren werden, wie das in der jüngsten Vergangenheit der Fall war, kann sich das für die Geschäftsentwicklung der Leasingbranche sogar positiv auswirken.

Als bedeutendste Sparte der Anlagenvermietung wird das Auto-Leasing natürlich auch im laufenden Jahr entscheidend auf die Geschäftsentwicklung der gesamten Leasingbranche Einfluß nehmen. Nachdem aufgrund des weiteren Vordringens der Mikroelektronik in der Industrie, im Handwerk, im Handel, im Dienstleistungssektor und in den Verwaltungen - und hier nicht nur in den Bürobereichen, sondern auch in Fabrikation, Distribution, Konstruktion und Arbeitsplanung - der Markt für besonders Leasinggeeignete Investitionsgüter immer größer wird und gleichzeitig das Leasing verstärkt als Investitionsalternative für mittelständische Betriebe angeboten wird, ist in diesem Jahr auch für die Sparte EDV/Büromaschinen mit einem überdurchschnittlichen Wachstum zu rechnen. Schließlich haben diese Anlagen die höchste Leasingquote von allen Investitionsgüterarten.

Keine Automatik für zweistelliges Wachstum

Bei Abwägung der verschiedenen Determinanten für die Geschäftsentwicklung der Anlagenvermietung in diesem Jahr kann man wohl mit einiger Sicherheit davon ausgehen, daß die Investitionen der Leasingbranche stärker wachsen werden als die gesamtwirtschaftlichen Anlagenzugänge; die Zeichen stehen also weiterhin auf Expansion. Allerdings sollte man die Erwartungshaltung gegenüber den Leasinggesellschaften auch nicht überziehen. Eine Wachstumsautomatik für zweistellige Zuwachsraten gibt es auch hier nach drei Jahren hoher Marktanteilsgewinne nicht mehr. Zwar läge ein Wachstum von etwa 10 Prozent in 1988 bei einer Trend-Extrapolation im Bereich des Möglichen; dieses Ziel zu erreichen, wird der Branche aber nicht leicht fallen. Immerhin müßte dabei im Neugeschäft die Hürde von 30 Milliarden Mark übersprungen werden, was die gesamtwirtschaftliche Leasingquote auf 10 Prozent anheben würde.

*Arno Städtler ist Mitarbeiter des Ifo-lnstituts für Wirtschaftsforschung, Abteilung Investitionsanalysen und Innovationserhebungen in München.

Anmerkungen:

(1) Als Drittvertrieb wird zum Beispiel folgender Fall bezeichnet: Um das flächendeckende Niederlassungsnetz eines Kreditinstituts für die Leasing-Akquisition nutzen zu können, wird eine neue Leasinggesellschaft gegründet, über die die einzelnen Geschäftsstellen direkt mit dem Kunden autonom Leasinggeschäfte abwickeln können. Die einzelne Niederlassung ist damit einerseits am Ertrag des Leasinggeschäfts beteiligt und kann andererseits auch ein bilanzwirksames Aktivgeschäft abschließen. Für das erforderliche Leasing-Know-how und die organisatorische Einbindung steht eine bereits erfahrene Leasinggesellschaft aus dem Konzernbereich des Kreditinstituts zur Verfügung.

(2) Kooperationsform zwischen Investitionsgüterproduzenten beziehungsweise Vertriebsfirmen und institutionellen Leasinggesellschaften. Die Hersteller kümmern sich um Akquisition, Service und die Verwertung zurücklaufender Anlagen, während die Leasinggesellschaften Eigentümer der Anlagen werden, die Finanzierung besorgen und ihr Know-how einbringen.

(3) Als "mittelständische Unternehmen" bezeichnet die Deutsche Bundesbank Firmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 25 Millionen Mark.

(4) Vgl. Wirtschaftskonjunktur 10/1987.

(5) Vgl. F. Neumann, Kaum noch Wachstum der realen Industrieinvestitionen, in: Ifo-Schnelldienst 31/1987.