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31.01.1986 - 

Investition als 100prozentige Fremdfinanzierung - ein Pladoyer für den Mietkauf:

Leasing zur Steuerung der Unternehmensliquidität

Viele Leasinggesellschaften werben mit der Liquiditätsschonung durch Leasing, ohne diesen Effekt in Art und Ausmaß näher zu erklären. Elmar Arbogast* unternimmt im folgenden den Versuch - ausgehend von einer Definition der Liquidität -, die Liquiditätswirkungen des Finanzierungsleasings zu durchleuchten.

Existenzvoraussetzung eines jeden Unternehmens ist die Aufrechterhaltung des finanziellen Gleichgewichtes. Finanzielles Gleichgewicht ist dann gegeben, wenn die finanziellen Mittel gleich dem Bedarf für die fälligen Verbindlichkeiten oder größer als dieser Bedarf sind.

Finanzielles Gleichgewicht wird auch mit den Begriffen "Zahlungsfähigkeit" oder "Liquidität" umschrieben. Als Liquidität kann daher die Fähigkeit des Unternehmens bezeichnet werden, stets über ausreichende Zahlungsmittelbestände zu verfügen, um die zu einem Zeitpunkt dringend fälligen Zahlungsverpflichtungen uneingeschränkt erfüllen zu können. Dies bedeutet Sicherung der Zahlungsfähigkeit durch betragsgenaue und termingerechte Deckung aller Ausgaben des Unternehmens.

Wenn wir nun die Liquiditätswirkungen des Leasings mit den Liquiditätswirkungen des eigen- oder mischfinanzierten Kaufes vergleichen wollen, so ist es zweckmäßig, drei Betrachtungsebenen zu unterscheiden:

1. Liquiditätswirkungen im Investitionszeitpunkt,

2. Liquiditätswirkungen während der Grundmietzeit,

3. Liqiuditätswirkungen nach Ablauf der Grundmietzeit.

Bei der Untersuchung dieser Liquiditätseffekte beschränken wir uns auf die Ausgabenseite, da die Erlösanzahlungen nur von der Investition, nicht aber von der gewählten Finanzierungsalternative abhängig sind.

Im Investitionszeitpunkt werden vom Unternehmen Finanzmittel in Höhe der Anschaffungskosten des Investitionsobjektes benötigt. Diese Finanzmittel können entweder allein aus im Unternehmen vorhandenen liquiden Mitteln oder aber teilweise aus von außen zugeführten Fremdmitteln aufgebracht werden.

Die Möglichkeit einer 100prozentigen Fremdfinanzierung kann hier wohl ausgeschlossen werden, da jedes Unternehmen aus Gründen der Sicherheit und der Risikovorsorge zumindest langfristig über einen gewissen Anteil an eigenen Mitteln verfügen muß. Auch Banken verlangen bei einer langfristigen Kreditfinanzierung im allgemeinen eine Eigenleistung von 20 bis 40 Prozent der Anschaffungskosten. Damit ist in jeder vom Unternehmen direkt bezahlten Investition ein Anteil an Eigenmitteln enthalten.

Nicht so bei Leasing. Hier wird im Investitionszeitpunkt kein eigenes Kapital des Unternehmens gebunden. Leasing ermöglicht somit eine 100prozentige Fremdfinanzierung für den Leasingnehmer. Dadurch kommt es bei Leasing nicht wie beim Kauf zu einer sofortigen Liquiditätsbelastung im Investitionszeitpunkt in Höhe des Eigenanteils. Die Beschaffung ist bei Leasing nicht ausgabenwirksam.

Puffer für Liquiditätsengpaß

Im Investitionszeitpunkt gibt es folglich einen Liquiditätseffekt, der sich aus zwei Komponenten zusammensetzt:

- Schonung der eigenen Mittel in Höhe des Eigenkapitalanteils,

- Erhaltung des Kreditspielraumes in Höhe des Fremdkapitalanteils.

Die freibleibenden liquiden Mittel können entweder einer rentableren oder risikoärmeren langfristigen Anlage zugeführt werden oder aber als "Puffer" für kurzfristig auftretende Liquiditätsengpässe im Unternehmen verbleiben. So wird der in der Unternehmenspraxis wichtige Erfahrungsgrundsatz "Liquidität geht vor Rentabilität" durch Leasing nachhaltig gewahrt.

Während der Grundmietzeit wird die Liquidität des Unternehmens bei Leasing durch die Leasingraten, beim mischfinanzierten Kauf durch die Zins- und Tilgungszahlungen für Eigen- und Fremdkapital belastet. Die dafür benötigten Mittel werden aus den laufenden Erträgen des Leasingobjektes beziehungsweise aus den Ertragsgegenwerten der Abschreibungen des Kaufobjektes gewonnen. Hierbei liegt ein Vorteil von Leasing darin, daß die Leasingraten durch eine entsprechende individuelle Vertragsgestaltung (degressive, lineare oder progressive Raten) an den Mittelzufluß angepaßt werden können ("Pay-as-you-earn"-Effekt).

Ein weiterer Liquiditätsvorteil kann sich beim "erlaßkonformen" Leasing aufgrund steuerlicher Wirkungen ergeben: Leasingraten sind steuerlich sofort abzugsfähige Betriebsausgaben; durch die zeitliche Differenz von betriebsgewöhnlicher, steuerlich anerkannter Nutzungsdauer des Investitionsobjektes und der Grundmietzeit bei Leasing sind die höchstmöglichen abzugsfähigen Betriebsausgaben pro Periode bei Leasing höher als beim Kauf. Diese Vorverlagerung von Betriebsausgaben bewirkt eine zeitliche Verschiebung von Steuerzahlungen in die Zukunft und damit eine Verbesserung der gegenwärtigen Liquidität, aber über den Zinseffekt auch eine Verbesserung der künftigen Liquidität.

Dieser Liquiditätsvorteil von Leasing während der Grundmietzeit wird jedoch aufgrund der höheren Leasingzahlungen gegenüber der Kaufalternative teilweise kompensiert. Daher lassen sich konkrete Aussagen über die effektive Liquiditätsbelastung während der Grundmietzeit nur durch detaillierte quantitative Untersuchungen im Einzelfall machen.

Vertragsform entscheidet

Nach Ablauf der Grundmietzeit ist die Liquiditätsbelastung bei Leasing von der gewählten Vertragsform abhängig. Während beim Teilamortisations-Vertrag entsprechend den Leasing-Erlassen der Kaufpreis am Vertragsende dem gemeinen Wert, mindestens jedoch dem kalkulatorischen Restwert entsprechen muß, wird der Kaufpreis beim Vollamortisations-Vertrag durch den Restbuchwert oder den niedrigeren gemeinen Wert bestimmt. Um die Leasing-Alternative mit der Kauf-Alternative vergleichbar zu machen, wird hier von der Annahme ausgegangen, daß in beiden Fällen das Investitionsobjekt nach Ablauf der Grundmietzeit verkauft wird.

Bei Leasing steht den vom Leasingnehmer aufzubringenden Schlußzahlungen immer ein Verkaufserlös in mindestens gleicher Höhe gegenüber, da die Schlußzahlungen gemäß den Leasing-Erlassen in der Regel höchstens dem Verkehrswert entsprechen. Beim Kauf hingegen ist es möglich, daß der Restbuchwert des Investitionsobjektes über dem Verkehrswert liegt. Den buchmäßig noch gebundenen Mitteln steht dann kein entsprechender Verkaufserlös gegenüber. Dies führt zu einer zusätzlichen Liquiditätsbelastung beim Kauf gegenüber Leasing am Ende der Grundmietzeit.

*Elmar Arbogast ist Vertriebsleiter für Nordbayern bei der FL Mobilien-Leasing GmbH in München.

Leasing muß nicht günstiger sein

Im folgenden ein Finanzierungsvergleich Kauf /Leasing. Dieses aktuelle Beispiel wurde bei der Datev gerechnet. Es zeigt, daß Leasing nicht unbedingt die günstigere Finanzierungform zu sein braucht. Allerdings kann die Entscheidung Kauf oder Leasing stets nur für den Einzelfall getroffen werden. Es ist daher grundsätzlich nicht möglich, die eine oder andere Form als günstiger zu postulieren. Jeder Anwender sollte daher vor einer Investitionsentscheidung die Finanzierung auf seine individuelle Situation hin abklopfen.