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11.08.1978

Lebensnah

Ein IBM-Anwender ist auf den Bauch gefallen - kein Grund zur Schadenfreude. Kein Grund auch, die Besserwisser-Attitüde hervorzukehren - und wenn's noch so in den Fingern juckt.

Aber was bei Krauss-Maffei in München geschehen ist (siehe Seite 1), muß nachdenklich stimmen: Wenn "Mündigkeit" - wie im Fall Krauss-Maffel - nicht von innen, aus der EDV-Abteilung heraus wächst muß sie dann von außen verordnet werden?

Das Krisenkommando bei KM hat ein "Naiver" (Selbstdarstellung) übernommen: Ein Mann des Rechnungswesens, ohne EDV-Kenntnisse. Spottet Sanierer Lauwe: "EDV-Leute haben den Nachteil, Probleme In ihrer eigenen Haussprache so zu beschreiben, daß Außenstehende den Eindruck haben müssen, es handle sich um ein äußerst schwieriges Problem." Dieser Vorwurf ist gewiß nicht neu. Er bestätigt aber einmal mehr, daß die "Technokratie-Diskussion" zwischen Datenverarbeitern und Nichtfachleuten noch zu viele Fragen offengelassen hat.

Zugegeben: Wissenschaftler, Politiker und "Verbraucher" (Benutzer) machen es dem DV-Spezialisten nicht gerade leicht, Verständigungsbrücken zu bauen.

Im Gegenteil: Das Unbehagen an der EDV - als Betrieb im Betrieb - wächst. Dafür mag das Chaos bei Krauss-Maffei exemplarisch gewesen sein.

Nicht die Tatsache, daß bei der Panzerschmiede jetzt ein Itel-System AS/5 neben einer 370/148 steht, macht den Fall - zum Politikum. Vielmehr ist es die Art und Weise, in der das Problem angegangen wurde.

Andererseits kann man den Itel-Erfolg nicht mehr herunterspielen. Die KM-Maschine ist bereits die fünfte Itel-Installation in der Bundesrepublik - und es sind renommierte Anwender wie Bosch, Conti und die Deutsche Bau- und Bodenbank, die sich für diese gegenüber IBM kostensparende Alternative entschieden haben.

Abgesehen davon, daß es bei der Umstellung keine Softwareprobleme gibt, weil ja IBM's Betriebssysteme auf den Itel-Maschinen laufen, resultiert der Erfolg des unabhängigen Universalrechner-Anbieterts auch daraus, daß sich die Itel-Leute darüber hinaus auf recht ungewöhnliche Finanzierungsformen (Package-Leasing) spezialisiert haben.

Und doch ist es das allein nicht.

Bei Krauss-Maffei setzten "laienhafte" - aber lebensnahe - Überlegungen die Prioritäten: Kann die Zusatzmaschine das, was wir von ihr wollen, und ist sie lieferbar?

Wenn der Hoflieferant auf dem Höhepunkt der Krise keine positive Alternative bieten kann, dann verstärkt sich klarerweise die Disposition zum Fremdgehen.

Für Branchenkenner ist der Fall nur symptomatisch: Unter dem Druck der Anwendungen gehen offensichtlich viele 370-Installationen - insbesondere mittlere Konfigurationen (370/148!) - In die Knie.

Die COMPUTERWOCHE hat in jüngster Zeit zahlreiche Fälle recherchiert, in denen IBM-Anwender Schwierigkeiten hatten, TP-Anwendungen - ganz gleich, unter weichem Betriebssystem - zu realisieren. So schaffen beispielsweise der Übergang auf OS und die Umstellung der Steuerprogramme für Bildschirm-Anwendungen Engpässe (CICS-Schwächen!). Geklagt wird aber auch über einen zu hohen Betriebssystem-Oberhead bei Dialogverarbeitung.

Eine Verbesserung der Performance-Situation versprechen sich viele Anwender von den neuen 30XX-Prozessoren. Doch bis wann wird IBM alle Kunden beliefert haben? Oberhaupt: Wenn man bedenkt, daß die 30XX-Zentraleinheiten nahezu die gleiche Systemarchitektur wie die 370er haben, dann ist noch gar nicht ausgemacht, daß sie die erwartete Entlastung bringen.

Rächt sich jetzt, daß IBM Im Jahre 1975 die Ankündigung der ominösen ''Future Systems" auf unbestimmte Zeit verschieben ließ, obwohl Parallel-Entwicklungen, für eine Übergangszeit konzipiert (30XX!), nicht sichtbar waren?