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28.11.2003 - 

IT in Banken

Leere Kassen verhelfen Linux zum Durchbruch

Linux hilft sparen. Immer mehr Banken, aber auch Softwarehäuser für Bankensoftware stellen sich auf Open-Source-Software ein - beispielsweise eine Schritt-für-Schritt-Strategie für den Umstieg.Von Michael Röhrs-Sperber*

Microsofts neue Lizenzbedingungen machen es Banken nicht leicht, bei den Produkten dieses Hauses bleiben. Sie verlangen nämlich, dass die Server der Banken über einen offenen Kanal via Internet mit Microsoft Kontakt aufnehmen dürfen. Der Kostendruck tut ein Übriges, dass die IT-Abteilungen von Bankinstituten über Alternativen nachdenken. Denn nach den "guten" Jahren des letzten Jahrzehnts haben die deutschen Geldhäuser derzeit schwer zu kämpfen - mehr als beispielsweise ihre Wettbewerber im übrigen europäischen Raum. Diese Situation spiegelt sich in den IT-Budgets und -Projekten der Finanzdienstleister wider: "Investiert wird nur noch dort, wo sich die Kosten innerhalb kürzester Zeit amortisieren", weiß Reinhard Wienke, Geschäftsführer von PDV Financial Software, dem Spezialisten für Wertpapierhandelssysteme innerhalb der Hamburger C1 Group. Immer öfter wird in dieser Situation Linux als Alternative ins Gespräch gebracht: Die Open-Source- Software ist mit keinen unannehmbaren Lizenzbedingungen verbunden und gilt als sehr kosteneffizient.

Die unabhängige amerikanische Robert Frances Group (RFG) beispielsweise bescheinigt Linux verschiedene Kostenvorteile. Die TCO (Total Costs of Ownership) verhalten sich bei vergleichbaren Installationen von Windows, Solaris und Linux pro Processing Unit, wie im Kasten "TCO je Processing Unit im Vergleich" gezeigt.

Nach drei Jahren sind demnach die Gesamtkosten für Linux über 2,5-mal günstiger als bei Microsofts Windows - und 7,5-mal niedriger als für Solaris. RFG hat diese Zahlen außerdem nach Hardware-, Software- und Personalkosten aufgeschlüsselt. Bei den Hardwarekosten liegen Linux und Windows gleichauf, Solaris mit dem Faktor zehn darüber. Bei den Softwarekosten macht sich Microsofts Lizenzmodell bemerkbar. Im Anschaffungsjahr fallen bei Linux Kosten in Höhe von 342 Euro und bei Solaris in Höhe von 23516 Euro für Software an. Microsoft verlangt im ersten Jahr 4550 Euro und in jedem folgenden 1137 Euro.

Geringere Personalkosten

Die von RFG berechneten Personalkosten pro Processing Unit belaufen sich bei Linux auf 10270 Euro, bei Solaris auf 25234 Euro und bei Windows auf satte 44529 Euro. Damit bietet Linux gegenüber Windows bei den Personalkosten ein jährliches Einsparpotenzial von 34259 Euro pro Processing-Unit. Die Personalkosten bei Linux sind so niedrig, weil ein Administrator 4,4-mal mehr Server administrieren kann als bei Windows. Die Marktforscher von der Tower Group (Needham, Massachusetts, USA) prognostizieren, dass die Investitionen der 100 größten Finanzinstitute in Linux jährlich um 32 Prozent zunehmen werden.

Immer mehr Softwareunternehmen stellen sich auf dieses Potenzial ein - unter ihnen zunehmend auch deutsche Anbieter. Die Dreieicher Firma ABK Systeme beispielsweise hat ihre Zahlungsverkehrsplattform "E.F.I.S." auf Linux umgestellt. Die Coburger Firma Elaxy bietet ihre Transaktionsplattform "Elaxy B3" auch für Linux an. Weitere Portierungen aus dem Portfolio sind geplant oder entstehen gerade. Die Hamburger PDF Financial Software bietet die Wertpapierhandels- und Risk-Management-Plattform "Decide" unter Linux an. Die schwedische Firma Front Capital Systems hat ihre Handels-Lösung "Front Arena" sowie das Front-Office-System auf Linux umgestellt.

Der Informationslieferant für Business-Informationen Reuters offeriert mit "Reuters Financial Market Data" den Banken Linux-basierende Anwendungen für die Versorgung mit Nachrichten, Markt- oder Geschäftsdaten sowie für Handelsanalysen, Preismodelle, Charts und das Risiko-Management.

Immer mehr deutsche Banken setzen auf Linux-Lösungen. Die Dresdner Bank AG plant, über ihre amerikanische Investment-Tochterfirma Kleinwort Wasserstein ein Linux-System zum Datenaustausch zwischen Banken mit unterschiedlicher Software einzuführen. Es soll eine Vernetzungs- und Datenaustauschsoftware namens "Openadaptor" entwickelt werden. Die Deutsche Bank hat im Rahmen eines Pilotprojekts in London die Risikoabschätzung im Derivate-Handel auf Linux umgestellt. Die Plus Bank AG beispielsweise nutzt für Wertpapierhandel und Risiko-Management Decide. Vorreiter mit Linux-Servern waren die internationalen Institute Credit Swiss First Boston (CSFB), Merrill Lynch oder Morgen Stanley. Sie alle setzen zum Teil schon seit Jahren auf Linux. John McKinley, Executive Vice President von Merrill Lynch, gibt Einsparungen durch Linux mit 40 bis 50 Prozent oder bis zu 100 Millionen Dollar an.

Seit 2000 zählt Linux zu den strategischen Säulen von IBM - nicht zuletzt aufgrund des Potenzials im Business- und insbesondere im Bankenumfeld. IBM ließ sich die Aktivitäten eine Anschubfinanzierung von einer Milliarde Dollar kosten. Laut Hans Jürgen Rehm, Pressereferent IBM Linux, hat sich diese Investition bereits amortisiert. Im Bankenumfeld werde Linux momentan hauptsächlich im Server-Bereich verwendet, es fungiere beispielsweise auf den großen Servern der Z-Serie als virtueller Server. Vorteil dieser Lösung sei, dass ein neuer Server aus einem Image - einem lauffähigen "Foto" eines Servers - innerhalb von zehn Minuten betriebsbereit sei und so die Leistung des großen Rechners viel effektiver genutzt werde.

Ersatz für ein anderes Betriebssystem

Für den Softwareeinsatz in der Finanzbranche darf aber der Kostenaspekt nicht der einzig ausschlaggebende Punkt sein. Ebenso wichtig ist die ständige Verfügbarkeit eines Systems und seine Geschwindigkeit. In beiden Bereichen bezeugen alle derzeitigen Linux-Anwender sehr zufrieden stellende Ergebnisse. Grund für die hohe Verfügbarkeit der Linux-Systeme ist deren redundanter Cluster-Aufbau in Server-Farmen. Fällt ein Server aus, so stehen immer viele weitere zur Verfügung, die ihn ersetzen können. Auch in Sachen Performance braucht sich Linux nicht hinter anderen Lösungen zu verstecken: Die Deutsche Bank berichtet von ihrem Pilotprojekt in London, bei dem Risikoabschätzung und Derivate-Handel auf Linux umgestellt wurden, dass eine Analyse unter Linux nur 20 Minuten dauert, während das alte System vier Stunden benötigte.

Um bei einer Umstellung nicht von unerwarteten Kosten überrascht zu werden, empfiehlt Experte Wienke von PDV Financial Software anhand einer konsequenten Strategie, Linux als Ersatz für ein anderes Betriebssystem zu etablieren und es nicht zusätzlich zu vorhandenen Systemen zu betreiben. "Nur so können die häufig unterschätzten Kosten für zusätzliches Fachpersonal auf dem für Linux üblichen niedrigen Niveau gehalten werden. Schließlich müssen für jedes weitere System entsprechende IT-Profis eingestellt werden", erklärt Wienke und rät allen Umsteigern, Linux Schritt für Schritt in die eigene Systemumgebung zu integrieren - bis es schließlich seinen teureren Vorgänger ersetzen kann. (bi)

*Michael Röhrs-Sperber ist freier Journalist in Hamburg.

Angeklickt

- Immer mehr deutsche Banken setzen auf Linux-Lösungen.

- Die Open-Source-Software ist mit keinen unannehmbaren Lizenzbedingungen verbunden und gilt als Kosteneffizient.

- Die TCO pro Prozessing Unit sind wesentlich geringer als bei Solaris oder Windows.

- Die Anzahl der Softwareunternehmen, die sich auf dieses Potenzial umstellt, ist steigend.

TCO je Processing Unit im Vergleich

Betriebssystem / 1. Jahr / 2. Jahr / 3. Jahr

Linux / 42 698 / 53 192 / 63 687

Solaris / 360 628 / 420 403 / 480 178

Windows / 78 437 / 120 740 / 163 043

Angaben in Euro / Quelle: RFG