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23.09.1977 - 

GDM-Tagung: Taschenrechner im Unterricht

Lehrer sorgen sieh um Hopfrechner-Fähigkeiten

KASSEL (hz) - Das Eindringen der elektronischen Taschenrechner in den Unterricht hat die Mathematiklehrer - noch verschreckt durch die Einführung der Mengenlehre - auf den Plan gerufen. Im Mittelpunkt einer kürzlich unter Mitwirkung namhafter Pädagogen in Kassel veranstalteten Tagung der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM) standen die Einsatzmöglichkeiten dieser "Lernspielzeuge" in der Schule.

Die Experten beschäftigten sich mit' den Fragen: Verlieren Schüler bei ständigem Gebrauch des Taschenrechners die Fähigkeit zum Kopfrechnen verkümmert gar das Zahlenverständnis, welche Langzeiteffekte sind für Schüler sowie die Lehrplangestaltung zu erwarten, handelt es sich tatsächlich. um eine Revolutionierung des Mathematikunterrichts, ähnlich der Einführung der Mengenlehre? Gesicherte Forschungsergebnisse liegen bisher noch nicht vor. Der Einfluß der Taschenrechner auf den Unterricht zeigt 2 sich jedoch bereits deutlich: Traditionelle Unterrichtsmaterialien wie Logarithmentafel und Rechenschieber sind heute schon überflüssig geworden - ein "Fossil", wie Professor A. Kirsch von der Gesamthochschule Kassel sieh ausdrückte. Die Mathematik-Didaktiker bejahen zwar den Einsatz der Taschenrechner im Unterricht, aber: "Auf die Methode kommt es an Schlüsselfigur ist der Lehrer." Er soll den unreflektierten, unkritischen Gebrauch des Taschenrechners verhindern und den Schüler zu einer sinnvollen Anwendung hinführen, die einen effektiveren Mathematikunterricht als bisher ermöglicht. Der Rechner - so die Experten - bringt bei richtigem Einsatz eine aktivere Beteiligung am Unterricht mit sich, da die' Möglichkeit zum Mitrechnen von "Mammutaufgaben" besteht, die bisher wegen ihres Umfangs nur referiert werden konnten. Allerdings kann die bisherige Struktur des Mathematikunterrichts von diesen neuen Zielvorstellungen nicht unberührt bleiben. Neue Stoffe sollen zwar nicht einbezogen werden, die Schwerpunkte werden sich dagegen verschieben. Der Trend geht zu einer Aufwertung der Dezimalzahlen.

Neben der "Soforthilfe" für den Lehrer vor Ort bemühen sich die Fachwissenschaftler vor allem um eine "langfristige Strategie", die zur Einbeziehung der Taschenrechner in den Unterricht die Richtlinien der Kultusministerien (deren Erlasse sich bisher widersprechen) und die Schulbücher betrifft. Die "soziale Frage" scheint dagegen in den Hintergrund getreten zu sein: Taschenrechner gibt es schon für weniger als 20 Mark zu kaufen.

Die Integration des Taschenrechners in den Unterricht soll. jedoch - so Professor A. Wynands von der Pädagogischen Hochschule Bonn - behutsam vorbereitet werden. Erst nach einer Erprobungsphase sollen neue Richtlinien formuliert werden. - Die Pädagogen sind sich einig: Trotz Taschenrechner werden die Schüler auch in Zukunft zur Einmaleins-Tabelle greifen müssen - "das Kopfrechnen darf nicht sterben".