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18.12.1992 - 

Hohe Durchfallquoten wegen schlechter DV-Schulung

Lehrlinge üben scharfe Kritik an Ausbildung zum DV-Kaufmann

KARLSRUHE (hk) - Die betriebliche Ausbildung der DV-Kaufleute ist veraltet und leidet an erheblichen qualitativen Mängeln. Azubis der Friedrich-List-Schule, Mannheim, machten in einer Umfrage ihrer Unzufriedenheit Luft.

Azubis der Gesellschaft für Datenverarbeitung der badischen Sparkassenorganisationen (DVG) haben an ihre Mitschüler in den DV-Klassen der Friedrich List Schule einen Fragebogen verteilt, um die betriebliche Ausbildungssituation kritisch unter die Lupe zu nehmen. Denn der Beruf des DV-Kaufmanns, so der Vorwurf der DVG-Azubis, gehört zu den wenigen kaufmännischen Berufen, "der seit seiner Anerkennung 1969 keiner Neuordnung unterworfen wurde".

So gaben nur 70 Prozent der befragten Azubis an, daß sie in ihrem Ausbildungsbetrieb zu programmieren lernten. Da jedoch einer der Prüfungsschwerpunkte auf der Programmierung liege, reichten oft die Kenntnisse nicht aus, um die IHK-Prüfung zu bestehen. Nur 20 von 77 Lehrlingen würden in den Programmiersprachen ausgebildet, die Prüfungsgegenstand sind. Geprüft werde Cobol sowie eine zweite Sprache nach Wahl. Das Ergebnis ist dann, so Sandra Vollmer, neben Birgit Lotsch, Autorin der Studie, daß viele Azubis die Abschlußprüfung nicht schaffen.

Vollmer macht vor allem den DV-Vertriebsfirmen den Vorwurf, daß sie im allgemeinen die Lehrlingsausbildung und im besonderen die Programmierung vernachlässigten. Vollmer wörtlich: "Die Kollegen und Kolleginnen werden mit Verwaltungskram so zugeschüttet, daß sie keine Chance haben, sich die notwendigen DV-Kenntnisse anzueignen, geschweige denn die Prüfungen zu bestehen."

Immerhin steht 90 Prozent der Befragten in den Betrieben ein PC zur Verfügung. Die meisten können ihn während, viele auch nach der Arbeitszeit nutzen. Allerdings sei nur in 64 Prozent der Betriebe die in der Schule verwendete Software vorhanden. In der Schule werden den die Programmiersprachen Cobol und Dbase vermittelt.

Die Verfasser der Befragung äußern auch Kritik am Lehrplan, der aus dem Jahre 1986 stamme und seither nicht erneuert wurde. So enthalte das DV-Buch laut Vollmer und Lotsch "Zukunftsvisionen, die schon heute Realität sind", und fachbezogenes Englisch werde überhaupt nicht angeboten. Dagegen müßte man mit Fächern wie Gemeinschaftskunde und Deutsch Vorlieb nehmen. Im letzteren Fall richtet sich die Kritik nicht gegen das Fach, sondern gegen den Lehrstoff. "Was nützt mir die Interpretation eines literarischen Werkes, wenn ich im Unternehmen wissen muß, wie ein Geschäftsbrief zu schreiben ist", fragt sich Vollmer.

Abgefragt wurde auch der spätere Berufswunsch der Lehrlinge. 20 Prozent der Befragten gaben an, als Programmierer arbeitet zu wollten, acht Prozent wollten als Informatiker, 6,5 Prozent im Vertrieb und sechs Prozent in der Software-Entwicklung ihre Brötchen verdienen.

Trotz dieser Kritik stuft Vollmer die Berufschancen von DV-Kaufleuten als sehr gut ein, allerdings mit der Einschränkung, "daß die betriebliche Ausbildung professionell organisiert sein muß". Und hier gebe es noch einiges zu tun, weil sich nur in 42 Prozent der Fälle ein hauptamtlicher Ausbilder um die Belange der Azubis kümmert.