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29.03.1991

Leibich: "Fusion bedeutet oft Konfusion"

CW: Herr Liebich, wird NCR zu nächstjährigen CeBIT noch als eigenständiges Unternehmen auftreten?

Liebich. Davon gehe ich aus. Denn egal, was passiert - ob wir als Company eigenständig bleiben oder ob wir Teil der AT&T werden -, AT&T steht im Wort, die NCR im Falle eine Übernahme selbständig weiteragieren zu lassen. Dafür wollen sie schließlich auch das Management der NCR Corporation haben. Ich denke also, daß wir als NCR auf der nächsten CeBIT

vertreten sind.

CW: Wie bewerten denn Sie, was sich seit nunmehr drei Monaten den USA zwischen NCR und AT&T abspielt?

Liebich: Auf der einen Seite finde ich es bedauerlich, daß zwei große Unternehmen in dieser Form miteinander, umgehen, daß nicht miteinander sondern vielmehr übereinander gesprochen wird. Zudem bedauere ich natürlich, daß in dieser unschönen Auseinandersetzung die NCR mit involviert ist. Auf der anderen Seite muß man für die spezielle Branche EDV/ Datenverarbeitung sehen, daß unsere Industrie eine globale Industrie ist und damit yu rechnen ist, daß immer mehr Zusammenschlüsse kommen werden. Und hier glaube ich, daß ein Zusammengehen von NCR und AT&T doch einige Synergie-Effekte ergeben kann, die aus der zusammenwachsenden Telekommunikation und der Computerindustrie resultieren.

CW: Das sieht aber NCR-Chairman Charles Exley etwas anders. Er betont immer wieder, daß es keine Synergie-Effekte gibt.

Liebich: Das ist richtig. Er sieht das etwas anders. In gewissem Maße stimme ich Herrn Exley auch zu. Derartige Fusionen blieben bislang in der Tat

den Beweis der vielzitierten Synergie-Effekte schuldig. Man muß sich darüber im klaren sein, daß Fusion oftmals Konfusion bedeutet und natürlich eine solche Synergie sich nicht innerhalb eines Jahres in zwei Häusern herausbilden kann. Aber ich sehe eklatante Unterschiede zwischen einer möglichen Übernahme der NCR durch AT&T gegenüber vergleichbaren anderen Transaktionen in der Vergangenheit. Es sind doch meistens ein Lahmer und ein Blinder zusammengekommen - und das gibt nicht unbedingt einen Sehenden. In unserer Situation muß man sagen: Wir sollen übernommen werden wegen unseres Erfolges, nicht wegen unseres Mißerfolges. Das ist schon eine etwas andere Ausgangslage.

CW: AT&T hat mittlerweile das Angebot erhöht. Nachdem Sie bislang 90 Dollar pro Aktie offerierten, ist das Unternehmen jetzt auf 100 Dollar gegangen. Auch diese Offerte hat NCR abgelehnt. Glauben Sie, daß AT&T noch mehr bieten wird? Die Aktie von NCR schwankt inzwischen immerhin zwischen 96 und 98 Dollar.

Liebich: Unser Board hat gleich zu Beginn des Übernahmegerangels gesagt, daß NCR mindestens 125 Dollar pro Aktie wert wäre. Grundsätzlich, so habe ich gehört, ist man bereit, mit AT&T zu sprechen, wenn das Unternehmen derartige Offerten nicht nur an die Banken und an die Anlegergemeinde macht, sondern wenn es gewillt ist, mit dem NCR-Management zu sprechen und zusammenzuarbeiten. Von daher hoffe ich, daß man einen Weg findet, der möglichst kurzfristig zu einer klaren Entscheidung führt. Es wäre wünschenswert, wenn auf der außerordentlichen Aktio- närsversammlung am 28. März 1991 die Weichen entweder für einen "friendly merger" gestellt werden oder aber AT&T die notwendige 80 prozentige Aktienmehrheit hat, um das Board entsprechend auszutauschen.

CW: Glauben Sie, daß die Chancen für einen "friendly merger" mittlerweile besser stehen? Eine giitliche Einigung würde sich doch wohl besser machen.

Liebich: Natürlich wäre es sinnvoller, eine derartige Sache freundlich zu besprechen, als ständig neue Abwehrmaßnahmen erfinden zu müssen, die letztendlich Kraft und Geld der Cornpany kosten.

CW: Herr Liebich, was fällt Ihnen zu Jürgen Tepper ein?

Liebich: Herr Tepper ist mir nur namentlich bekannt. Er tut mir eigentlich leid, denn er hat offensichtlich mit viel Ambitionen eine Position angetreten, die - kommt es zu einer Fusion oder einem Zusammengehen überflüssig ist.

CW: Sie sehen also für sich und Ihre Aktivitäten in Deutschland, in Europa keinerlei Auswirkungen dadurch, daß bei A T&T in Frankfurt jetzt ein Vice-President Europe Computer Systems existiert, der für das Unternehmen eine eigenes Computergeschäft in Europa aufbauen soll.

Liebich: Ich schlafe durchaus noch ruhig. Man braucht doch nur die Proportionen zu sehen. Es gibt da wahrscheinlich eine kleinere Vertriebsgruppe, die angefangen hat, bestimmte Aktivitäten einzuleiten. Demgegenüber steht ein Apparat von 12 000 Mitarbeitern, die europaweit in acht Regionen über zwei Milliarden Dollar Umsatz generieren. Mehr brauche ich dazu gar nicht zu sagen.

CW: Sie haben eben schon den 28.März 1991 angesprochen. Bringt

dieser Tag tatsächlich die Entscheidung?

Liebich: Ein Shareholder-Meeting ist das geeignete Forum, um eine derartige Aktivität zu beschließen. Ich hoffe, daß dies dann auch geschieht ...

CW: ... damit endlich Ruhe einkehrt und man sich auf das eigntliche Ge- schäft konzentrieren kann.

Liebich: Unser gesamtes operative Geschäft ist immer weitergelaufen. Wir können nicht unsere Produktfreigabe und Produktstrategie stoppen, nur weil sich die Eigentümer streiten. Vielmehr steht die NCR vor einem Auftragsboom und vor einem guten Jahr 1991. Von daher starren wir nicht wie das Kaninchen auf den 28. März, sondern konzentrieren uns auf den Markt und versuchen, unseren Kunden den besten Service zu geben. Das erscheint mir wichtiger, als auf das Shareholder-Meeting in den USA oder auf Herrn Tepper zu schauen.