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01.10.1993

Leipziger DV-Messe steht vor ungewisser Zukunft

Ist es nun DV-Muedigkeit oder Messegaehnen, was zur Zeit die Anwenderunternehmen gepackt hat. Nach der Hannoveraner CeBIT und vor der Muenchner Systems scheint das Gros der Kunden vom regionalen Messegeschehen fernzubleiben. Siehe die BIK ´93: Fuer die Hard- und Softwarepalette der 232 Aussteller interessierten sich nur rund 10 800 Besucher.

Ein eher mageres Resultat verzeichneten die BIK´93 und die gleichzeitig stattfindende Computergraphics nach fuenf Messetagen. Dabei hatte sich der Veranstalter, die Leipziger Messe GmbH, entschieden mehr Zulauf erhofft, als die dagewesenen 10 800 Besucher. Hoch zufrieden sei man allerdings mit dem Fachpublikumsanteil von 81,2 Prozent - den eigentlichen Nutzern - gewesen, meint Frank Hoffmann, Projektreferent von BIK und Computergraphics. Diese haetten auf der "Kontaktmesse" den Dialog zum Hersteller gesucht - und gefunden. Allerdings hatten einige Anbieter bereits im Vorfeld der Veranstaltung dafuer gesorgt, dass ihnen die Kunden in Leipzig nicht wegbleiben - allen voran die IBM.

Unter dem Motto "Wir sorgen fuer eine Loesung" verschickte der Konzern nicht nur rund 25 000 Mailings an moegliche Interessenten, sondern fuhr diese auch gleich mit gemieteten Bussen zur Messe. Um noch eins draufzusetzen, bekam der 1000ste Besucher und dann jeder 5000ste ein PS/1-System als Geschenk ueberreicht.

Fuer das Gelingen der Messe sei viel getan worden, beteuerte Horst Schultze-Wolters, Chef des IBM-Marketing-Zentrums. Das eher duerftige Messe-Ergebnis konnte ihn indes nicht ueberraschen. Leipzig sei nun einmal nicht die CeBIT. Die BIK-Beteiligung erfolgte in erster Linie, um der Stadt als Messezentrum unter die Arme zu greifen. Doch auch fuer Big Blue muss sich das Ganze rechnen. Unterstuetzung ohne Geschaeft, und das fuenf Tage lang, ist dem Marketing-Mann auf Dauer "zu aufwendig und zu teuer". Er hofft auf Besserung, sonst koenne man kuenftig nicht mehr kommen.

Mit dieser Meinung steht Schultze-Wolters nicht allein. Fuer Paul Rickmers, Prokurist der Software und Rechencentrum GmbH, Berlin (SRC), zeigte sich die BIK "schlimmer als im letzten Jahr". Von der Organisation, die viele Aussteller bemaengelten, bis hin zu den Besuchern sei "nichts losgewesen". Das Systemhaus will kuenftig sein gesamtes Messe-Engagement drosseln und den Schwerpunkt auf anwenderorientierte Regionalmessen setzen. Der Geschaeftsfuehrer der Dresden Informatik GmbH, Juergen Fraikin, urteilt noch haerter: Zwar haetten die Grossen der Branche in Leipzig "schoenes Kino" geboten - technisch gut gemacht.

Wie ein Jachthafen mit

zwei Schlachtschiffen

Gebracht haette es ihnen jedoch "nur Verluste" - von den kleineren DV-Firmen ganz zu schweigen. Das saechsische Unternehmen macht eigenen Angaben zufolge gute Geschaefte mit der Anpassung und Erweiterung von PPS-Software. In Leipzig hatte der Dienstleister damit jedoch weniger Glueck. Auch das Team des Desdner Software- und Systemhauses (SRS) kam sich auf dem Gelaende "wie auf einer Geistermesse" vor: Viele tote Hallen und nur wenige Menschen. Peter Hutzelmann, einer der drei SRS-Geschaeftsfuehrer, fuehlte sich auf der BIK wie in einem "Jachthafen mit zwei Schlachtschiffen, die sich verirrt haben".

Waehrend die SNI AG, die unter anderem die neue R/3-Version von SAP sowie einen schnellen Geldautomaten mit 486er Prozessor vorstellte, mit ihrem kompakten Standblock wie "ein Bollwerk" wirkte, versuchte Big Blue - ueber die Halle verstreut - die Messe- Show mit Aktion zu retten. Ein Konzept, das nicht aufgehen koenne, meint Hutzelmann. Dafuer stimme einfach der Kundenkreis nicht, die kleinen und mittelstaendische Firmen.

Bleibt zu fragen, wie das Ergebnis der "wichtigsten DV-Messe im Osten" ausgesehen haette, wenn die Branchenfuehrer SNI und IBM nicht angetreten waeren. Die Antwort liegt auf der Hand, und da beisst sich die Katze in den Schwanz: Eines Teils kommen die kleineren DV-Hersteller nur zu solchen Veranstaltungen, wenn auch die Grossen Flagge zeigen. Andererseits sind es gerade die kleinen und mittleren Software- und Systemanbieter aus den neuen Laendern, die passende Loesungen fuer Handwerker, Bauleute etc. anbieten koennen.

Wenn sich schon die einheimische DV-Szene auf der BIK verlassen vorkam, wie mussten sich da erst die Anbieter aus Osteuropa gefuehlt haben? Zusammengedraengt in einer Ecke fielen sie kaum auf. Dabei hatten die Firmen aus Lettland, der Tschechischen und Slowakischen Republik sowie aus der GUS interessante Loesungen parat. So die Firma Dialog Sience aus Moskau: Fuer runde 240 Mark praesentierte sie ein Anti-Virus-Paket fuer MS-DOS, das auch in einer deutschsprachigen Version angeboten wurde. Ueber 700 Viren soll die Software entdecken und entfernen koennen. Obwohl als "Highlight der Messe" angekuendigt, bluehte auch diese Messeblume eher im Verborgenen, ebenso wie die das Software House Riga: Die dringend gesuchten Partner blieben aus.

Leipzig glaenzte dieses Jahr also durch zwei leise Messen. BIK und Computergraphics muessen sich erst noch bewaehren. Auf dem riesigen Messegelaende eher bescheiden anmutend (13 000 Quadratmeter Bruttoausstellungsflaeche), war die Ausstellung auch innerhalb der Stadt kaum bekannt und erweckte nur geringes Interesse - auch die Stadtvaeter stellten keine Ausnahme dar.

Weder der Oberbuergermeister noch ein anderer Vertreter des Leipziger Rathauses bemuehte sich zur Eroeffnungsfeier - ein Lapsus, auf den die ausstellenden Unternehmen mit Unverstaendnis reagierten. Das wird hoffentlich im naechsten Jahr besser werden, glauben die Anbieter.

Eins ist aber jetzt schon sicher: Neben der BIK und der Computergraphics wird 1994 die Bugra, eine Fachmesse fuer das Druckgewerbe, stattfinden. Der saechsische Messeveranstalter hofft, damit auch an Desktop-Publishing-Anwendungen Interessierte nach Leipzig zu locken.

CW-Bericht, Monika Schalwat