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02.03.1984 - 

Marktführer geht vor dem Sierra-Announcement mit neuen Systemen an die Jumbo-Front:

Leistungsschub soll IBM-308X-Serie aufwerten

STUTTGART (ha) - Mit Systemerweiterungen sowie verbesserten und preislich reduzierten Upgrade-Möglichkeiten will die IBM Deutschland GmbH ihre Rechnerserie 308X attraktiver machen. In Stuttgart stellte der Marktführer jetzt sechs Prozessoren vor, die In der Architektur zwar mit den bisherigen H-Modellen identisch sind, jedoch durch Veränderungen des Schaltkreisdesigns und der Packungsdichte eine Mehrleistung von bis zu zehn Prozent erzielen sollen. In IBM-Kreisen gilt die Ankündigung als Vorstufe zu dem im Herbst erwarteten Sierra-Announcement.

Entgegen ihrer gewohnten Vorgehensweise, vor der Ankündigung einer neuen Rechnerserie die Preise für die "älteren" Modelle zu reduzieren, wartet IBM jetzt mit einer veränderten Vermarktungsstrategie auf. So sollen die bisher angebotenen H-Prozessoren fortan nicht mehr produziert, sondern ab sofort durch die am 24. Februar weltweit vorgestellten Systeme - die zur Unterscheidung mit den installierten 308X-Maschinen mit einem "X" gekennzeichnet sind - ersetzt werden. Mit Ausnahme bei der 3083EX bleiben die Kaufpreise auf dem bisherigen Niveau. Für den neuen Entry-Jumbo braucht der Benutzer jetzt nur fünf Prozent weniger zu zahlen.

Um ihren Großkunden einen zusätzlichen Anschaffungsanreiz zu geben, erhöhten die Stuttgarter für alle X-Rechner die interne Performance je nach Betriebssystem zwischen fünf und zehn Prozent. Außerdem wurden die Zentralspeicher für die 3081-Modelle auf 64 MB und für die 3084-Prozessoren auf 128 MB erhöht. Die Wartungsgebühren senkte der Marktführer um bis zu 30 Prozent.

Der Leistungsschub innerhalb der IBM-Produktpalette wird von Großrechnerspezialisten keineswegs als geniale Pioniertat, sondern vielmehr als eleganter Finanztrick gewertet. Während in der Vorankündigungsphase einer neuen Modellreihe bislang in der Regel die Maschinenpreise in den Keller gingen, machen die Stuttgarter heuer die Maschinen zwar leistungsmäßig attraktiver und bitten den Benutzer aber trotzdem zur Kasse.

Obgleich die Produktion der alten 308X-Rechner eingestellt wird, sollen neue Upgrade-Sätze kauffreudige Jumbo-User zu größeren Rechnerlösungen animieren. Für alle bereits installierten H-Maschinen bietet IBM deshalb drei Aufrüststufen mit Preisvorteilen von mehr als 15 Prozent an. Bereits eingesetzte 308X-Prozessoren lassen sich durch Überspringen eines Modells direkt von der 3083-E zur 3083-J, von der 3083-B zur 3081-K und von der 3081-G zu einer 3084-Q erweitern. Alle bereits angebotenen Modellerhöhungen für installierte H-Maschinen werden überdies im Preis um etwa zehn Prozent gesenkt. Mit dieser Upgrade-Politik unterstreicht IBM nach Ansicht von Marktbeobachtern ihre Absicht, Großrechnerbenutzer auf immer komplexere Systeme zu drücken.

Als Nachteil könnte sich für den Anwender indes erweisen, daß sich die bereits installierten 308X-Prozessoren nicht im Feld auf die neu angekündigten Modelle aufrüsten lassen, sagen Mainframe-Experten. Ein

H-User müsse dem Upgrade-Pfad innerhalb der bisherigen Produktpalette folgen und könne sich die leistungsstärkeren X-Systeme nur als "Zweitrechner" dazustellen.

Die mangelnde Verträglichkeit zwischen den installierten 308X-Anlagen und den neuen Maschinen ist laut IBM eine Folge der höheren Integration interner Prozessorkomponenten. Durch die Verbesserung des Ausnutzungsgrades der Schaltkreise in den TTL-Logik-Chips habe man die Anzahl der TCMs und TCM-Leiterplatten reduzieren können. Mit diesem Kniff wurde zudem die Zykluszeit der Rechner um etwa acht Prozent auf 24 Nanosekunden verkürzt.

Neben Hardwarenovitäten wartet IBM auch mit einem erweiterten Softwareangebot auf. Die Stuttgarter bieten jetzt neue Releases der Betriebssysteme MVS/XA und MVS/ 370 sowie einen XA-fähigen Cobol-Compiler an. Die mittlerweile dritte XA-Version innerhalb von zwölf Monaten bietet IBM-Angaben zufolge neben einem generellen Performance-Plus Verbesserungen bei der Abwicklung von Recovery-Situationen und unterstützt das Drucksystem 3800 Modell 3 im Rastermodus.

Mit "VS Cobol II" stellt der Marktführer nach eigenen Angaben den ersten Cobol-Compiler vor, der dem Benutzer den Umgang mit der 31-Bit-Architektur der 308X-Rechner erlaubt. Wie Hermann Bückle, Leiter des Systemvertriebs in Stuttgart, erläutert, wolle IBM mit der Ankündigung dieses Hilfsmittels die strategische Linie untermauern, Großrechnerbenutzer auf MVS/XA zu bringen. Gleichzeitig unterstreicht der IBM-Manager die Bedeutung von MVS/XA als "Betriebssystem der Zukunft".

Um Nicht-XA-Benutzern und größeren DOS/VSE-Anwendern den Wechsel auf die "Erweiterte Architektur" zu erleichtern, bieten die Stuttgarter denn auch eine Reihe neuer Migrationshilfen an: So wurde insbesondere das von dem US-Systemhaus University Computing Company (UCC) bislang erfolgreich vertriebene "UCC Two" - Programm in den IBM-Angebotskatalog aufgenommen. Das Utility-Produkt (Einmalgebühr 120000 Mark) erlaubt laut IBM die Ausführung von DOS/VSE-Anwendungsprogrammen unter MVS/XA und MVS/370 ohne Änderungen. Außerdem soll die Migrationshilfe "JCL Conversion Aid" (JCA) den DOS-Benutzer bei der Umstellung auf MVS unterstützen. Kostenlose Testzeiten runden das Angebot der IBM für Wechselkandidaten ab.

Die Bemühungen des Marktführers, auch größere 4300-Anwender in die Großrechnerwelt einzubetten, werten Marktanalysten als zusätzliches Indiz, daß die Auslieferung einer neuen Maschinengeneration kurz bevorstehe (siehe auch CW Nr. 5 vom 27. Januar 1984, Seite 1). Von einem baldigen Sierra-Announcement wollen die Stuttgarter freilich nichts wissen. Bekräftigt IBM-Manager Bückle: "Wir sehen in der Ankündigung der neuen Produkte eine Bekenntnis für die Vitalität der 308X-Serie."