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12.10.1984 - 

Finanz- und Rechnungswesen vom Zahlenfriedhof zum Management-Instrument:

Leiter FR poliert sein Image als Generalist auf

DÜSSELDORF (lo) - Den Leiter des Finanz- und Rechnungswesens (FR) fordert in zunehmendem Maß eine ständig wachsende Konfrontation mit der EDV. Dazu kommen eine permanente organisatorische Umgestaltung und die fortwährende unternehmensinterne Standortbestimmung, verbunden mit dauerndem Anpassungszwang. Das Profil dieses Profis in Internationalen Unternehmen will eine Studie der Heidrick and Struggles International Inc. in Düsseldorf zeichnen. Die Autoren konturieren anhand von Umfrageergebnissen Ausbildung, Erfahrung, Gehalt, aber auch die Perspektiven dieses Generalisten.

Die Auswertung von 220 Fragebogen ergab als typischen Durchschnitt ein international operierendes deutsches Unternehmen sowie die deutsche Tochtergesellschaft eines ausländischen Unternehmens im Bereich der verarbeitenden Industrie, mit einem jährlichen Umsatz von 500 Millionen Mark. Bei ihm sind etwa 200 Mitarbeiter beschäftigt, von denen rund 30 zum obersten Führungskader zählen.

Der Leiter Finanzen und Rechnungswesen als typische Führungspersönlichkeit dieser Erhebung hat ein Durchschnittsalter von 47 Jahren erreicht, besitzt ein Hochschuldiplom der Fachrichtung Wirtschaftswissenschaften und steht seit 21 Jahren im Berufsleben. Bisher war er in drei Unternehmen tätig, wechselte innerhalb der funktionalen Aufgabenbereiche zweimal und wurde einmal ins Ausland versetzt. Dem gegenwärtigen Unternehmen gehört er seit zwölf Jahren an. Er erhält ein Jahresgehalt von rund 180 000 Mark und geht wöchentlich 52 Stunden seiner beruflichen Tätigkeit nach.

Mit 55,6 Prozent verfügt die Mehrzahl der Führungskräfte im Bereich FR, so die detaillierten Zahlen der Befragung, über ein abgeschlossenes Hochschulstudium, wobei etwa ein Drittel der Befragten promovierten. Der Studienschwerpunkt liegt mit 87,4 Prozent eindeutig im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, wovon 78 Prozent auf Betriebswirtschaftslehre entfallen. Keine abgeschlossene akademische Vorbildung besitzen 21,4 Prozent. Sie besuchten zusätzliche Ausbildungsgänge auf Verwaltungs-, Wirtschafts- und Controllerakademien, Finanz- und Refa-Schulen sowie Fachseminare.

Die Gebieter über Groß- und Kleingeld sind auf der obersten Managementebene eines Unternehmens angesiedelt, wobei gut über die Hälfte dem Vorstand angehören.

Informationsverhalten

Das durchschnittliche Jahresbruttogehalt der Befragten liegt bei 180 000 Mark. Nur 5,7 Prozent beziffern ihr Einkommen auf über 400 000 Mark per anno. Lediglich knapp ein Zehntel liegen unter der 100 000-Mark-Grenze. Neben dem gezahlten Entgeld werden unterschiedliche zusätzliche Vergütungen gewährt. Darüber hinaus gelten finanzielle Vereinbarungen über Versicherungen, Gratifikationen sowie die Bereitstellung eines Dienstwagens für 80 Prozent.

Die durchschnittliche Arbeitszeit von 59,3 Prozent der Finanzbosse liegt bei 52 Stunden pro Woche. In der elektrotechnischen und elektronischen Industrie - 35 Prozent der Befragten - bewegt sich die Stundenzahl pro Woche zwischen 60 und 70 Stunden.

Deckungsgleichheit von Aufgabe, Verantwortung und fachlicher sowie menschlicher Kompetenz bezeichnen 95 Prozent als vorhanden. Mangelnde Deckungsgleichheit mit den Funktionsinhalten bestehen lediglich für ein Zwanzigstel in geringer Verantwortungsbreite. Dazu gehört die Überforderung in teils fachlicher, teils menschlicher Zuständigkeit.

Die Möglichkeit, innerhalb des derzeitigen Unternehmens noch zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, wird von 65,8 Prozent der Befragten ausgeschlossen, als erstrebenswert gelten für rund ein Drittel eine mittelfristige Weiterentwicklung in Geschäftsführungs- und Vorstandsebenen.

Arbeitsplatzsicherheit gilt für 80,3 Prozent der FR-Lenker - primär längerfristig tätige und bereits profilierte Mitarbeiter - als gegeben. Die Möglichkeit zu einem privaten "risk management" wird in positiver Hinsicht durch den intensiven Kontakt für berufsbedingte Informationen zu Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Personalberatern sowie der Konkurrenz genutzt.

Erstaunlicherweise erstreckt sich nur bei 14,5 Prozent der Befragten die Zuständigkeitsbreite auch über die Datenverarbeitung. "Klassische" Ressorts wie Finanzbuchhaltung, Bilanzierung oder Budgetplanung und -kontrolle dagegen fallen bei 79 Prozent der Leiter FR in den Verantwortungsbereich.

Permanente Fortbildung scheint für die Stelleninhaber des FR-Funktionsbereiches von hoher Wichtigkeit zu sein. Interne Ausbildungsmöglichkeiten nutzten 8,3 Prozent, an externen Schulungen nahmen 91,7 Prozent teil. Da durch den verstärkten Einsatz der Datenverarbeitung neue Möglichkeiten der Datenspeicherung und -verarbeitung gegeben sind, wurden vorzugsweise Weiterbildungsseminare wie EDV-Management, Cash-Management, Management Development sowie Arbeits- und Steuerrecht besucht.

Laut Studie muß der Kopf des FR für eine erfolgreiche Aufgabenerfüllung einwandfreie Fachkenntnisse in der Rangfolge besitzen: internes Rechnungs- und Bilanzwesen, Finanzierung und Steuerrecht. Erst an fünfter Stelle folgen EDV-Techniken, an vorletzter Operations-Research und Technik allgemein. Dies erstaunt um so mehr, als die bisherige Nutzungsdauer der EDV im Unternehmen im Sinn einer selbständigen Abteilung 17,7 Prozent der Befragten mit bis zu 15 Jahren und über die Hälfte bis zu 20 Jahren angeben.

Um die Aussagefähigkeit des Informationssystems zu verbessern und eine zeit- und kostengünstigere Aufgabenentwicklung zu erreichen, werden EDV-Hard- und Softwareprodukte allmählich verstärkt genutzt. So stehen im FR-Funktionsbereich dialogfähige DV-Programme und DV-unterstützte Planungsmodelle im Einsatz. Das Potential an Kreativität, Selbständigkeit und Sachverstand in vollem Umfang zu nutzen, versprechen sich FR-Leiter ferner durch den Einsatz von Betriebsdatenerfassungs-, Textverarbeitungs- und Datenfernübertragungssystemen. Ziel für das FR-Wesen dabei soll sein, unternehmensintern einen problemloseren Informations- und Datenträgeraustausch sowohl national als auch international sicherzustellen.

Tendenzen

Die Aufgaben des Controlling im Rahmen der betrieblichen Informationswirtschaft werden in 75,8 Prozent der befragten Unternehmen vom Leiter FR wahrgenommen. Bei einem Fünftel der befragten Gesellschaften besteht Controlling als Stabsstelle der Führungsspitze. Nur 0,9 Prozent der FR-Oberhäupter fürchten negative Auswirkungen der Controller-Aktivitäten auf ihr Ressort, ein Großteil schätzt das "Frühwarnsystem" für eine Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen.

Fast alle Leiter des Finanz- und Rechnungswesens konstatieren eine Veränderung ihrer unternehmensinternen Funktion in jüngster Zeit. Die Untersuchungszahl liegt bei 78,2 Prozent. Verbessertes Image und größere Akzeptanz sowie steigende Aufgabenkomplexität erhöhen das strategische Gewicht ihrer Position. Der FR-Chef zeigt nicht mehr die Kontur eines einseitig auf Zahlen fixierten Spezialisten, sondern das Profil eines Generalisten mit Einfluß auf angrenzende Funktionsbereiche.