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23.09.1994

Lemminge im Laufrad

Dieter Eckbauer

Nicht alles, was die CW an Leserpost erhaelt, wird auch abgedruckt: Einiges, vor allem von Anbietern, enthaelt zuviel PR und Eigenlob; manches zielt unter die Guertellinie, indem etwa Dritte angegriffen werden. Diese gilt es zu schuetzen - bei Kritik an der CW selbst sind wir weniger empfindlich. Beide Gruende gegen eine Veroeffentlichung treffen auf die Aeusserung von Hagen Cyrus, Cyrus + Roelke mbH, nicht zu: "Ich finde es wirklich nett (im positiven Sinne), was die CW fuer den Bekanntheitsgrad des Triton-Anbieters Baan tut. Der Einfluss auf das Kaufverhalten der Anwender duerfte gering bleiben. Dieses wird viel staerker von unabhaengigen Consultants beeinflusst, die ihrem Auftraggeber letztendlich doch SAP empfehlen, was seiner eigentlichen Erwartungshaltung entspricht. So schliesst sich der Kreis."

Dass Cyrus' Kommentar als Kundenbeschimpfung aufgefasst werden kann, wird billigend in Kauf genommen. Warum wollen die Anwender denn SAP? Wegen der Funktionalitaet und Klarheit der Produkte, deren Qualitaet sie beurteilen koennen? Das glauben die SAP-Berater doch selbst nicht. Dieses Phaenomen ist im Zusammenhang mit einer anderen Drei-Buchstaben-Company ausfuehrlich beschrieben worden. Ein Kompliment fuer die Kunden kann daraus nicht abgeleitet werden. Und "unabhaengige" Consultants: dass wir nicht lachen!

Das Gegenteil ist gemeint. Cyrus spricht ein fuer die Branche typisches Paradox an: Einerseits bekunden die Anwender, wenn sie danach gefragt werden, dass sie sich moeglichst viele Auswahloptionen offenhalten wollen. Dieser aus der Sicht eines integren Einkaeufers wuenschenswerte Zustand kann indes nur erreicht werden, wenn sich jeder einzelne Hersteller an Industrienormen haelt, die in den meisten Faellen von Konkurrenten als De-facto- Standards am Markt durchgesetzt wurden. Das macht andererseits die "Owner" der praegenden Standards interessant fuer potentielle Anwender, die den aus der "Urheberschaft" resultierenden Technologievorsprung nutzen wollen. Die Optionen sind fuer die Katz.

Ein anschauliches Beispiel dafuer entnehmen wir der amerikanischen CW-Schwesterzeitschrift "Network World": Da zeigen sich gerade diejenigen Anwender ueber Microsofts Einfluss auf Desktop- und Netzwerkstandards besorgt, die sich bei ihrem Kaufverhalten eindeutig von Marktfuehrer-Ueberlegungen leiten lassen und dadurch die Gates-Company erst stark machen. Auch hier spielen "neutrale" Third-party-Unternehmen eine wichtige Rolle. Lemminge halten das Laufrad "Lieferantenabhaengigkeit" in Schwung. Das war bei IBM so, das ist bei SAP nicht anders, davon wird Microsoft etwa bei NT profitieren (Seite 1), moegen die Kunden auch einige Krokodilstraenen vergiessen.

Der Kreis schliesst sich, wird fuer die Big Player ab einem bestimmten Zeitpunkt jedoch zur Wuergeschlinge: Nur Kunden, die sich noch bewegen koennen, sind ergiebige Kunden. Traurig, dass Quasi-Monopole auch immer das Ersticken der Anwendungen zur Folge haben. Komplexitaet siegt, Komplexitaet verliert am Ende.