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03.05.2005

Lenovo vollzieht Kauf der PC-Sparte von IBM

Mit der Übernahme werden die Chinesen zum drittgrößten PC-Anbieter der Welt.

Rund 85 Prozent aller PC-Mitarbeiter der IBM gehen in Deutschland nach den Worten von Marc Fischer, dem Geschäftsführer der Lenovo Deutschland GmbH, "nahtlos" in die neue Firma über. "In Summe bin ich sehr zufrieden über die Fusion. Die Fluktuationsrate der Mitarbeiter ist extrem niedrig."

In Deutschland arbeiten damit rund 120 Mitarbeiter bei der Lenovo GmbH. Weltweit umfasst das Unternehmen etwa 19 000 Beschäftigte, rund 10 000 davon stammen aus der ehemaligen IBM-PC-Division.

Vierfacher Umsatz

Im dritten Quartal werden auch die betreffenden Mitarbeiter in Österreich und der Schweiz in den Lenovo-Konzern übergehen. Lenovo weltweit wird mit der Fusion den Umsatz von drei auf rund 13 Milliarden Dollar mehr als vervierfachen und damit hinter Dell und Hewlett-Packard zur Nummer drei der PC-Anbieter aufrücken. Man sei sehr gut aufgestellt, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, sagte Fischer.

Lenovo hat IBM für deren PC-Sparte 1,25 Milliarden Dollar gezahlt. 650 Millionen Dollar davon stammen aus Barmitteln, zudem wechselten Lenovo-Aktien im Gesamtwert von 600 Millionen Dollar den Besitzer. IBM hält damit 18,9 Prozent an dem chinesischen Unternehmen. Dieses wird zudem rund 500 Millionen Dollar an Verbindlichkeiten der IBM übernehmen. Big Blue wird in seinem Geschäftsergebnis für das zweite Quartal 2005 aus der Fusion einen Vorsteuergewinn von einer Milliarde Dollar verbuchen.

Spannend dürfte die Frage werden, wie es Lenovo schafft, das Image der IBM auf sich selbst zu übertragen. Fischer bestätigte, dass der neue Konzern "noch erheblich arbeiten müsse, um das Markenbewusstsein zu halten". Man werde deshalb von Lenovo "in den kommenden Monaten zunächst einmal nicht viel hören".

China ruft

Fischer verglich den IBM-Lenovo-Deal mit der Fusion von Hewlett-Packard (HP) mit Compaq. Der Merger zwischen den US-Amerikanern und den Chinesen sei allerdings mit günstigeren Vorzeichen versehen. Nicht nur gebe es viel weniger Produktüberschneidungen, auch die Entwicklungsmannschaften, die weltweit lokalisiert sind, seien besser positioniert. Außerdem weise das neue Lenovo-Unternehmen bereits eine hohe Kosteneffizienz auf.

Fischer betonte zudem die gute Position des Unternehmens bezüglich des Zugangs zum chinesischen Markt. Dieser werde à la longue zum geografisch größten PC-Markt der Welt wachsen und damit die USA ablösen. Eine Zahl zeigt, wie gut das neue Unternehmen etwa im Vergleich zu den Konkurrenten Dell oder HP in China aufgestellt ist: Lenovo verfügt in China über rund 4 400 PC-Läden und damit eine starke Vertriebsstruktur.

Lenovos Headquarter befindet sich in Purchase, New York. Hauptniederlassungen richtete der Konzern in Peking und im US-amerikanischen Raleigh, North Carolina, ein. Forschungs- und Entwicklungszentren sind in Peking, Shenzhen, Xiamen, Chengdu und Shanghai sowie in Tokio und Raleigh angesiedelt. Die Entwicklungskompetenz und -ressourcen von Big Blue gehen dabei nach Aussagen von Fischer "eins zu eins in die Lenovo über".

Produktions- und Fertigungsstätten befinden sich in Shenzhen, Huiyang, Peking und Shanghai. Außerdem wird Lenovo Produktions- und Distributionszentren in den USA, Mexiko, Brasilien, Schottland, Ungarn, Indien, Malaysia, Japan und Australien einrichten. (jm)