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27.10.2000 - 

Online-Learning: Unternehmen rechnen mit großen Einsparungen

Lernen am Arbeitsplatz - auch in der Freizeit

Mit den neuen Technologien wird die Halbwertzeit des Wissens immer kürzer, während der Leistungsdruck steigt. Durch Online-Learning soll die Weiterbildung an den Arbeitsplatz verlagert und kostengünstiger werden. Das Manko: Diese Rechnung geht nur auf, wenn die Mitarbeiter einen Teil ihrer Freizeit dafür opfern. Von Dagmar Sobull*

"In Zukunft wird sich vor allem das virtuelle, selbstgesteuerte Lernen per Multimedia durchsetzen, netzbasierte Lernarrangements, in denen Bild, Text und Ton zum Einsatz kommen", prophezeit Hans Mandl, Professor für pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der sich seit Jahren mit neuen Lernkonzepten beschäftigt. Mit herkömmlichen Lehrmethoden jedenfalls seien die gestiegenen Anforderungen an die ständige Runderneuerung von Wissensbeständen im Job gar nicht mehr zu bewältigen.

Bisher stehen herkömmliche Formen der Wissensvermittlung zwar noch im Vordergrund. Aber die neuen Medien seien auf dem Vormarsch, bestätigt Christiane Flüter-Hoffmann vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Etwa 20 Prozent der innerbetrieblichen Weiterbildung erfolge schon heute über Internet und Intranet, Tendenz steigend. Kein Wunder, angesichts der enormen Kosten für die innerbetriebliche Wissensvermitlung: Rund 34 Milliarden Mark gaben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter aus, etwa 2207 Mark pro Kopf, so ein Ergebnis der aktuellen Weiterbildungsstudie des IW. Lehrgangsgebühren, Honorare und Reisekosten schlugen mit 47 Prozent der Kosten zu Buche. Der größere Teil ging für die Lohnfortzahlungen während des Seminarbesuchs drauf.

Die Online-Weiterbildung hat für die Unternehmen den entscheidenden Vorteil, dass Vorgesetzte nicht mehr in dem Maße auf die Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter verzichten müssen, wenn diese am gewohnten Schreibtisch lernen.

"Allein die ständig notwendige Anpassung der DV-Kenntnisse unserer Mitarbeiter an neue Programme, die in immer kürzeren Zeitabständen im Konzern zum Einsatz kommen, verschlingt Unsummen", klagt Lothar Peter, Leiter der Abteilung Multimedia-Strategie,-Lerntechnologie und -Projekte bei der Volkswagen Coaching GmbH in Wolfsburg: "Herkömmliche DV-Trainings in Form von Präsenzveranstaltungen kosten pro Mitarbeiter und Tag im Durchschnitt 350 Mark. In Großunternehmen kommen da schnell mehrstellige Millionenbeträge zusammen."

Für den Bildungs-Manager gibt es deshalb kaum eine Alternative zum konzernweiten Einsatz von PC-gestützten Selbstlernsystemen: "Vergleichbare Schulungen mit geeigneten PC-Programmen kosten nur knapp die Hälfte."

Im Mai 1999 startete die Volkswagen AG zunächst am Standort Wolfsburg das Online-Projekt "Lernen in Netzen"(Line). Die hauseigene Online-Plattform enthält zurzeit 25 Intranet-basierte Weiterbildungskurse für den IT-Bereich, die Logistik sowie Online-Sprachkurse in Englisch und Spanisch. Begleitend haben die Nutzer die Möglichkeit, sich täglich von acht bis 18 Uhr via Teletutoring Rat und Unterstützung zu holen.

Geringes Interesse der MitarbeiterVon den rund 15000 Angestellten in Wolfsburg, die über einen Intranet-Zugang und somit über die technischen Voraussetzungen für den "Highway zur Bildung" verfügen, hätten bisher allerdings erst etwa 500 das Angebot genutzt, räumt Peter ein. Ursachen für das spärliche Interesse sieht Peters zum einen in der zeitlichen Belastung beim Online-Learning. Angesichts der Vier-Tage-Woche bei VW bleibe für das Lernen am PC während der Arbeitszeit kaum Zeit. Eine weitere Hürde beim Online-Learning sei der fehlende Incentive-Charakter, vermutet der Bildungs-Manager: "Mit der Verlagerung des Lernens an den Arbeitsplatz nehmen wir den Mitarbeitern ja auch die Möglichkeit, mal aus dem Arbeitsalltag herauszukommen und mit anderen Teilnehmern abends bei einem Glas Rotwein zusammenzusitzen."

Die Vorgesetzten hingegen hätten die Vorteile der neuen Lernformen, die geringeren Ausfallzeiten und die erheblich niedrigeren Kosten, ziemlich schnell erkannt, berichtet Peters. Allerdings täten sich viele Chefs noch schwer zu akzeptieren, dass sich Mitarbeiter während der Arbeitszeit an den PC setzten, um ihre Lernprogramme zu bearbeiten. "Der Beschäftigung mit dem Computer haftet vielfach noch zu sehr der Ruf des Spielerischen an. Es wird eher erwartet, dass sich die Nutzer von Selbstlernprogrammen nach Dienstschluss weiterbilden."

Wie effektiv die multimediale Weiterbildung am PC ist, hänge stark von der Gestaltung ab, betont Mandl. Voraussetzung für den Erfolg seien in jedem Fall Lernprogramme, die authentische Situationen und nachvollziehbare Probleme darstellen. Langweilig gestaltete Textseiten auf dem Bildschirm seien kaum geeignet, die Lernenden zu motivieren, ihr Vorwissen und ihre Fähigkeiten zu Selbststeuerung und Kommunikation einzubringen. Außerdem sollten virtuelle Lernprogramme den sozialen Austausch fördern. Auf einen "Mix aus allen verfügbaren Ressourcen" setzt auch die 1996 gegründete Geschäftseinheit Siemens Qualifizierung und Training (SQT). "Hybrid Learning" heißt die Kombination aus Distance-, Projekt- und Workshop-Learning, an der pro Jahr rund 100000 Mitarbeiter aus dem Siemens-Konzern teilnehmen. Welche Methode zum Einsatz kommt, hängt von der didaktischen Fragestellung ab. Dazu Kai-Holger Liebert, Leiter der Serviceline Electronic Learning Applications and Solutions bei SQT: "Wie eine hochkomplexe Maschine funktioniert, lässt sich am besten mit einer Videoanimation vermitteln. Zur Vorbereitung auf eine Projektaufgabe hingegen ist ein WBT-Programm die kostengünstigste und effektivste Methode, um alle Teilnehmer auf dasselbe Ausgangsniveau zu bringen. Die Präsenzveranstaltungen werden viel wertvoller, weil sie kürzer sind und gezielter eingesetzt werden."

Das zwölfmonatige "Management Learning" bei SQT sieht auch vor, eine Fallstudie in international zusammengesetzten virtuellen Teams zu bearbeiten. Parallel zu den anderen Trainingsinhalten und ihren regelmäßigen Aufgaben im Unternehmen müssen die Teilnehmer drei bis vier Monate lang an einem realen Geschäftsprojekt arbeiten, das möglichst nicht aus dem eigenen Bereich stammen sollte. Ein wesentlicher Aspekt laut Liebert ist, dass alle voneinander lernen und über die einzelnen Geschäftsbereiche hinaus Netzwerke bilden: "Gerade die Kombination aus Wissenserwerb, Networking und Arbeiten am und im Business ist besonders effektiv." Ganz problemlos lasse sich das Konzept aber nicht immer umsetzen, räumt der Siemens-Manager ein, der kürzlich selbst an einem Trainingsprogramm für Führungskräfte teilgenommen hat: "Das größte Problem ist es, die Zeit für das Selbstlernen aufzubringen: Mehr als fünf bis sechs Stunden pro Woche sind einfach nicht zu schaffen, und das auch nur über einen befristeten Zeitraum."

Nicht nur Großunternehmen mit Tausenden von Mitarbeitern und einem entsprechenden Schulungsbedarf setzen zunehmend auf Online-Learning. Auch private und staatliche Hochschulen bieten mittlerweile mehr als 1000 virtuelle Fortbildungen im Netz an. Vorreiter beim Studium per Internet ist die Fernuni Hagen. Bereits Ende 1997 startete dort das erste umfassende Konzept einer virtuellen Universität im regulären Studienbetrieb. Rund 14000 Studierende beteiligen sich mittlerweile daran. Der virtuelle Campus soll im Endausbau alles bieten, was zum Uni-Leben dazugehört: Eine Cafeteria mit Chat-Ecken und schwarzen Brettern, eine Bibliothek, Zugang zu allen Bereichen der Verwaltung sowie Vorlesungen und Seminare mit umfassenden Kommunikations-möglichkeiten. Der rege Austausch und enge Kontakt zwischen den Studierenden trage wesentlich zum Erfolg virtueller Lernformen bei, sagt Birgit Feldmann vom Projekt Virtuelle Universität. Die Abbrecherrate bei den Online-Studierenden sei wesentlich geringer als beim herkömmlichen Fernstudium per Post: "Während bisher rund 15 Prozent eine Seminarteilnahme abgebrochen haben, sind es bei den Online-Studierenden höchstens fünf Prozent."

Allerdings sei das virtuelle Studium nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als Weiterentwicklung des klassischen Fernstudiums per Post gedacht. Auch die Online-Studierenden erhalten noch regelmäßig ihre Materialien per Post. Das virtuelle Angebot sei in jenen Bereichen sinnvoll, die als Ergänzung zum Lernen im stillen Kämmerlein entscheidende Vorteile bringen: Gruppenarbeiten, Praktika, Simulationen und Übungsmöglichkeiten. Besonders wichtig sei zudem der persönliche Kontakt der Studierenden untereinander und zu den Betreuern. Ein zu 100 Prozent virtuelles Studium ohne Präsenzveranstaltungen werde es jedenfalls auch in Zukunft nicht geben, versichert Feldmann.

Die Teleakademie Furtwangen bietet in diesem Herbst erstmals ein "Virtual Business Training" an, bei dem "Action Learning" im Mittelpunkt steht. Der auf vier Monate angelegte Kurs richtet sich an künftige Manager sowie Fachleute in kaufmännischen und technischen Bereichen, die sich für Führungsaufgaben qualifizieren wollen. Alle Teilnehmer werden Mitglied in einer Lerngruppe, die ein virtuelles Unternehmen führen und dessen strategische Ausrichtung festlegen muss. Unterstützung dabei erhält das Team von einem Teletutor. In jeder Spielperiode treffen die Teammitglieder taktische und strategische Entscheidungen. Ziel der Unternehmenssimulationen ist es, komplexe betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu erleben und zu verstehen. Nebenbei sollen die Teilnehmer zudem lernen, wie Entscheidungsprozesse in Organisationen durch den Einsatz neuer Medien sinnvoll unterstützt werden können.

Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen noch einige Lücken: "Die bisherigen virtuellen Lernarrangements sind oft noch technisch anfällig und häufig nicht mit der zu Hause vorhandenen PC-Ausstattung kompatibel", beobachtet Mandl. Nicht ohne Grund weist deshalb die Teleakademie Furtwangen in ihren Information für das Virtual Business Training darauf hin, dass die multimedialen Elemente und Skripte auf verschiedenen Technologien basieren können, die nicht jeder Nutzer problemlos zu lesen vermöge. "Im Extremfall kann ein Provider-Wechsel notwendig werden".

Auch der Aufwand für eine Echtzeitkommunikation mit dem Teleteacher sei noch sehr hoch, räumt Mandl ein: "Da körpersprachliche und optische Signale bei der rein schriftlichen Kommunikation über das Netz fehlen, müssen viel mehr Dinge beschrieben werden, die sich von Angesicht zu Angesicht von selbst erklären würden." Die Schaltung von Videokonferenzen könne dieses Manko bisher noch nicht völlig ausgleichen, weil die Technik dafür noch nicht ausgereift, die übertragenen Bilder fast immer viel zu klein und oft zeitverzögert seien. "Weltweit agierende Großunternehmen mögen dazu zwar in der Lage sein, aber mit ihrem privaten Equipment sind die wenigsten PC-Nutzer entsprechend ausgerüstet."

*Dagmar Sobull ist freie Journalistin in Hemmingen bei Hannover.

Virtuelle StudienangeboteDas Online-Informationssystem www.studieren-im-netz.de enthält derzeit mehr als 1000 Angebote zu Studienmöglichkeiten mit der Maus. Der direkte Weg führt über die Homepages der einzelnen Anbieter. Die besten Angebote finden Sie unter folgenden Adressen:

-www.fernuni-hagen.de

Informatik, Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften, Sozial-, Erziehungs- und Geisteswissenschaften;

-www.im-c.de

Business Engineer mit IHK-Zertifikat;

-www.winfoline.de

Wirtschaftsinformatik;

-www.tele-ak.fh-furtwangen.de/default2.htm

Multimedia, Informatik, Elektronik;

-www.global-learning.de

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