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02.03.2001 - 

Kolumne

Lernen im Akkord

Christoph Witte, Chefredakteur CW

Niemand lernt mehr fürs Leben, sondern höchstens noch für die nächsten zwei, drei Jahre. Die Halbwertszeit von Wissen wird in unserer hoch technisierten Welt immer kürzer. Das gilt insbesondere im IT-Umfeld, in dem es für Profis wie für Anwender ständig darum geht, den Umgang mit neuen Sprachen, Werkzeugen oder Applikationen zu erlernen. Von der steilen Lernkurve zeugen die Vielzahl der Weiterbildungsinstitute und die Zertifizierungsangebote von Herstellern wie Microsoft oder Cicso. Außerdem belegen unzählige elektronische Studierhilfen, die je nach Internet-Nutzung entweder als Computer-based Training oder Online-Learning bezeichnet werden, den Zwang zum ständigen Lernen.

Während der Spruch vom "lebenslangen Lernen" aus Politikermund noch relativ harmlos bis unreflektiert klingt, hat er als Arbeitgeberaussage etwas durchaus Bedrohliches: Bis vor einigen Jahren erlernten die Leute ihren Beruf, studierten und arbeiteten sich - wenn sie eine Stelle gefunden hatten - in ihre jeweiligen Jobs ein. Natürlich gab es Veränderungen, neue Produkte oder Vertriebswege oder auch neue Abrechnungssysteme. Aber die Häufigkeit des Wandels blieb überschaubar. Heute ist das anders. Unternehmen, so die Forderung von Management-Gurus und Beratern, müssten sich ständig neu erfinden, ihre Prozesse und Abläufe, ja den Geschäftszweck selbst immer wieder in Frage stellen, um auf Dauer erfolgreich zu sein.

Nun wird natürlich nichts so heiß gegessen, wie es die Berater kochen, aber Fakt bleibt, dass Unternehmen von ihren Mitarbeitern eine immer höhere Bereitschaft zur Weiterbildung erwarten. Daran ist als solches nichts auszusetzen, steigert es doch auch den Marktwert des Beschäftigten. Kritisch wird es allerdings dann, wenn die Leute das Lernen zusätzlich am Arbeitsplatz oder in ihrer Freizeit erledigen sollen, ohne dafür von ihrer normalen Arbeit entlastet zu werden. Weil aber genau das mit Online-Learning erreichbar scheint, üben diese Angebote eine große Faszination auf viele Unternehmen aus: endlich weniger Schulungsaufgaben, keine Mitarbeiter mehr, die in irgendwelchen Seminaren hocken. Alles läuft online. Selbst wenn es dafür notwendig ist, jeden Mitarbeiter mit einem Privat-PC auszustatten, wäre das noch preiswert.

Doch die Rechnung wird nicht aufgehen. Bei der im IT-Umfeld ohnehin schon hohen Arbeitsverdichtung, wo Projekte so geplant werden, dass kein Raum für kranke oder urlaubende Mitarbeiter bleibt, könnte sich die Forderung nach Weiterbildung in der Freizeit als der Tropfen herausstellen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Nicht ausgeschlossen, dass dann noch weniger Jugendliche eine IT-Ausbildung oder ein Informatikstudium anstreben werden.