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01.06.2001 - 

E-Learning/Web-based Training steht für völlig neue Geschäftsprozesse

Lernen via Maus auf dem Vormarsch

Noch vor wenigen Jahren galt E-Learning als technische Spielerei. Heute ist es dabei, sich zu etablieren, und morgen wird es den gesamten Bildungsmarkt umkrempeln. Für die Unternehmen ermöglichen die Online-Angebote völlig neue Bereiche - für sich und ihre Kunden. Von Gabriele Müller*

Kreidetafel und Informationstechnologie: Zwischen diesen beiden Polen wird sich das Lernen im dritten Jahrtausend bewegen - oder beides integrieren. Gerade haben Informatiker der Freien Universität Berlin die "E-Kreide" entwickelt. Damit soll die Tafel nicht nur im herkömmlichen Sinn benutzt werden, sondern es lassen sich während eines Vortrages auch Bilder und interaktive Java-Programme aus dem Internet in das Tafelbild einfügen. Ein Szenario, das kennzeichnend ist für den derzeit stattfindenden Umbruch in allen Bereichen der Bildung.

Mit der akademischen Lehre hat es angefangen. Dann kamen schnell vor allem große Unternehmen dazu, welche die Vorteile von computergestütztem Lernen erkannten. Gerade macht sich der Mittelstand auf den Weg ins digitale Lernzeitalter. Und in den Schulen ist der Computer schon längst normaler Bestandteil des Unterrichts. Nichts und niemand, so scheint es, kommt am elektronischen Lernen noch vorbei. Andrea Back, Direktorin des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität Sankt Gallen, prognostiziert: "E-Learning wird das betriebliche, akademische und private Lernen ebenso wie die Bildungsindustrie grundlegend verändern."

Die Forscherin, die sich mit Führungsinformationssystemen und Wissens-Management beschäftigt, erwartet "Transformationsprozesse, die dem Wandel durch E-Commerce im B-to-B- und B-to-C-Bereich in nichts nachstehen". Vom Manager eines Automobilkonzerns bis zum Versicherungs-Azubi, vom Börsianer bis zum Studenten der Wirtschaftswissenschaften, von der Sekretärin bis zum IT-Fachmann - alle lernen per Klick. Kein Wunder: Wie bei der ersten Welle des Handels im Web überschlagen sich die Marktforscher mit hoffnungsvollen Prognosen zu künftigen Entwicklungen. Allein 34 Milliarden Dollar Umsatz für das elektronische Lernen im Jahr 2004 hat IDC für den deutschen Markt ausgerechnet.

Ob sich solche Blütenträume verwirklichen lassen, wird sicher erst in Zukunft erweisen. Fest steht, dass immer mehr Anbieter mit immer neuen Plattformen und Lernwerkzeugen neue Kunden und Erfolgsmeldungen präsentieren. Das elektronische Lernen kommt auch in Deutschland - zwar langsam, aber dafür gewaltig. Und jetzt hat es sogar Einzug in den Bereich staatlich geförderter Bildung gehalten. Auch wenn der Weg durch die Amtsstuben manchmal lang und beschwerlich ist: Wer frühzeitig Kompetenz beim elektronischen Lernen beweist, dürfte hier die Nase im harten Wettbewerb weit vorne haben.

Berufseinsteiger testen E-Learning-SoftwareEin Beispiel dafür ist die H.U.T. GmbH in Hildesheim, die in enger Zusammenarbeit mit der dortigen Universität E-Learning-Software entwickelt und vertreibt. Diese Produkte testen derzeit rund 20 Frauen auf dem Weg zurück ins Berufsleben: in einem Projekt, das die Deutsche Angestellten Akademie (DAA) und die Gesellschaft für berufliche Bildung Hannover (FAA) gemeinsam durchführen. Dass die Nutznießer dieser erstmalig vom örtlichen Arbeitsamt und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Maßnahme nicht etwa die händeringend gesuchten IT-Spezialisten sind, sondern Frauen in einer beruflichen Neuorientierung, hat, so Norbert Jahnel, Standortleiter der DAA in Hildesheim, ganz praktische Gründe. "Um die Fördermittel zu erhalten, mussten es ein besonders schwieriger Personenkreis und eine innovative Technologie sein, die hier zum Einsatz kommt", schildert er den Hintergrund des Vorhabens.

Tatsächlich haben die Teilnehmerinnen nicht nur extrem unterschiedliche Berufs- und Bildungsvoraussetzungen, sie verfügen in aller Regel auch über keinerlei Erfahrung im Umgang mit dem PC. Die virtuellen Lernphasen werden im gesamten Lehrgang bis zu 300 Unterrichtstunden ausmachen. "Ein Experiment, das bislang sehr gut gelingt", urteilt Jahnel. Mit Laptop ausgestattet erarbeiten die Frauen von zu Hause aus Inhalte, bilden Lerngruppen, stellen sich individuell Themen zusammen, greifen auf ihren Ausbildungsplan zu oder tauschen sich in Online-Foren aus.

Dass der Einsatz des Lernens mit dem Web hier funktioniert, führt Jahnel auch auf folgenden Umstand zurück: Vor allem Informationsbeschaffung und Recherche, Übung und Wiederholung funktionieren schneller und leichter. "Damit kann E-Learning eine gute Vorbereitung auf neue Arbeits- und Beschäftigungsformen wie die Telearbeit sein", beschreibt er die Zukunftsaussichten des Lernens am Computer. Berufsrückkehrerinnen in Hildesheim - Banker in Frankfurt - auch sie pauken im Web, auch sie nutzen Software von H.U.T. Allerdings geht es hier um Business Englisch. Zwei Welten - ein Lernen? Ein Beweis dafür, dass sich das E-Learning aus der Aus- und Weiterbildung nicht mehr wegdenken lässt?

Davon ist jedenfalls Reiko Marx, Managing Director von H.U.T., fest überzeugt. "Zur Zeit entsteht eine neue Lernphilosophie und -kultur. Dadurch wird der Arbeitsplatz immer mehr als Lernplatz begriffen."

Doch auch abseits der Berufswelt hält das mulimediale Lernen schon längst Einzug. Einen persönlichen Trainer bietet die Investment Coach eLearning AG in Bad Homburg, eine gemeinsame Tochter der E.Multi Digitale Dienste AG in Ettlingen, der Börse Stuttgart AG und der Stuttgarter Euwax Broker AG. Private Investoren können seit Anfang Februar für eine Gebühr von 99 Euro über die Website der Börse Stuttgart den "Investment-Coach" nutzen, der sie schrittweise in die Welt der Geldanlage einführt. Als erstes Modul dieses Lernprogramms steht das Thema "Aktie" bereit, weitere Abschnitte zu Optionsscheinen, Investmentfonds und Neuer Markt sollen demnächst folgen.

In Zukunft will die IC eLearning AG ihre Multimediakurse, die ständig mit neuesten Informationen aktualisiert werden, auch weiteren Geldinstituten, Börsen oder Finanzportalen anbieten. Die können die jeweiligen Module dann im entsprechenden Corporate Design in ihre Website einbinden und allen Interessierten - entweder gegen eine Gebühr oder als Marketing-Maßnahme auch kostenfrei - zur Verfügung stellen.

Mit dem Web-Lernen nicht nur den eigenen oder den Weiterbildungsbedarf der Mitarbeiter befriedigen, sondern aus den gewonnenen Erfahrungen auch Profit machen - auf diese Idee kommen immer mehr Unternehmen. Das kommt nicht von ungefähr: Nach Schätzungen von IC E-Learning wollen sich rund sieben Millionen Menschen in Deutschland eigeninitiativ weiterbilden und -qualifizieren und bieten damit ein gewaltiges Kundenpotenzial. "Etwa eine Million dieser Leute sind sogar bereit, bis zu 10000 Mark jährlich in eine private wie berufliche Qualifikation zu investieren", führt Werner Sauter, E-Learning-Experte und Vorstandsmitglied der IC eLearning AG, entsprechende Umfrageergebnisse an.

Solche Voraussagen scheinen auch dem "Customer Focused E-Learning", bei dem Firmen ihren Kunden spezielle Bildungsangebote unterbreiten, gute Chance einzuräumen. In den USA setzen bereits zahlreiche Firmen auf diese neue Möglichkeit zur Kundenbindung - von Online-Jobbörsen und Finanzdienstleistern bis zu Hardwareherstellern und Softwarehäusern.

"In Zukunft wird diese Form von kundenorientiertem E-Learning ein integraler Bestandteil des Electronic Business sein und wesentlich zu dessen Erfolg beitragen", ist Astrid Tietgens, Geschäftsführerin der M.I.T newmedia GmbH im hessischen Friedrichsdorf, überzeugt. Insbesondere im Finanzdienstleistungs-, Personalvermittlungs-, Gesundheits- und Informationstechnikbereich sieht die Expertin gute Chancen für den baldigen Durchbruch solcher Bildungsangebote.

Ein schon existierendes prominentes Beispiel dafür ist der US-Online-Buchhändler Barnes& Noble.com. Er hat im vergangenen Jahr seine elektronische "Barnes&Noble University" eingerichtet und bietet von "Yoga für Anfänger" oder "Business-Etikette" über "Klassische Weihnachtsliteratur" und "Einführung in die Shakespeare-Tragödien" bis zu "Gestaltung der eigenen Homepage" oder einer "Hundeschule" 35 verschiedene Kurse aus den unterschiedlichsten Wissensgebieten an.

Längerfristig will Barnes&Noble.com-Vizechef Steve Riggio "Tausende von Online-Lernkursen" in den Bereichen "Kunst & Freizeit", "Lebenshilfe", "Literaturwissenschaft", "Gesundheit & Wellness", "Business" und "Technologie" präsentieren.

Inhalte aus bewährten Lehrbüchern"Für uns ist E-Learning eine natürliche Erweiterung unseres Kerngeschäfts", sagt Riggio. Das Prinzip ist einfach: eine "spannende Lernumgebung schaffen, deren Inhalte auf den besten verfügbaren Lehrbüchern basiert". Deren Autoren könnten als Online-Tutoren in der Barnes&Noble University tätig sein und so zusätzliche Inhalte zu ihren Büchern verbreiten. Die Bertelsmann-Tochter stellt dabei lediglich die Plattform bereit, für den Content sorgen die Kunden selbst. Es entsteht - so die Hoffnung - eine aktive E-Learning-Community, die auf der Website des Unternehmens heimisch wird und regelmäßig zusätzliche Bücher kauft. Offensichtlich funktioniert das Konzept: Schon in der ersten Woche nach dem Start hatten sich 20000 Teilnehmer eingeschrieben.

Solche Zahlen klingen verlockend. Da scheint es nur logisch, dass auch alle die, die ohnehin mit Berufs- und Personalthemen zu tun haben, mit dem neuen Lernen liebäugeln. Im Moment zwar nur zaghaft, aber durchaus mit Interesse wenden sich die großen Betreiber von Jobbörsen und Karriereportalen dem Thema zu. Doch hier gibt es bereits einen Vorreiter. Die Jobbörse "jobsintown.de" will künftig im Bereich "Karriere-Service" auf ihren nationalen und regionalen Internet-Seiten Online-Seminare und E-Learning-Angebote offerieren, um den Stellensuchenden umfassende Weiterbildungsmöglichkeiten zu vermitteln.

Wissensvermittlung mit der Maus wird einen neuen, ganz anderen Stellenwert bekommen. Da sind sich Bildungsexperten und Entwickler von technischen Werkzeugen einig. Damit aber die Lern- und Wissensarchitektur erfolgreich zum Bestandteil der E-Business-Strategie in einem Unternehmen werden kann, sind bei der Implementierung die Geschäftsprozesse, Rahmenbedingungen und Ziele einer Firma zu berücksichtigen. "Das erfordert einen durchgängigen Ansatz von der Planung über die Konzeption bis zur Realisierung von Lern-Plattformen, virtuellen Corporate Universities oder Lernportalen", fasst M.I.T-Geschäftsführerin Astrid Tietgens zusammen.

Eine erfolgreiche E-Learning-Strategie setzt eine Gesamtlösung aus organisatorischen, personal- und betriebswirtschaftlichen, informationstechnischen und medienspezifischen Aspekten voraus. So ist es nach Ansicht der Bildungsexpertin fatal, wenn die Konzeption von virtuellen Lern- und Wissenswelten in Unternehmen ausschließlich technologiezentriert diskutiert wird: "Der Aufbau eines elektronischen Bildungsmarktes und die Bereitstellung von E-Learning-Angeboten für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten erfordert immer eine sorgfältige Planung der künftigen Lern- und Wissensstrategie."

*Gabriele Müller ist freie Journalistin in Wuppertal.