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09.11.2001 - 

Konkursverfahren eingeleitet

Lernout & Hauspie verstummt endgültig

MÜNCHEN (CW) - Ein belgisches Gericht hat den ehemals zweitgrößten europäischen Softwarekonzern Lernout & Hauspie (L&H) für bankrott erklärt. Damit hat der auf Spracherkennungssoftware spezialisierte einstige Börsenstar seinen seit über einem Jahr andauernden Überlebenskampf endgültig verloren.

Zuvor hatte das Handelsgericht im westflämischen Ieper das jüngste Restrukturierungskonzept von L&H erneut abgelehnt und den Gläubigerschutz aufgehoben. Zur Begründung hieß es, die geplanten Maßnahmen seien für den Wiederaufbau nicht im geringsten geeignet - sie hätten wohl eher die Liquidation des Unternehmens zum Ziel.

Richter Michel Handschoewerker enthob Philippe Bodson seines Amtes als President und Chief Executive Officer und bestimmte eine Gruppe von fünf Konkursverwaltern, die den Verkauf des Firmenbesitzes und die Bezahlung der Gläubiger abwickeln sollen. Bei Banken steht L&H mit 470 Millionen Euro in der Kreide. Davon werden die Geldgeber jedoch wohl nur einen Bruchteil zurückbekommen: Der belgische Anbieter von Spracherkennungssoftware ("Dragon Naturally Speaking"), dessen Marktkapitalisierung Anfang 2000 noch rund neun Milliarden Dollar betrug, dürfte inzwischen nicht mehr als rund 17,8 Millionen Dollar wert sein.

Durch die Bankrotterklärung wird ein erst vor drei Wochen angekündigter Deal mit Speech Works International hinfällig. Die US-amerikanische Softwarefirma hatte sich interessiert gezeigt, L&Hs SLT-Sparte (Speech and Language Technologies) für 12,2 Millionen Dollar zu übernehmen. Diese Vereinbarung war jedoch an die Bedingung geknüpft, dass der belgische Konzern weiterhin unter Gläubigerschutz stehen würde. Welche Auswirkungen der in den USA noch bestehende Gläubigerschutz von L&H auf die Liquidationsabwicklung haben wird, ist bislang unklar. Jenseits des Atlantiks besitzt das Unternehmen sein zweites Hauptquartier. Firmenchef Bodson verglich die Situation mit einer "Black Box": "Ich weiß absolut nicht, was passieren wird."

L&H war im vergangenen Jahr durch betrügerische Machenschaften in eine tiefe Krise gestürzt. Nachdem das Management Umsatzmanipulationen in großem Stil zugegeben hatte, sank die Aktie in den Keller und wurde letztendlich aus dem Handel genommen. Die Firmengründer Jo Lernout und Pol Hauspie wanderten ins Gefängnis. Inzwischen sind sie gegen Kautionszahlung wieder auf freiem Fuß, müssen sich jedoch in Kürze vor Gericht verantworten. (sp)