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18.03.1983

Leser Kommentar

Nicht so penetrant wie der Schweinezyklus

In welcher Branche die Computer-Penetration am höchsten ist, beantwortet - zumindest für den US-Markt eine neue Studie der International Data Corporation (IDC), Wiesbaden. Diese Nachricht stand vor kurzem schwarz auf weiß in der CW Nr. 8. Danach haben folgende Wirtschaftsaktivitätsbereiche, auch Branchen genannt, noch nicht den ökonomischen Sinn erkannt, den der Einsatz eines Computers für sie bringt. Mehr noch, diese Wirtschaftsaktivitätsbereiche sind so nostalgischrückständig, daß sie unter 17,6 Prozent (in Worten: siebzehnkommasechs) der DV-Durchdringung liegen. Das muß man sich mal vorstellen! 17,6 Prozent und weniger der Gesamtheit aller Betriebe der im folgenden genannten Wirtschaftsaktivitätsbereiche haben die Segnungen des Computers weder erkannt noch bisher eingesetzt.

Diese Fortschrittshemmer und Nostalgiker sind:

DV-Durchdringung in % (gem. IDC)

PersönlicheDienstleistungen 1,0

Bauwesen 1,6

Baunebengewerbe 2,0

Straßen-, Brocken-,

Schienenbau 3,7

Öl- und Gasförderung, Produktion 3,8

Verbrauchsgüter 5,0

Nahrungs- und Genußmittel,

Großhandel 7,4

Stahlbau 10,9

Gebrauchsguter 11,7

Mineralölverarbeitung 14,5

Maschinenbau 16,0

Chemische Industrie 17,6

Allein der Wirtschaftsaktivitätsbereich "Geschäftliche Dienstleistungen liegt klar im Fortschrittstrend und weist eine DV-Penetration von 73,4 Prozent aus. Da muß man doch

neidlos lobende Anerkennung zollen!

Nachhinken wie ein lahmer Gaul

Auf Grund dieser Fakten müßten aus den Hirnen der Marketingdenker der DV-Hersteller Aktivitätspläne nur so herausplatzen, die Zielgruppen, die angegangen werden müssen, stehen fest. IDC hat ein klares Wort gesprochen.

Zwar - so werden die Skeptiker in den DV-Maketingdenkteams einwenden - können die IDC-Zahlen nicht bedenkenlos auf den West-Gemnany-Markt übertragen werden, was richtig ist, aber jedermann weiß doch, so werden die Marketingaktivisten kontern, daß der deutsche Markt dem US-Markt ähnlich ist und stets diesem, von der Fortschrittsseite gesehen, hinterherhinkt wie ein lahmer Gaul. Der deutsche Markt hat Nachholbedarf; das ist doch klar!

Oft sind die Skeptiker in den Marketingdenkteams der DV-Hersteller hartnäckig und bestehen darauf, daß wenigstens die ÖI- und Gasförderung, Produktion aus den Strategiekonzepten herausgenommen werden, da ÖI- und Gasförderung nebst Produktion ein Wirtschaftsaktivitätsbereich ist der in West-Germany nicht die Rolle spielt wie in Dallas, das ja nun wirklich - derob weltbekannt ist. Dschi A, Sue Allen, Jon Ross und Pamela mischen bei uns auf dem Sektor Olförderung lediglich per Farbfernseher mit.

Da nun feststeht, welche Zielgruppen DV-unterernährt sind, müssen die Marketingstrategen schnell handeln und ihren Vertriebsorganisatoren Rezepte verschreiben, die in die Tat umgesetzt werden müssen (Rezept Umsätze machen).

Allen Marketingstrategen sei jedoch der Schweinezyklus in Erinnerung gerufen der bereits im ersten Semester Volkswirtschaft eingehend gelehrt wird und der statistisch exakt nachgewiesen werden kann.

Der Schweinezyklus ist schnell erklärt und leicht verständlich - lange nicht so kompliziert wie das Laden des Betriebssystems oder das Lesen und Verstehen einer Computerfehlermeldung.

Also:

- Ein Bauer hat zehn Schweine , die gemästet werden.

- Viele Bauern haben viele Schweine, die gemästet werden.

- Weil viele Schweine gemästet und verkauft werden, sinkt der Preis für Schweinefleisch. Schweinshaxen, Schnitzel, Eisbein und Schweinswürste etc. werden billiger.

- Folge: Da der Schweinefleischpreis sinkt, schütteln die Bauern reihenweise die Köpfe und fahren alle ihre gemästeten Schweinchen in die Schlachthalle.

- Folge: Nach einigen Wochen steigt der Schweinefleischpreis wieder, weil jetzt Mangel an Schweinefleisch herrscht und die Hausfrauen nach wie vor nach Schweinshaxen, Schnitzeln, Schweinswürsten und Eisbein verlangen.

- Logisch, daß jetzt die Bauern wieder Ferkelchen einkaufen und auf Teufel komm raus

Schweine mästen. Der Preis für Schweinefleisch steigt nämlich.

Das ist, in kurzen Worten dargestellt, der Schweinezyklus, ein volkswirtschaftliches Lehrstück, das allen Marketingstrategen zugegen sein sollte, wenn sie strategisch nachdenken.

Denn: Nach den genannten IDC-Zahlen könnte nun passieren, daß sich alle DV-Hersteller, die sich in Deutschland um Marktanteile rangeln, auf das Baunebengewerbe stürzen und sich das ehrbare Baunebengewerbe des Dachdeckers zum Ziel ihrer Umsatzpläne machen, da die Dachdecker lediglich mit 2,0 Prozent DV-Penetration ausgestattet sind. Welch ein Markt! Für alle DV-Hersteller und DV-Anbieter in Deutschland gilt die Devise: Auf in den Kampf!

Zwar könnten sich die DV-Hersteller und -Anbieter in Deutschland, die alle plötzlich die Dachdecker als Ziel ihrer Umsatzträume entdeckt haben und mit den IDC-Zahlen virtuos hantieren, zum Beispiel im Novotel-Frankfurt treffen und bei einem Frühstück die Dachdeckermarktlage redsam aufteilen. Das wäre jedoch nicht besonders klug; denn ein Amt, das Bundeskartellamt in Berlin nämlich, mag so etwas ganz und gar nicht.

Zahlen sind gut - gezielte Marketinganalysen besser

Es kann also kommen, wie es kommen kann. Alle DV-Hersteller und DV-Anbieter entdecken plötzlich die Marktlükke Dachdecker" und stürzen sich mit Vehemenz in dieselbe. Hierbei wird dann viel Aktivität entwickelt. In Mailings, Prospekten, Broschüren, Demonstrationen und Ausstellungen/Messen werden Dachdecker-Lösungen gepriesen. Auf der Hannover-Messe wird eigens ein Hardware-Software-Gesamtlösungsmeeting für Dachdecker mit Einzelgesprächen und Bier-Würstchen-Freuden arrangiert.

Damit wird ein Dachdecker-Zyklus in Bewegung gesetzt, der ähnlich dem Schweinezyklus abläuft, aber ganz erhebliche Unterschiede aufweist. - Software- und Hardwarepreise sind niedrig. Der Dachdeckker kauft weder Hardware sich Software.

Software- und Hardwarepreise sind hoch. Der Dachdekker will keinen Computer, weil die Dachdeckershausfrau fleißig ist, den gesamten Schreibkram erledigt und pünktlich die Rechnungen erstellt,

Nun müssen die DV-Marketingstrategen eifrig darüber nachdenken, warum der Dachdeckerzyklus so ganz anders ist und mit dem Schweinezyklus nicht verglichen werden kann. Warum wohl? Ganz einfach: IDC-Zahlen sind gut, gezielte Marketinganalysen sind besser. Vielleicht haben die Marketingstrategen schon etwas von Akzeptanzwelle gehört, von Vorteilen und Nutzen, die Software und Hardware dem Dachdecker bringen und die in Mark und Pfennig Nachgerechnet werden können? Wir hoffen es. Auf in den Kampf, der Mitbewerb schläft nicht - meistens jedenfalls!