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01.02.1985

Leserbrief

Wie schreibt man auf einen Artikel, dem man wohl zustimmt und doch nicht zustimmt? Ich meine die Kolumne in der CW vom 4. Januar 1985 ("Siemens-Telecom vor der Bewährung"). Das Getue um alles, was aus dem ach so goldenen Westen zu uns herüberkommt, kann einem wirklich den Kragen platzen lassen. Man möchte zuweilen aus der Haut fahren, wenn man sieht, wie alles und jedes von Mother Blue geregelt, bestimmt, dirigiert, geprägt wird. Starren wir wirklich wie das Karnickel auf die Schlange, gebannt von 80 viel Marktanteil und Einfluß? Sind wir alle miteinander hypnotisiert und nicht mehr fähig, auf eigenen Beinen zu stehen oder einen selbständigen Gedanken zu fassen, von eigenständigem Planen und Konzipieren gar nicht zu reden?

Wenn man mit offenen Augen herumschaut, kann man sich dieses Eindruckes nicht erwehren. Sie haben diese Eindrücke mit kräftigen Strichen in Ihrer Kolumne skizziert, mit Recht. Und doch scheint mir in der ganzen Geschichte der Wurm drin zu sein. Ich entsinne mich noch sehr gut unserer jahrelangen Bemühungen- es ist schon bald nicht mehr wahr, so lange ist das her die Dinge in der Datenverarbeitung-, gemeinsam mit der Deutschen Industrie voranzutreiben. Ansätze dazu gab es auf allen Gebieten: Software, Hardware, Datenübertragung und so weiter und so weiter. Viele Namen, mit denen solche Kooperation versucht wurden, sind längst Historie. Daß Zuse einmal Rechner produzierte, liest man nur noch in den Geschichtsbüchern, daß Telefunken Großrechner herstellte, wissen nur noch wenige, und ob die Prozeßrechner des Hauses Siemens auch außerhalb Deutschlands noch eingesetzt werden, weiß ich nicht, ich wage es aber zu bezweifeln.

Das sind nur ein paar Beispiele für Versuche einer Zusammenarbeit. Wohl hinter jedem verbirgt sich eine ganze Menge an gutem Willen, an Einsatz und Aufwand, mit dem Ziel, zusammen mit der Industrie etwas Eigenständiges in Deutschland (Europa?) zu schaffen. Wie dieser gute Wille beantwortet worden ist ,davon kann ich Ihnen nicht nur ein Lied, sondern eine ganze Oper vorsingen. Das Ergebnis der Mischung aus Eigenbrötelei und Überheblichkeit ist hinreichend bekannt. Es gibt wenig, was in Deutschland den De-facto-Standards des Marktführers entgegenzusetzen ist, und viele derjenigen, die einst für einen nationalen Weg mitgekämpft haben, sind heute frustriert und warten lieber etwas länger auf Entwicklungen und Produkte, die man weltweit verwenden kann, als daß sie sich noch einmal auf das Risiko einer noch so schönen und noch so fortschrittlichen westdeutschen Sonderlösung einließen.

Daß IBM auf dem Sektor LAN bislang nichts bietet, was der Rede wert ist, liegt auf der Hand. Trotzdem kann ich verstehen, daß viele lieber warten wollen, was aus dieser Ecke kommen wird, ehe sie sich für etwas anderes entscheiden. Wenn man bedenkt, was die Investitionen für Netze in den nächsten Jahren kosten werden, ist dieses Warten mehr als gerechtfertigt. Oder nicht?

Lieber Herr Dierstein, daß ein gewisser Henry Ford das erste Jedermann-Auto vom Band rollen ließ - auch dies ist längst Historie. In Detroit kann man sich dafür heute nichts kaufen. Ein halbes Auto-Jahrhundert entspricht in der Datenverarbeitung vielleicht einem Zeitraum von nur fünf Jahren, meint Ihr keineswegs frustrierter Dieter Eckbauer