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05.07.1996

Leserbrief/Die Krokodilstränen der Carrier

Betrifft CW Nr. 26 vom 28. Juni 1996, Seite 21: "PC-Telefonie weist noch Qualitätsmängel auf"

Liest man die Sorgen der ACTA über die angeblich unfairen Trittbrettfahrer im Internet, so könnte einen das große Mitleid packen ob der ach so hohen entgangenen Einnahmen, die den Carriern die Billigtelefonate per Internet bescheren. Sicher, es klingt wie eine Nachricht aus dem Schlaraffenland, wenn man zum Ortstarif um die Welt plaudern kann - die mangelnde Tonqualität nimmt da mancher sicher noch in Kauf.

Aber wenn auch der Teilnehmer dabei spart, in den Kassen der großen Telecom-Gesellschaften klingelt es dennoch vernehmlich. Nicht umsonst bezeichnet der englische Sprachgebrauch diese Gesellschaften als "incumbent operators", was soviel heißt wie "die Pfründen-Inhaber, die uns auf der Tasche liegen".

Nehmen wir als Beispiel, daß Frau Müller aus Obertupfing mit Mr. Baker in Las Merlos, Colorado, über das Internet telefoniert. Dann bezahlt sie zunächst das Ortsgespräch bis zu ihrem nächstliegenden Provider, der glücklicherweise auch im Nahbereich seinen Entry-Point hat. Dieser zahlt nun seine - viel schnellere und deshalb teurere - Verbindung zu seinem Ober-Provider, zum Beispiel Eunet, der wiederum zahlt seine - noch schnellere - Verbindung zu seinem Transatlantik-Provider. Dieser - meist handelt es sich wohl um Uunet oder einen Anbieter dieser Klasse - zahlt wiederum für seine Transatlantik-Leitung, in aller Regel auch an einen der Pfründenherrscher oder doch an einen der Kabel- oder -Satelliteneigner, bei denen diese überwiegend beteiligt sind.

Auf der anderen Seite des Ozeans geht es dann genauso, aber in umgekehrter Richtung, wieder herab zu den niedrigeren Geschwindigkeiten bis zu Mr. Baker in Colorado. Und auch dort zahlt jedes Glied in der "daisy-chain" für seine unmittelbare Verbindung zum nächsten Knoten. Und schließlich entrichtet Mr. Baker in jedem Falle selbst noch eine Ortsgebühr zu seinem Einwahlpunkt. Wegen der Größe Amerikas mag es dort sogar noch eine Stufe mehr sein. Und sicher sind es dort nicht mehr nur die "incumbents", sondern auch schon neu angetretene Carrier wie MFS. Aber alle diese Kabeleigner, Netzbetreiber, Carrier und PTTs halten die Hand auf und bekommen ihre Gebühren. Daran ändert sich nichts, wenn die beiden Endverbraucher scheinbar nur zwei Ortstarife bezahlen. Und indirekt über ihre Internet-Monatsgebühr tragen sie auch die Telekom-Gebühren der verschiedenen Provider-Stufen. "There is no free lunch", sagen die Amerikaner dazu.

Jochen Michels Compuserve 100115,3203