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22.09.1995

Leserbrief/Modischer Mordversuch an Cobol

Betrifft CW Nr. 35 vom 1.September 1995, Seite 7: "Deutsche IT- Chefs stuetzen sich auf veraltete Technik"

Ja, warum nur stuetzen sich die IT-Chefs auf veraltete Technik, statt auf die neuen Methoden und Werkzeuge umzusteigen, "deren Vielfalt - Methoden sind vielfach ans Werkzeug geknuepft - unglaublich explodiert. Davon werden 90 Prozent in fuenf Jahren vergessen sein, allerdings kommen auch immer neue Methoden auf". Ende des Zitats aus dem Artikel.

Viele IT-Chefs verfuegen ueber eine langjaehrige Erfahrung (im Artikel Bitfummler-Generation genannt). Vor mehr als 20 Jahren haben sie begeistert mit RPG gearbeitet, spaeter mussten sie alle RPG-Anwendungen in Cobol neu schreiben.

Einige Jahre spaeter haben sie Anwendungen in einem struktogramm- orientierten Pseudocode entwickelt, bis sie gezwungen waren, diese Anwendungen in Cobol neu zu schreiben.

Wer die Verantwortung fuer die langfristige Sicherheit mitunter betraechtlicher Software-Investitionen traegt, hat eine verstaendliche Scheu vor Sprachen und Werkzeugen, deren Lebensdauer moeglicherweise kuerzer ist, als die damit erstellten Anwendungen, die damit zu nicht mehr veraenderbaren Altlasten werden. Ausserdem ist die Frage sehr sorgfaeltig zu pruefen, ob durch die neue Methode tatsaechlich die Anwendungen einfacher, ueberschaubarer und leichter wartbar werden, oder die Abhaengigkeit von Spezialisten erhoeht wird.

So lange den Protagonisten der schoenen neuen Welt nichts anderes einfaellt, als alle paar Monate eine neue Methode oder Sprache anzupreisen und jeden, der nicht sofort begeistert auf seinen Zug springt, als Bitfummler zu bezeichnen, bleibt vielen Verantwortlichen nur die Alternative, mit ihren alten Methoden zu leben, oder die Programmentwicklung auszulagern (was meist genau das Interesse dieser Protagonisten ist, solange es nicht die volle Auslieferung an einen Standard-software-Hersteller bedeutet).

Noch einige Bemerkungen zum so modischen Mordversuch an Cobol:

1.) Wie kommt es nur, dass etliche Hersteller ihre Cobol-Compiler staendig erheblich verbessern, obwohl seit Jahren versucht wird, Cobol totzureden?

2.) Im Gegensatz zu Softwarehaeusern arbeiten in den meisten Firmen "Gelegenheitsprogrammierer", deren Aufgabenschwerpunkt die Organisation, die betriebswirtschaftliche oder technische Beratung, Betreuung und Koordination im Unternehmen ist.

Es war schon immer die Staerke von Cobol, dass mit dieser Sprache nicht nur Gurus arbeiten koennen, sondern auch Leute, deren Faehigkeiten nicht ueberwiegend daran gemessen werden, ob sie mit jeder neuen Sprache sofort umgehen koennen. Ausserdem ist man damit als IT-Chef auch nicht so stark von DV-Spezialisten abhaengig.

3.) Auch in der Anwendungsentwicklung mit Cobol ist die Zeit nicht stehen geblieben, so gibt es beispielsweise Hochsprachen der 4. Generation, die Cobol-Programme erstellen und damit eine Investitionssicherheit, unabhaengig vom Werkzeug, garantieren.

4.) Die Sprache Cobol steht, im Gegensatz zu manchen Behauptungen, keinesfalls im Widerspruch zu Client-Server-Anwendungen, grafischen User-Interfaces oder der Anwendung von Objekten.

5.) Wann endlich begreifen einige Leute, dass fuer die kommerzielle Anwendungsentwicklung in einem Unternehmen andere Regeln gelten, als in Softwarehaeusern, an Unis oder bei technisch- wissenschaftlichen Anwendungen?

Volker Raschke, Raschke Software GmbH, Berlin