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07.04.1995

"Lesesaele werden zu modernen Informationsbasen"

In Deutschland gibt es etwa 13 000 oeffentliche und 2000 wissenschaftliche Bibliotheken, die rund 330 Millionen Medieneinheiten verwalten. Organisiert ist das teilweise noch per Zettel- und Katalogkasten. Kuenftig sollen moderne integrierte Loesungen aus den bisher gewohnten Libraries Informationszentren der Zukunft machen.

Die Bibliotheken in deutschen Landen befinden sich im Umbruch. Mit herkoemmlichen Mitteln ist die Informationsflut kaum noch in den Griff zu bekommen. Gefragt sind DV-Systeme, die die gesamte Organisation unterstuetzen und den Nutzern eine komfortable Recherche ermoeglichen. Und: Kuenftig installierte Loesungen muessen auch mit grossen Verbundnetzen - dem Zusammenschluss verschiedener Bibliotheken einer Region - kommunizieren koennen.

Die in der Bundesrepublik derzeit genutzten Verbundsysteme wie der Berlin-Brandenburgische Bibliotheksverbund (BBV) - die Speicherung der Katalogdaten erfolgt hier zentral; die dem Verbund angeschlossenen Buechereien greifen darauf zurueck und ergaenzen ihre eigenen Daten wie Standort, Exemplar etc. - erscheinen zuverlaessig. Insider halten sie dennoch fuer veraltet, da proprietaer und ohne Anwendung moderner Datenbanken.

Der Wandel vom Literaturarchivar zum Informationsdienstleister erfordert ein neues Serviceangebot: Komfortable verbundweite Recherchen fuer den Kunden, Fernleihe sowie Dokumentlieferservice etc. sind nur via elektronisches Informationsangebot und Zugang zum Internet machbar.

Client-Server-Anwendungen und schnelle Datenbanken, die eine verteilte Informationshaltung unterstuetzen, werden somit ein Muss fuer jede Bibliothek. Der hiesige Markt fuer derartige Systeme wird derzeit nur von wenigen deutschen Firmen besetzt. Starke Konkurrenz kommt aus dem europaeischen Ausland und aus Uebersee.

Laut einer Umfrage des Berliner Marktforschers Koehler-Frost & Partner werden in den naechsten Jahren bibliothekarische Anwendungen ein Volumen von mehreren hundert Millionen Markt erreichen.

Es ist nicht verwunderlich, dass Firmen wie McDonnell Douglas sowie zahlreiche andere Anbieter aus den USA daran partizipieren wollen.

Auch deutsche Firmen scheinen sich nun staerker zu ruehren. Die Berliner Astec GmbH hat mit dem Managementsystem "Adis/ BMS" ein innovatives Produkt fuer IBM-, SNI-, DEC- und HP-Plattformen auf den Markt gebracht, das mit seiner modernen Architektur die Basis fuer Verbundentwicklungen bieten kann. Das Produkt nutzt kommerzielle Datenbanken wie Oracle, Ingres, Informix und Adabas-D (kuenftig auch Sybase) und laeuft auf den Clients unter Windows, OS/2 oder Motif. Unterstuetzt werden Protokolle wie TCP/IP und LU 6.2.

Laut den Entwicklern ist die Software flexibel und soll ohne Aenderung des Quellcodes an spezifische Belange angepasst werden koennen.

Der Uebergang zur elektronischen Information scheint in anderen Laendern schneller zu gelingen. Buchbestellung und Freihauslieferung per PC und Internet - die Angabe der Kreditkartennummer genuegt - sind in Deutschland zwar noch Zukunftsmusik, doch erste Ansaetze lassen hoffen: Vom Home-PC aus kann der Nutzer im Online-Katalog seiner Library nach dem gewuenschten Medium (Buch, Zeitschrift, CD etc.) suchen und Bestellungen aufgeben. Technische Voraussetzungen: Telefon, Modem oder Internet-Anschluss (die monatliche Provider-Gebuehr fuer einen privaten Anschluss betraegt etwa 57,50 Mark).

Mit der DV-gestuetzten Informationssuche von zu Hause aus stehen sich die Bibliotheken kuenftig auch als Wettbewerber gegenueber.

Bedenkt man, dass heute schon grosse Mengen von Publikationen elektronisch erfasst und gespeichert werden und fuer Recherchen zur Verfuegung stehen, so duerfte die virtuelle Bibliothek in naher Zukunft Realitaet werden. Konzepte laufen bereits: So sollen mit dem Projekt "Gutenberg" bis zum Jahre 2001 etwa 10 000 der meistgelesenen Buecher in elektronischer Form angeboten werden. Die Washingtoner Library of Congress ist derzeit dabei, die vielleicht weltgroesste Buechersammlung der Welt zu digitalisieren und per Internet bereitzustellen. Die heute bereits 200 000 elektronisch erfassten Dokumente werden in einigen Jahren auf etwa fuenf Millionen anwachsen. Ein Bestand, der die Integration von komplexen DV-Technologien und leistungsfaehigen Netzen erfordert. Dazu gehoeren unter anderem die Verarbeitung der Informationen nach internationalen Standards sowie multifunktionale Arbeitsplaetze.

Systeme dieser Art kann der Markt jedoch derzeit nicht anbieten, und bei all der geforderten Funktionalitaet werden auch nur groessere Hersteller in der Lage sein, alles aus einer Hand zu praesentieren. Ohne die kleinen und mittleren Firmen duerfte das jedoch schwer machbar sein. Bisher waren es vor allem diese Unternehmen, die sich auf bibliothekarische Loesungen spezialisiert hatten. Nur ueber Partnerschaften werden kuenftig die Ressourcen der grossen Anbieter mit dem speziellen Know-how der Mittelstaendler zu effektiven Gesamtloesungen fuehren.

Herbert Thome ist Mitarbeiter bei der BB-Data Systemhaus GmbH in Berlin.