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19.10.1984 - 

Die Situation auf dem PC-Markt riecht nicht nach einem Mikro-Boom:

Letztlich sind alle Mikroanbieter gefährdet

Mikrocomputer bilden ein dynamisches Marktsegment. Die Zahl der in der Bundesrepublik Installierten Geräte - Anfang 1984 rund 1 Million - wird sich bis Ende 1985 voraussichtlich verdoppeln. Mit der zunehmenden Zahl der Mikroanbieter zeigt aber auch die Zahl der ratlosen Noch-nicht-Anwender. Erklärungsbedürftige Produktinnovation. verbissener Kampf um Marktanteile und fieberhafte Suche nach neuen Vertriebswegen - wenn diese Faktoren zusammentreffen. ist ein Ausleseprozeß unausweichlich.

Von einem Mikro-Boom kann jedenfalls noch nicht gesprochen werden. Die Hersteller hoffen zwar, mit weniger erklärungsbedürftigen Produkten und einem Anhängen an Flaggschiffe des Marktes wie IBM die Schallmauer zu durchbrechen, doch scheint einigen bereits der Spaß an der Marketingfreud' vergangen zu sein.

Ein aktuelles Beispiel: Digital Equipment, wahrlich kein Kleiner, sieht seine Erwartungen ins PC-Geschäft nicht erfüllt, gibt freiwillig die Händlerschiene frei, um sich ganz auf den Großkundenbereich zu konzentrieren. Daß die einschlägigen Zahlenwerke renommierter Marktf(..)chungsinstitute ein strahlendes Bild zeigen, ist kein Widerspruch.

Den höchsten Zuwachs im DV-Markt Bundesrepublik konnte, laut Diebold, der Mikrocomputer-Sektor verbuchen: 647 000 Stück mit einem Gesamtwert von 1,4 Milliarden Mark setzten die Anbieter im letzten Jahr ab. Folgt man den Statistiken der Diebold-Marktforscher, so waren am Jahresbeginn 1984 an die 830 000 DV-Systeme in der Bundesrepublik mit einem Gesamtwert von rund 55 Milliarden Mark installiert. Home- und Hobbycomputer sind in dieser Statistik nicht enthalten.

Gegenüber dem Vorjahr betrug die Zuwachsrate nach Stückzahlen 60 Prozent, während sich der Installationswert "nur" um 12 Prozent erhöhte. Dies weist auf eine kräftige Strukturversichiebung zugunsten von Niedrigpreisgeräten wie Mikrocomputern hin.

An dieser Stelle ist nun eine Produktklassifizierung erforderlich. Man könnte sonst leicht Äpfel mit

Birnen vergleichen. Mit anderen Worten: Mikro ist nicht gleich Mikro.

Diebold unterscheidet vier Klassen, wobei der Kaufpreis und die hauptsächlichste Einsatzart maßgebend sind:

Heim- und Hobbycomputer bis 1500 Mark: Klasse I;

Mikrocomputer für semiprofessionelle Anwendungen bis 5000 Mark: Klasse II;

Professionelle Mikrocomputer/Personal Computer bis 10 000 Mark: Klasse III;

bis 25 000 Mark: Klasse IV.

In den einzelnen Marktsegmenten eruierte Diebold folgende Veränderungen: Von den Systemen der Klasse I konnten 510 000 Einheiten verkauft werden, das entspricht gegenüber 1982 einem Zuwachs von 258 Prozent.

Von den Systemen der Klasse II konnten 40000 Stück abgesetzt werden (plus 63 Prozent), von der Klasse III 44000 Stück, was einer Zuwachsrate von 66 Prozent entspricht.

Einen deutlichen Trend zu höherwertigen und professionell einsetzbaren Mikrocomputern sieht Diebold in den 53 000 abgesetzten Rechnern der Klasse IV.

Interessant ist nun, daß die Mikros der Klassen II bis IV (1500 bis 25000 Mark), von denen im letzten Jahr 137000 vermarktet wurden, am Gesamt-Installationszuwachs von 312 000 Stück bereits mit rund 45 Prozent beteiligt sind, nach dem Wert jedoch erst mit 12,7 Prozent.

Insgesamt beträgt der Bestand an Mikrocomputern jetzt etwa eine Million Einheiten mit einem Installationswert von rund 2,7 Milliarden Mark. Nach Stückzahlen führen die Heimcomputer mit einem Anteil von 70,4 Prozent. Bezogen auf den Wert nehmen die professionellen Systeme der Klasse IV mit 42,5 Prozent den Spitzenplatz ein.

Nach einer Diebold-Auswertung über die Bestände aller Systeme im Heim/Hobby- und im professionellen Markt teilen sich neun Hersteller 80 bis 85 Prozent des Marktes.

Auch in bezug auf die Installationswerte hier annähernd das gleiche Bild: Neun Hersteller teilen zwei Drittel des Marktes unter sich auf.

Im europäischen Markt hält die Bundesrepublik den zweiten. Rang Insgesamt waren in Europa zum Stichtag 1. 1. 1984 rund 830 000 Systeme der Klassen III und IV im professionellen Einsatz. Davon entfallen auf Großbritannien 265 000, auf Frankreich 180 000 und auf die Bundesrepublik 195 000 Systeme.

Dies hat Diebold zufolge mehrere Gründe: Mittlere und größere Unternehmen halten sich mit der Installation von Mikros nach wie vor stark zurück.

Die technischen und organisatorischen Probleme bei der Integration der Mikros in die vorhandene DV-Infrastruktur seien, so die Marktforscher, betriebsspezifisch noch nicht so weit gelöst, daß Installationen größerer Stückzahlen über 50 selten gewagt würden.

Der isolierte Einsatz könne indes nicht als das mittel- und langfristige Ziel der professionellen deutschen Mikroanwender angesehen werden. Hier unterscheide sich der deutsche Markt vor allem vom amerikanischen Markt.

Die Adaption der vorwiegend amerikanischen Standardsoftwarepakete auf deutsche Marktanforderungen erfordert laut Diebold nach wie vor eine Zeit von sechs bis zwölf Monaten.

Mikros so teuer wie konventionelle Systeme

In kaum einem anderen europäischen Markt sei der Bürocomputermarkt so ausgeprägt wie in der Bundesrepublik. Das Angebot dieses Marktes mit vielfach eingesetzten Problemlösungen ist in Verbindung mit den ausbaufähigen Systemen für viele potentielle Anwender ein Grund, mit der Installation von Mikrocomputern abzuwarten.

Besonders Klein- und Mittelbetriebe werden überrascht, wenn sie feststellen, daß die wenigen mehrbenutzerfähigen Mikrocomputer bei einem Ausbau mit drei bis vier Arbeitsplätzen so teuer werden wie konventionelle Bürocomputersysteme. Diese könnten jedoch im Gegensatz zu den Mikros auf eine Vielzahl integrierter Anwendungen mit hohem Komfort zurückgreifen.

Andererseits werden jedoch die Vorteile der professionellen Personal Computer bei der Lösung von planerischen Aufgaben im Bereich der Entscheidungsträger immer wichtiger. Obwohl sich im Vergleich zu den Vorjahren die Know-how-Situation im Vertrieb der Mikros nachhaltig erhöht hat, sind auch heute nur wenige Büromaschinenhändler und Mikroshops in der Lage, über die Standardsoftwareprodukte hinaus spezifische Branchenlösungen ausreichend qualifiziert zu vermarkten.

Diebold erwartet mit Wachstumsraten von jährlich mehr als 30 Prozent auch weiterhin eine über dem Durchschnitt liegende Zunahme des Marktes in der Bundesrepublik.

Bereits für d84 Jahresanfang 1986 erwarten die Frankfurter Marktbeobachter einen installierten Bestand von mehr als zwei Millionen Systemen. Die Marktsättigung sei jedoch auch dann bei keiner der Anwendergruppen erreicht.

Kommen wir zur Software: Obwohl sich das Angebot auf diesem Sektor geradezu explosionsartig entwickelt hat, kann es mit der Hardware-Technologie nicht Schritt halten. Auf gut 8 Milliarden Mark belief sich 1983 der Software-Umsatz in der Bundesrepublik, während das Marktvolumen für Hardware rund 11 Milliarden Mark betrug.

Das ergibt folgende interessante Konstellation: Ganze 4,2 Prozent machte 1983 der Mikroanteil am Softwarekuchen aus. Günstiger sieht es bei der Hardware aus: Immerhin 12,7 Prozent des Liefervolumens, nämlich 1,4 Milliarden von insgesamt rund 11 Milliarden Mark stammten aus Mikroverkäufen. Und nach Stückzahlen kommt der professionelle Mikro, wie gesagt, schon auf den stattlichen Anteil von rund 45 Prozent. Zur Abrundung: Zum Gesamtumsatz der IBM Deutschland GmbH trägt der PC-Vertrieb mit einem Prozent bei.

Fazit: Letztlich sind alle Mikroanbieter gefährdet. Einige werden die Gewinner sein, darunter, keine Frage, die IBM. Aber etliche werden die Produktionslizenz zurückgeben. Viele werden gleichwohl überleben und weiterwursteln. Fragt sich nur - wie?