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06.01.1989 - 

Auf- und Abstiege, Um-, Ab-, Irr- und Auswege in der DV-Industrie:

Leute, die 1988 von sich reden machten

Hans Strack-Zimmermann, Unix-Apostel

Seine Siemens-Vergangenheit ist für den "Vater von Sinix" ein gutes Startkapital. Erst beteiligt er sich an Peter Schnupps Interface-Gruppe in München, dann mietet er sich mit seinem Partner, dem PCS-Aussteiger und Munix-Mann Eberhard Färber, im Informix-Büro ein. Die neue Firma der beiden nennt sich Ixos und will - auch mit Auftragsarbeit für Siemens - bald eine wichtige Rolle im bundesrepublikanischen Unix-Szenario spielen.

Klaus Neugebauer, Computermann

Mit dem Lorbeer für den fähigsten Manager des Jahres bekränzt die DV-Marktforschungsgesellschaft IDC dem Münchner Software-Maestro Klaus Neugebauer das Haupt. Der Geschäftsführer der Softlab GmbH hat nicht nur auf technischem, sondern auch auf kaufmännischem Gebiet Geschick bewiesen: Durch dile 28prozentige Beteiligung seitens des Autokonzerns BMW AG erschließt sich Softlab neue Märkte.

Steve Chen, Parallel-Bearbeiter

Der Chefentwickler der Cray X-MP und Y-MP, seit Ende 1987 auf eigenen Füßen, baggert Big Blue an. Chen überzeugt IBM, daß eine Millionen-Investition bei seiner soeben gegründeten Supercomputer Systems Inc. mehr bringen wird als ein Engagement bei Telecom-Firmen wie Rolm. Parallel versucht er große Anwender als Investoren zu gewinnen. Seymour Cray und sein Chefmanager John Rollwagen hatten Chens verwegene Parallelrechner-Pläne auf Eis gelegt: Die vielen Dollars für sein Projekt erschienen ihnen als rausgeworfenes Geld.

Ernst Hofmann, Weichseller

Als Großrechnerprofi mit jahrzehntelanger IBM-Erfahrung scheint der inzwischen bei der weichen Ware (Cincom) Angelangte dem NAS-Vorstand der rechte Hardseller zu sein: IBM-kompatible Hitachi-Jumbos gegen starke Comparex-Konkurrenz zu verkaufen. Noch bevor National Advanced Systems öffentlich als Übernahmekandidat gehandelt wird, ist Hofmann allerdings schon, wieder weg. Da die Suche nach einem externen Nachfolger kaum Erfolg verspricht, besetzt NAS den Job intern. Auch bei Natsemi-Tochter Datachecker geht ein Deutschland-Manager schon nach kurzer Zeit wieder von Bord: Der Ex-Olivetti- und -TA-Mann Fritz Dieckmann wechselt in die Geschäftsleitung des Wettbewerbers ADS Zentralgesellschaft. Einige Monate später gehört die POS-Terminal-Firma Datachecker der britischen ICL. Hofmanns früheren Job als Cincom-Geschäftsführer übernimmt übrigens Hans Duve, bisher deutscher Repräsentant von Cullinet (siehe auch John Cullinane).

Eugene Amdahl, PCM-Erfinder

Im April meldet sich der "DV-Grufti" in der Branche zurück. Obwohl er mit dem Unternehmen, das seinen Namen trägt, längst nichts mehr zu tun hat, hält ihn der Großcomputermarkt in seinem Bann. Nach dem Niedergang seiner Trilogy Corp. und dem mißglückten Comeback über die Elxsi Corp. taucht Amdahl als Vordenker einer Firma namens Andor Systems Inc. wieder auf. Mit nur acht Mitarbeitern will der einstige

Chefentwickler von Big Blue und "Erfinder" des IBM-kompatiblen Mainframes einen Einplatinen-Rechner bauen, der es mit einer kleinen "3090" aufnehmen kann - natürlich steckerkompatibel. Erste funktionsfähige Laborexemplare möchte er Ende 1988 fertig haben. Doch die Ankündigung vom Frühjahr bleibt ein Strohfeuer: Seither ist es still um Gene.

Vittorio Cassoni, Innenarchitekt

Die schönsten Brücken für den Anwender will Olivetti bauen, wenn man der Eigenwerbung des Konzerns Glauben schenken darf.

Außen "Hui"... Innendrin sieht es anders aus: Etliche Treppen im verwinkelten Firmengebäude sind ziemlich brüchig geworden. So läßt Chairman Carlo de Benedetti die fotogenen S darstellen Vittorio Levi und Elserino Piol im Schnürboden verschwinden. Als Innenarchitekt kommt Vittorio Cassoni ans Ruder, zuvor Benedettis Dauerleihgabe an den New Yorker Mit-Aktionär AT&T. Mit Cassonis Hilfe krempelt Don Carlo den Betrieb um; unter anderem entsteht in Deutschland die TA Olivetti.

Jim Manzi, Pseudo-Goldjunge

Der Chef des Softwarehauses Lotus, bei dem man nur bis drei zählen muß, bis das neue Produkt dann doch nicht kommt, macht Onkel Dagobert Konkurrenz. Nach einer Berechnung von "Business Week" summieren sich Gehalt und Aktien-Gratifikationen des Präsidenten für das vorhergehende Jahr auf 44 Millionen Dollar. Dieser Wert besteht allerdings nur auf dem Papier: Die Aktien, die er nicht vor Bekanntwerden der 1-2-3-Verzögerungen abstoßen kann, fallen natürlich dem Kursverlust anheim. Und als "Insider" darf man in den USA ohnehin keine Aktien verkaufen, die von Wertverfall bedroht sind.

Werner Brodt, Umsteiger

Der Deutschland-Chef des (zumindest quantitativ) unangefochten führenden europäischen Softwarehauses Cap Gemini überläßt seinen Job dem Ex-SCS-Mann Bernd Lantermann. Brodt, der zur Blütezeit des mittlerweile ziemlich verwelkten Wordstar die deutsche Micropro geleitet hatte, steigt um ins Verlagsgewerbe. Bei der Markt & Technik AG in Haar, einem vor allem bei Bauelementen und Kleincomputern starken Buch- und Magazinverlag mit eigener PC-Software-Distribution, teilt er sich die, Geschäftsführung mit Bernd Balzer, bisher Chef der deutschen Daisy Systems.

Joe Henson, Demokrat

Der Architekt der CAD-Fusion zwischen Prime und Computervision zieht sich im Frühherbst ins Privatleben zurück. Branchenbeobachter mutmaßen, sein Abgang könne damit zusammenhängen, daß der dicke Brocken CV schlechter verdaulich war als gedacht. Aber Joe Henson nicht zu verwechseln mit Namensvetter Jim, der bei den Muppets die Puppen tanzen läßt - Hatte sich auch im Präsidentschaftswahlkampf sehr, weit aus dem Fenster gelehnt. Der, Dukakis-Spezi aus Massachusetts, so hörte man im Oktober, sei angesichts eines zu erwartenden Bush/Quayle-Siegs nicht mehr tragbar gewesen. Schließlich braucht auch Prime Regierungsaufträge.

An Wang, Ehrenamerikaner

Der naturalisierte US-Bürger, der seinen Weg zum American Way of Life in Form des Buchs "Lessons" auch anderen nahezubringen versucht hat, steigt auf zu nationalen Ehren. Wang bekommt einen Platz in der Ruhmeshalle der amerikanischen Erfinder in Arlington.

John Cunningham, Wertschöpfer

Er war den Familienzwist bei den Wangs leid. Schließlich saß er als Geschäftsführer der Laboratorien in Lowell zwischen einigen Stühlen, und das öffentliche Hin und Her, das der alte Doktor An mit seinen Söhnen veranstaltete war keine gute Publicity. Cunningham suchte sich ein Objekt, an dem er seine Qualitäten besser unter Beweis stellen konnte, und stieg bei der Computer Consoles Inc. (CCI) in Waltham ein, nur ein paar Gemeinden weiter als Lowell. Im Dezember 1988 meldet er bei CCI Klarschiff". Die britische STC versilbert Cunningham seine Sanierung mit einer lukrativen Offerte und übernimmt den Laden.

Martin Goetz, Ex-Softwarepapst

Der Mitbegründer der Applied Data Research in Princeton, N.J., verläßt Anfang des Jahres die Firma und wird CEO der Syllogy Corp. in Hackensack. Seitdem ist es äußerst still um ihn. "Seine" ADR wird im Herbst an CA verkauft.

Bob Mnookin, Milliardenmacher

Rund, 1,4 Milliarden Mark aus der Kasse von Fujitsu hat Big Blue dem Schlichter der American Arbitration Association zu verdanken. Der Schiedsspruch aus 'dem Mund des Mannes, der - trotz seiner Ähnlichkeit zu Filmkomiker Groucho Marx erwiesenermaßen sehr ernste Verhandlungen zu führen imstande ist, beendet einen seit Über fünf Jahren andauernden Dissens über IBM-kompatible Mainframe-Systemsoftware.

Friedrich A. Meyer, Schöner Konsul

Der Wilhelmshavener Softwareveteran ist die längste Zeit Hauptaktionär der ADV/Orga F.A. Meyer AG gewesen.

Kurz vor Weihnachten steht fest, daß das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1987/88 nicht nur einen Umsatzrückgang, sondern auch einen Verlust in Höhe von fast zehn Millionen Mark gebracht hat. Die Presse hatte sich schon gewundert, warum nicht - wie gewohnt - im Spätherbst zur Bilanzpressekonferenz geladen worden war. Schwerer Schlag für den schönen Konsul: "Im Interesse des Unternehmens' übernimmt die Commerzbank AG seine Mehrheitsbeteiligung. Da hilft auch kein Bundeswehr-Kompetenzcenter in Meppen mit MBB-Beteiligung.

John Cullinane, Schneltheimkehrer

Nur kurz währt die Abwesenheit des Gründers der Cullinet Software Inc. Im Herbst 1987 hatte Cullinane das Szepter des Chairman an David Chapman übergeben, der - unterstützt von President George Tamke - das Unternehmen in die schwarzen Zahlen zurückbringen sollte. Doch schon im Frühjahr 1988 steht der Gründer wieder auf der Matte und tritt erneut ins Unternehmen ein, diesmal als Vice Chairman. Im Grunde war ich nie richtig weg", sagt er treffend. Chapman zieht sich zurück. Im Herbst packt auch Tamke seine Siebensachen.

Kaspar Cassani, IBM-Ruheständler

Aufstieg und Fall liegen bei Big Blue nah beieinander. Einer, der dies bestätigen kann, ist der Schweizer "Kap" Cassani, lange Zeit Europachef der IBM in Paris und im Jahre 1988 als Vice-Chairman quasi Gast der Muttergesellschaft in Armonk Kaum hat er sich am Hudson etwas umgesehen, ersucht er auch schon um Versetzung in den vorgezogenen Ruhestand. Nach dem Rückzug Cassanis als wohlbestallter Pensionär mit Aufsichtsrats-Apanage verläßt auch Gorbatschow-Lookalike C. Michael Armstrong, während Cassanis US-Intermezzo Interims-Europachef, seinen neuen Posten wieder. Er steigt auf ins Politbüro des ZK von Big Blue, das Management Committee. Momentan ist er es, dem man Chancen für die dermaleinst anstehende Nachfolge des noch sehr agilen, kaum älteren Konzernherrschers John Akers nachsagt. Einer seiner Vorgänger im Amt des Kronprinzen, Allan Krowe, schnürt im Oktober sein Bündel und wechselt die Branche: Er geht zu Texaco. Bill Lowe, Chef von IBMs PC-Division in Boca Raton, sieht sein Heil in einem Vorstandsjob bei dem Papier-Multi Xerox.

Klaus Amann, Ex-Fusionsgeschädigter

Der frühere Cincom-Chef war seinerzeit bei der Übernahme des Softwarehauses Uccel durch Computer Associates ins zweite Glied gerutscht - im fusionierten Unternehmen war nur Platz für einen Geschäftsführer. Und dieser Job war in Deutschland schon besetzt von CA-Manager Mario Pelleschi. Seit dem Abgang der ,Firma Uccel war es ruhig gewesen um Amann. Im Sommer '88 ist er wieder da: bei Morino Associates, einem ebenfalls amerikanischen Softwareanbieter. Auch in der neuen Firma erlebt Amann bald einen Zusammenschluß, allerdings einen der angenehmeren Art- Morino fusioniert zum Jahreswechsel 1988/89 mit Duquesne Systems, um nicht in die Fänge der akquisitionshungrigen Computer Associates zu geraten.

Henning Oldenburg, OSF-Prälat

Als "guter Mensch von Paderborn" will der bisherige Europa-CIM-Manager von Nixdorf den Anwendern in der Alten Welt die Segnungen der amerikanischen Open Software Foundation nahebringen. Oldenburg wird Manager der OSF@