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23.02.1979 - 

Remis vom ausgestreckten Roboterarm:

Levy noch mal entkommen

HAMBURG (ik) - Der internationale Schach-Meister David Levy ist noch mal mit einem blauen Auge aus dem Computerschachring davongekommen. Sein Gegner Cyber 176 von Control Data (siehe CW vom 3. 3. 78) stellte sich diesmal am 11. Februar in einer stark verbesserten Version als "Chess 4.8" den deutschen Fernsehzuschauern vor. (Die Einschaltquote betrug 41 Prozent.)

Allerlei elektronische Zauberei der CDC-Crew und vor allem ihres Obermagiers David Cahlander steckte in der 300 Baud Standleitung zwischen dem Control-Data Headquarter in Arden Hills/USA und dem Hamburger ZDF Studio Wansbeck. Fast vier Sekunden brauchte jedes Signal, bevor es über die 80 000 km lange kosmische Strecke zwischen Minneapolis, Cleveland via Satellitenfunk über Brüssel nach Frankfurt und per Telefon schließlich in Hamburg eintraf.

Eine Weltpremiere in dieser insgesamt dritten Finalbegegnung Mensch contra Maschine feierte auch der elektronische Roboterarm des deutschen - Unternehmens De Vilbiss aus Dietzenbach. Von einem Mikroprozessor (Motorola 6800) gesteuert, bewegte der Greifarm des Kyberneten die Figuren über vier Stunden lang millimetergenau auf dem leuchtenden Schachbrett. (Siehe Bild). Jeder Zug wurde mittels eingebauter Elektromagnetplättchen automatisch registriert und weitervermittelt.

Schon bei der Generalprobe der Leitung im Hamburger Curiohaus demonstrierte der superschnelle Cyber 176 (16 Millionen Basisoperationen pro Sekunde) vor über 1000 Zuschauern seine Stärke im Simultanspiel. Im Blitztempo (fünf Sekunden pro Zug) erzielte er gegen 21 verschieden starke Klubspieler 13 Punkte. Sogar den amtierenden Deutschen Meister Ludek Pachman (Internationaler Großmeister) hat "Chess 4.8" im Blitzspiel immerhin einmal überrumpelt.

Trotz dieser Vorwarnung (bei einem Sieg des Weltmeisterprogrammes hätten seine Schöpfer David Slate und Larry Atkin 5000 Dollar kassiert) stürzte sich der Herausforderer Levy in der Fernsehpartie in das taktisch risikoreiche Fahrwasser eines sogenannten Muziogambits. Nach 89 Zügen des nervenraubenden Kampfes, wobei sich das Blatt für die beiden Kontrahenten mehrmals wendete, gelang es dem Schotten trotz der Überlegenheit von einer ganzen Dame nicht, zu gewinnen.

Er mußte schließlich das Remis-Angebot des ausgestreckten Roboterarmes annehmen.

Ein Telexkommentar des Programmautors David Slate: Diesmal ist der gute Levy noch einmal entkommen, aber ihm steht noch die nächste Begegnung mit "Chess 4.8" bevor!

Den Partieverlauf schildern wir ausführlich in der nächsten CW.