Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.02.1998 - 

Weiteres Wachstum könnte jedoch Probleme bereiten

LHS: Ein Winzling auf dem Weg zum Weltmarktführer

"Wir entwickeln nicht ins Blaue hinein", beschreibt Wolf Gaede, Vorstandsmitglied der LHS Group, eine der Besonderheiten seiner Company. Das Produkt-Flaggschiff, die Abrechnungs- und Kundenverwaltungs-Software "Business Support and Control System" (BSCS) wird lediglich als Framework ausgeliefert und quasi vor Ort den spezifischen Anforderungen der Kunden angepaßt. Offensichtlich mit Erfolg, denn das 1990 von zwei früheren IBM-Mitarbeitern in Frankfurt am Main gegründete Unternehmen hat seither einen rasanten Aufschwung genommen. Aus 2,8 Millionen Dollar Umsatz (1992) sind im Geschäftsjahr 1997 bereits 105,4 Millionen Dollar geworden (siehe Abbildung). Ähnlich positiv verlief die Gewinnentwicklung: Der Ertrag vor Steuern stieg allein 1997 gegenüber dem Vorjahr um 194 Prozent auf 16,4 Millionen Dollar. Der Gewinn je Aktie betrug 46 (16) Cent, teilte die LHS Group in ihrer ersten Bilanzpressekonferenz mit.

Doch den Markt, in dem seine Company agiert, hält Gaede für längst noch nicht ausgereizt. Das weltweite Volumen bei sogenannten Customer-Care-Produkten für Netzbetreiber dürfte nach jüngsten Erhebungen von G2 Research bis zum Jahr 2000 um jährlich 40 bis 45 Prozent von derzeit zwei auf 8,4 Milliarden Dollar ansteigen. "Um unseren gegenwärtigen Marktanteil auszuweiten, werden wir also um einiges mehr wachsen müssen", gab der LHS-Manager als Devise aus.

Bisher hat sich die LHS Group nach Angaben Gaedes hauptsächlich auf Start-ups im Mobilfunk und einige Newcomer in der Festnetztelefonie konzentriert. Die Tatsache, daß es Ende 1998 aufgrund der Deregulierung der TK-Märkte weltweit vermutlich knapp 5000 Carrier mit einer Netz- und/oder Service-Lizenz geben dürfte (Quelle: ITU), zeige "das gewaltige Potential, das wir noch erschließen können".

Darüber hinaus müßten auch die etablierten Telefongesellschaften über kurz oder lang "ihre Legacy-Systeme ablösen". Mit der eigenen Lösung, deren Kern aus einer auf Client-Server-Bedürfnisse zugeschnittenen Oracle-Datenbank besteht, könne man jedenfalls "flexibel auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren".

BSCS unterstützt LHS-Angaben zufolge die Mobilfunk-Standards GSM, CDMA sowie AMPS und wurde zudem auch um Features erweitert, die eine Verwendung als Abrechnungssystem für festnetzbasierte Telefonie, Internet- und Satelliten-Dienste zulassen. Entscheidendes Kriterium für den Einsatz der Software ist aber: Mit ihren Billing- und Kunden-Management-Tools läßt sie sich damit auch als Marketing- und Wettbewerbs-Instrument verwenden.

Trotz der - gemessen an den Prognosen der Marktforscher für Customer-Care-Software - geringen Umsatzgröße ist die LHS Group in diesem Markt bereits einer der führenden Anbieter (siehe Kasten "Wettbewerber"). Das liegt daran, daß viele der großen Carrier immer noch auf eigenentwickelte proprietäre Lösungen setzen. Chance und Risiko zugleich also für ein gemessen an den Verhältnissen in der Software-Branche noch sehr kleines Unternehmen (derzeit 850 Mitarbeiter), das seine Produkte vielfach nur mit Hilfe von Partnern wie Alcatel, Andersen Consulting, Cap Gemini, EDS und IBM in den Markt bringen kann.

Zudem könnte noch ein anderes Problem den Weg zu der laut Gaede angestrebten "strategischen Weltmarktführerschaft" gefährden: Die Implementierung der Software ist sehr beratungsintensiv. In der Regel ist mit Projektlaufzeiten von mindestens einem Jahr zu rechnen - weil die jeweilige Lösung kundenindividuell angepaßt werden muß. Was sich in der LHS-Bilanz niederschlägt: Das Unternehmen investierte zwar 1997 mit 19 Prozent vom Umsatz vergleichsweise wenig in die Produktentwicklung, erzielte aber nur 38 Prozent seiner Einnahmen aus dem Lizenzverkauf. "Bei SAP ist dieses Verhältnis in etwa spiegelverkehrt", gibt Gaede zu.

Den Rest an Einnahmen bringen die personalintensiven Consulting- und Serviceleistungen in die LHS-Kasse. Konsequenz: Das weitere Wachstum der Company bedarf vor allem einer Aufstockung der eigenen Beratertruppe und dürfte somit teuer werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund hatten sich die LHS-Verantwortlichen bereits 1995 für die Verlegung des Firmensitzes nach Atlanta im US-Bundesstaat Georgia sowie den Börsengang an der Nasdaq entschieden, dem im vergangenen Jahr im Zuge eines Dual-Listings das Going Public am Neuen Markt in Frankfurt folgte. Weiteres Kapital floß durch den Einstieg der Venture-Capital-Firma General Atlantic Partners in das Unternehmen, die derzeit 25 Prozent der Anteile hält. Doch den Plänen Gaedes und seiner Vorstandskollegen tun derlei Bedenken keinen Abbruch. Nicht nur weiteres Wachstum ist angesagt, sondern vermutlich auch der Gang in andere Märkte: Microsoft hat angeblich für die LHS-Software als Internet-Billing-System Interesse gezeigt. Vor allem aber könne man sich, so Gaede, eine Version für Energieversorgungsunternehmen "mittelfristig durchaus vorstellen".

Wettbewerber

Mit ihren derzeit weltweit laufenden 110 BSCS-Installationen (46 Prozent davon in Europa, 42 Prozent in den USA) samt den Ergänzungsprodukten "Apsis" (einem Programm zum Einspeisen von Informationen auf eine SIM-Card) und der Call-Center-Plattform "Intelligent Call Center" (ICC) gilt die LHS Group in puncto Marktdurchdringung als einer der führenden unabhängigen Anbieter von Abrechnungssystemen für Telefongesellschaften. Marktführer bezogen auf den Umsatz ist, wenngleich keine konkreten Zahlen vorliegen, die US-Company Kenan, mit deren Software "Arbor/BP" unter anderem AT&T, British Telecom (BT) und France Télécom arbeiten. Weitere Wettbewerber von LHS sind das schottische Unternehmen Kingston-SCL mit dem Produkt "Jupiter" sowie Saville Systems, eine US-Firma, die sich auf Billing-Systeme für die in Nordamerika in großer Zahl vorhandenen Verkaufsbüros der Carrier spezialisiert hat.

Quelle: Société Générale Euro Research