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11.01.1980

Liaison-Usancen

Von Dieter Eckbauer

Wieder mal ist eine gemeinsame europäische Datenver-arbeitungskooperation im Gespräch, an der laut Cll-Honeywell-Bull-Chef Jean-Pierre Brule neben dem französischen Computer-Konzern die britische International Computers Limited (ICL) und die deutsche Siemens AG beteiligt werden sollen (vgl. Seite 1). Brule schwebt offenbar eine "europäische Gemeinschaft der großen Drei" als Antwort auf die Herausforderung durch IBM vor, obgleich es ein Cll-HB-Sprecher sorgsam vermied den Angstgegner beim Namen zu nennen. Brule habe erklärt, daß er eine Zusammenarbeit in den Bereichen Peripheriegeräte, Sprachcomputer und Rechnerkomponenten favorisiere, heißt es.

Während ein ICL-Sprecher bestätigte, daß Unterredungen über einen Technologieaustausch in Paris stattgefunden hätten, wurde von den Münchnern betont, daß derzeit "keine Gespräche über eine Kooperation mit anderen europäischen Herstellern geführt werden". Selbstbewußt bietet sich Siemens vielmehr als OEM-Lieferant an und verweist auf bestehende Abkommen mit japanischen und amerikanischen Herstellern.

Soweit die Fakten, wenn man überhaupt von solchen sprechen kann. Sie deuten auf nichts hin, was nicht schon seit langem bekannt wäre: Cll-HB wunscht eine Zusammenarbeit "außerhalb der IBM", die man langst hatte haben können (Unidata); die ICL will aus ihrer insularen Isolation und damit aus der Abhangigkeit von staatlichen Großabnehmern heraus - und was Siemens angeht, so kann es den Münchnern niemand verübeln, daß sie europäischen Lösungen gegenüber zurückhaltend sind, ja mit Fleiß ihre Selbständigkeit auf dem Technologiesektor betonen.

Bereits zweimal haben sie in Sachen Kooperation Lehrgeld zahlen müssen: Zuerst als RCA-Partner und spater als Unidata-Geschädigter.

Es waren schließlich die Franzosen, die 1975 die Unidata platzen ließen, als einer Fusion von Cll mit Honeywell Bull der Vorzug vor der Ehe mit Siemens und Philips gegeben wurde - eindeutig nationaler Computerinteressen wegen.

Denn die Cll-Großrechner waren passe, und man befürchtete, als Juniorpartner von Siemens untergebuttert zu werden.

So riskierte der damalige französische Industrieminister Michel d'Ornano lieber den Affront der Bundesrepublik (beim Unidata-Experiment standen beträchtliche Summen aus Fördertöpfen auf dem Spiel) - in der Hoffnung freilich, die Liaison mit Honeywell schließe eine Wiederheirat auf "europäisch" nicht ein für allemal aus.

Orakelte seinerzeit Dr. Jürg Tschirren, Alleinvorstand der deutschen Honeywell Bull AG, Köin: "Siemens ist heute noch Konkurrent, aber die Zukunft kann das ändern."

Seither hat es nicht an Bemühungen seitens Cll-HB gefehlt, die deutsch-französischen Beziehungen im Bereich der Datenverarbeitung zu normalisieren, wobei insbesondere Brule stets auf die Wettbewerbskomponente (IBM-Dominanz auf dem europäischen Markt) hinwies. Bei allen Flirtversuchen hat Siemens die kalte Schulter gezeigt - aus verständlichen Gründen (siehe Cll-Alleingang).

Indes: Je mühsamer sich die Versuche ausnehmen, zu einer Annäherung zu kommen, um so deutlicher zeigt sich, daß es zu der auf Kooperation gerichteten Unternehmenspolitik Brules keine Alternative gibt: Wenn die Europäer eine bessere Wettbewerbslage gegenüber den führenden US-Herstellern erreichen wollen, dann müssen sie gemeinsame Kompatibilitäts-Strategien entwikkeln.

Einziger Ausweg: Zusammen müssen verbindliche Standards für Großcomputer entwickelt werden, die die Amerikaner zur Anpassung zwingen.

Sinngemäß wird dies auch von der EG-Kommission gefordert, die davor warnt das wachstumsträchtige DV-Gebiet allein den amerikanischen Unternehmen zu überlassen.