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15.01.1999 - 

IT in der Energiewirtschaft/DEW reagierte mit integrierter Planungssoftware

Liberalisierung stellt auch die Unternehmensplanung zur Disposition

Der Energiesektor verlangt Software-Tools, die Reaktions- und Simulationsmöglichkeiten bieten und dazu vielseitig einsetzbar sind. Hermann Bley schildert die Anwendung eines solchen Instruments bei der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW).

Nach der Gründung nahm die DEW zum 1. Januar 1995 ihren Geschäftsbetrieb auf. Sie übernahm das SAP-System der Muttergesellschaft, Dortmunder Stadtwerke AG (DSW), und ergänzte es entsprechend.

Bei der ersten Mittelfristplanug wurden als Hilfsmittel eigenentwickelte "Excel"-Modelle für die Erfolgs- und Finanzplanung und "Access"-Datenbanken für die Großreparaturplanung verwendet. Damit waren aber Variantenrechnungen sehr aufwendig und unübersichtlich. Spartenbetrachtungen waren nur in sehr vereinfachter Form möglich, und es gab keine automatische Erstellung von Planbilanzen. Für Plan-Ist-Vergleiche und regelmäßige Berichte bedurfte es eines sehr hohen manuellen Aufwands.

All das konnte kein Dauerzustand sein. Für Erfolgs- und Finanz-, Budget-, Investitions- und Großreparaturplanung bedurfte es einer flexiblen Software.

Bei der Erfolgs- und Finanzplanung müssen alle wirtschaftlichen Daten berücksichtigt werden. Für ein Versorgungsunternehmen betreffen die wichtigsten Teilpläne Ab- und Umsatz, Bezug und Erzeugung, Aufwand und Personal. Die Ergebnisse der Budgetplanung, die in dem SAP-System abgebildet werden, sind mit der Erfolgs- und Finanzplanung zu verknüpfen. Die Investitions- und Großreparaturplanung betrifft Maßnahmen ab Kosten von 20000 Mark.

Die DEW entwarf zusammen mit der DSW ein Anforderungsprofil für die benötigte Software. Auf betriebswirtschaftlicher Ebene ergab sich unter anderem ein Bedarf an Simulationen und Soll-Ist- Vergleichen. Bestehende Pläne und Verknüpfungen mußten sich in neue Szenarien übernehmen sowie alle Teilpläne miteinander verbinden lassen. Aktuelle Daten sollten immer verfügbar sein, dazu kam der Wunsch nach universellen Berichtsfunktionen.

Was Datenim- und -export betraf, wollte man auf SAP- und Microsoft-Produkte (Windows) setzen. Auf jeden Fall vonnöten waren Mehrplatz- und Netzfähigkeit, Formel- und Grafikfunktionen sowie zuverlässige Sicherheits- und Zugriffskonzepte. Qualifizierte Sachbearbeiter sollten die Anwendung ohne Programmierkenntnisse bedienen und anpassen können.

Ein Marktvergleich und mehrere Präsentationen mit branchenspezifischen und anderen Produkten zeigte, daß kein Standardprodukt auf dem Markt die gestellten Anforderungen erfüllte. Viele Unternehmen hatten selbstentwickelte Lösungen im Einsatz - häufig Tabellenkalkulationen. PC-Planungsprogramme basierten zum Teil auf schwierigen und zeilenorientierten Planungssprachen und besaßen keine Windows-Umgebung. Zudem arbeitete kein Produkt mit dem SAP-System zusammen.

Schließlich entschied sich eine Projektgruppe aus DEW und DSW für das Unternehmensplanungssystem "Infoplan" von der Münchner Softwareschmiede IBS Springer und Thurner. Im Oktober 1995 kam als erstes ein Testsystem des Moduls "Erfolgs- und Finanzplanung" ins Haus und im Mai 1996 die Erstversion der "Investitions- und Großreparaturplanung". Nach umfangreichen Tests und Anpassungen erfolgte im Herbst 1996 die erste Mittelfristplanung mit dem kompletten Datenvolumen unter Anwendung auch des neuen Produktes. 1997 wurde das System weiter verbessert und ergänzt. Das betraf unter anderem Berichtsfunktionen, Plandatenübertragung beim Jahreswechsel, den Datenimport aus SAP-Software sowie die Spartenrechnungen.

Seit Juli 1997 ist das mittlerweile zum Standardprodukt gereifte Planungssystem auch im Rahmen der monatlichen Berichterstattung produktiv. Durch den Datenimport aus den SAP-Systemen werden Plan- Ist- Vergleiche sowie Ursachenanalysen auf Einzel-, Teil- beziehungsweise Gesamtplanebene ermöglicht. Die Plandaten lassen sich ihrerseits in das SAP-System exportieren und weiterverarbeiten. Simulationen und schnelle Plananpassungen machen es möglich, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren.

Der Wirtschaftsplan für 1998 und der Mittelfristplan bis 2002 wurden erfolgreich aufgestellt. Simulationen waren dabei eine große Hilfe. Die monatlichen Plan-Ist-Auswertungen wie auch Berichte und Sonderauswertungen (Kennzahlen) zum Beispiel für Aufsichtsratssitzungen werden direkt erstellt. Da im Rahmen der Plan-Ist-Verknüpfungen nicht nur Daten aus der Buchhaltung, sondern auch aus dem Kostenrechnungssystem verarbeitet werden, ist eine differenzierte Spartenbetrachtung beziehungsweise zukünftig auch eine Unbundling-Rechnung möglich. Ein Wechsel auf Oracle- Datenbanken 1998 verlief unproblematisch.

Auf Dauer sollen die Absatz- und Ertragsplanung des Energiewirtschafts- und Vertriebsbereichs intergeriert werden. DEW und DSW wollen dadurch Marktveränderungen insbesondere Großkunden schneller erkennen.

ANGEKLICKT

Die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH setzt auf ein neues Unternehmensplanungsmodell. Die flexible Ausgestaltung der entsprechenden Software ermöglicht es, die Unternehmensstrukturen und Datenumgebungen abzubilden und in die Planungsteilbereiche zu integrieren. Ohne großen Aufwand kann das System bei Veränderungen durch eigene Mitarbeiter angepaßt werden. Durch die Integration und durch leistungsfähige Verbindungen zu den bestehenden Buchhaltungs- und Kostenrechnungsprogrammen von SAP ist das Controlling-System wesentlich verbessert worden.

Die DEW

Die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH ist ein junges Querverbund-Versorgungsunternehmen, das zum 1. Januar 1995 seinen Geschäftsbetrieb aufgenommen hat. Entstanden ist es durch die Verbindung von Versorgungsbetrieben der Dortmunder Stadtwerke AG (Erdgas-, Wasser- und Wärmeversorgung) und der VEW-AG (Strom- und Fernwärmeversorgung).

Die DEW versorgt in einem mehr als 300 Quadratkilometer großen Gebiet, das von zirka 625000 Bürgern bewohnt wird, Haushalts-, Gewerbe- und Industriekunden mit Strom, Erdgas, Nahwärme, Fernwärme und Wasser. Das Unternehmen beschäftigte 1997 insgesamt 1530 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 989 Millionen Mark. An der DEW sind die Dortmunder Stadtwerke AG (DSW) mit 55,5 Prozent und die VEW-Energie AG mit 45,5 Prozent beteiligt.

Konfiguration

Im Hardwarebereich sind 14 Compaq "Proliant Server" (zum Beispiel Datenbank und File-Server) von Compaq im Einsatz, die mit zirka 900 Arbeitsstationen, viele davon mit Pentium-Prozessoren, verbunden sind.

Als Betriebssysteme werden OS/2, Windows 95 und Windows NT verwendet. Die betriebswirtschaftliche Standardsoftware kommt von SAP. Die Unternehmensplanung wird DV-technisch mit "Infoplan" von IBC Springer & Thurner abgedeckt. Für die Bürokommunikation werden die "Office"-Produkte von Microsoft eingesetzt.

Hermann Bley ist Leiter der Betriebswirtschaft bei der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW).

Abb: Das System fügte sich in die bestehende DV-Landschaft ein. Quelle: IBC