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14.08.2006

"Licht am Ende des Tunnels"

Sun Microsystems ist im Umbruch. Don Grantham, Executive Vice President Global Sales & Services des Unternehmens, gab CW-Redakteur Ludger Schmitz Auskunft über den Stand der Dinge.

CW: Suns am 30. Juni abgelaufenes Geschäftsjahr 2005/06 verlief mit deutlich gestiegenen Umsätzen, aber auch Verlusten insgesamt enttäuschend. Das letzte Quartal ragte dabei heraus mit mehr als 20 Prozent Umsatzplus, aber auch überproportional hohen Verlusten. Noch ist kein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen.

Grantham: Ganz im Gegenteil! Wir haben ein bisher nicht erlebtes Umsatzwachstum geschafft, im vierten Quartal kamen wir auf 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Teil davon ist zwar durch die Übernahme von Storagetek zu erklären. Aber ein großer Teil ist organisches Wachstum bei klassischen Produkten.

CW: Gab es regional unterschiedliche Entwicklungen?

Grantham: Wir haben welt- weit 15 Verkaufsregionen, Geographic Enterprise Markets. Von diesen haben zehn ein zweistelliges Umsatzwachstum geschafft. Wir haben weltweit einen Sprung gemacht.

CW: Aber unterm Strich sah es nicht so gut aus.

Grantham: Wir sind mit der Entwicklung der Gewinnmarge zufrieden. Im vierten Quartal lag sie nur 0,2 Prozent unter dem Vorquartal mit 43 Prozent. Tatsächlich ist die Gewinnmarge im Jahresvergleich sogar gestiegen, nämlich von 41,2 auf 42,8 Prozent. Die Margenerosion ist aufgehalten. Und das, obwohl wir signifikanten Aufschwung im Geschäft mit x86-basierenden Servern erlebt haben. Der Absatz von Servern mit dem Niagara-Prozessor ist innerhalb eines Quartals von null auf gut 100 Millionen Dollar gekommen. Die Galaxy-Server mit Opteron-CPUs, gestartet im Dezember letzten Jahres, brachten seither schon rund 500 Millionen Dollar Umsatz. Lowend-Produkte bringen die Margen unter Druck, aber wir haben die Spanne trotzdem gehalten.

CW: Trotzdem sind da immer noch rote Zahlen.

Grantham: Wir haben im Mai angekündigt, 4000 bis 5000 Mitarbeiter weltweit zu entlassen. Damit waren vor allem im vierten Quartal große Kosten verbunden. Aber es geht bei der Senkung der Kosten nicht nur um Entlassungen, sondern auch um andere Posten wie beispielsweise Immobilien. Auch in dieser Hinsicht haben wir vor allem in den USA die Ausgaben drastisch gesenkt.

Das erste und zweite Quartal des neuen Geschäftsjahres könnten noch von Restrukturierungskosten belastet werden. Aber wir glauben, jetzt auf dem besten Weg zu sein, im nächsten vierten Quartal vor Steuern einen Gewinn im mittleren einstelligen Prozentbereich ausweisen zu können. Das Licht am Ende des Tunnels ist zu erkennen. Wir haben nach Analysen von Gartner, IDC und Forrester Research schon im dritten Quartal des letzten Geschäftsjahres im Unix-Server-Markt als einziger Anbieter Anteile gewonnen, und zwar von IBM. Und das vierte Quartal ist auch sehr gut gelaufen.

CW: Durch Personalentlassungen Kosten zu senken ist die Standardstrategie jedes Managements im Fall einer Krise. Den meisten fällt nichts anderes ein, was ihr Unternehmen auf Anforderungen der Zukunft ausrichten könnte.

Grantham: Das ist bei uns anders. Die Kosten zu senken ist bei uns nur eine Maßnahme. Diese allein wird uns nicht erfolgreich machen. Wir müssen wachsen. Wir haben vier Geschäftsfelder: Systeme, Software, Services und Storage. In diesen bieten wir Wahlmöglichkeiten und zusammengenommen offene Plattformen. Das ist unser Wettbewerbsvorteil, und die Einstiegsschwelle ist sehr niedrig. Unser Angebot war noch nie so umfassend. Wir haben in den letzten zwei Quartalen bereits eine positive Reaktion des Marktes darauf registriert. Wir erwarten Wachstum in allen vier Geschäftsfeldern.

CW: Dabei wird aber zu bedenken sein, dass Sun durch seine zunehmende Open-Source-Orientierung Lizenzeinnahmen verlieren wird.

Grantham: Das ist grundsätzlich richtig. Wir bewegen uns weg vom Lizenzmodell hin zu einem Subskriptionsmodell. Noch steht diese Entwicklung am Anfang. Langfristig wird das Subskriptions- das Lizenzgeschäft ablösen.

CW: Sun entlässt Mitarbeiter, die verbleibenden sollen nach dem "iWork"-Konzept möglichst daheim in Home Offices arbeiten, und schließt lokale Niederlassungen. Und dadurch will Ihr Unternehmen "näher an die Kunden kommen"?

Grantham: Rund 10 000 unserer 38 000 Angestellten arbeiten jetzt nach dem iWork-Konzept. Nach unseren internen Mitarbeiterbefragungen kommt es sehr gut an. Es hilft den Mitarbeitern, ihre Lebensqualität zu verbessern, es gibt ihnen mehr Flexibilität und erspart ihnen Fahrtzeiten zum und vom Arbeitsplatz. Es bringt die Mitarbeiter näher an die Kunden. Ich will unsere Leute nicht in Sun-Büros sitzen sehen, sondern bei Kunden. Wenn sie zu Hause arbeiten und dann zu den Kunden fahren, ist es besser, als wenn sie erst zum Sun-Büro fahren, dort Arbeiten erledigen und dann zum Kunden fahren.

Wir haben die Produktivität der Mitarbeiter gemessen. Sie ist bei iWork-Mitarbeitern um 20 Prozent gestiegen. Außerdem sparen wir durch effektivere Büronutzung an Immobilienkosten. Nicht zuletzt steigt mittelfristig die Zufriedenheit der Mitarbeiter, wie wir in Befragungen ermittelt haben. In den ersten sechs Monaten sinkt sie allerdings, weil es die Leute nicht gewohnt sind, so zu arbeiten.

Außerdem schließen wir nicht einfach Niederlassungen. Wir verwandeln sie in "Drop-in-Center". Das sind Orte im Flair eines Internet-Cafes, an denen sich Mitarbeiter und Kunden treffen können. Es gibt für unsere Mitarbeiter keine fest zugeordneten Büros mehr.

CW: Sun ist bekannt für traditionell hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) im Verhältnis zum Umsatz. Gibt es hier Kürzungen?

Grantham: Wir investieren derzeit pro Jahr fast zwei Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Jonathan Schwartz und einige Mitarbeiter haben vor einigen Monaten eine genaue Untersuchung unserer FuE-Ausgaben erstellt. Die Frage war, ob es Lücken oder Doppelentwicklungen gibt. Parallel gab es eine Untersuchung, ob wir Marktanforderungen erfüllen, ob unsere Entwicklungsarbeiten sie erfüllen oder nicht. In der Tat haben wir Doppelentwicklungen entdeckt, die wir gestoppt haben, oder Projekte, deren Zeitpläne zu aggressiv waren.

CW: Was hat sich aufgrund der Kundenanforderungen an Suns Portfolio geändert?

Grantham: Die Kunden wollten ein breiteres Storage-Portfolio. Das hat die Übernahme von Storagetek erheblich beeinflusst. Ein anderes Beispiel sind zunehmende Anforderungen in Richtung Service-orientierte Architektur. Das führte zur Übernahme von Seebeyond.

CW: In Sachen Linux und Open Source hat Sun lange Zeit durch widersprüchliche Aussagen verwirrt. Sind die Positionen jetzt klarer?

Grantham: Wir waren unsicher. Ich glaube, seit etwa zwei Jahren sind unsere Positionen eindeutig. Und ich gehe davon aus, dass es dabei bleibt. Nächste Woche werden wir eine Open-Source-Roadmap für Java vorlegen.

CW: Wie weit ist Sun mit dem Wandel vom Lizenz- zum Servicegeschäft infolge von Open-Source-Produkten?

Grantham: Wir arbeiten daran. Es ist sicher noch nicht alles getan. Aber wir haben viel in die Wege geleitet. Wir brauchen für den Übergang ein Modell, das den Wunsch jener Kunden berücksichtigt, die beim Lizenzverfahren bleiben möchten, während andere lieber schon gestern zum Subskriptionsverfahren gewechselt wären. Wir werden irgendwann unsere Software nur noch mit dem Subskriptionsvertrag anbieten. Aber der Übergang braucht Zeit. Es ist ein wichtiger Abschnitt in der Evolution unseres Business-Modells.