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09.01.1976

Liebe Hinterbliebene!

Die erste CW-Schlagzeile im neuen Jahr: "Auch Singer wirft das Handtuch." 1975 waren es Xerox und Philips, die sich aus dem Mainframe-Geschäft, der Produktion und der Vermarktung von Universalrechnern zurückzogen, jedesmal auf der CW-Cartoon-Seite standesgemäß beerdigt. Die Standard-Zeichnung wird schon langweilig.

Wer ist der nächste? Wer bleibt eigentlich? Einstmals hieß es: IBM und die sieben Zwerge. In den USA konkurrieren von den Alten immerhin noch: Univac, Honeywell, CDC, NCR, Burroughs - mancher behauptet, unter den Kleinen einer der Größten zu sein. Und weltweit gibt es Fußkranke, unterstützt mit Regierungskrücken. Der Unidata-Phoenix zerfiel in Asche. Daß selbst Weltkonzerne wie General Electric und RCA mit Milliarden-Verlusten aus dem Mainframe-Game ausstiegen, wird in diesen Tagen erneut in Erinnerung gerufen, da deren Ex-Computer-Bosse im Jahrhundert-Prozeß USA versus IBM vor Richter David V. Edelstein aussagten. Tenor: Wir waren schon gut, das Geld fehlte, um auch zukünftig so gut zu bleiben wie IBM. Die gleiche Argumentation jetzt auch beim Singer-Exitus.

Die Nicht-IBM-Anwender, die sich immer schon für die noch cleveren DV-Menschen hielten und sich gerne mit wechselseitigem Mutzuspruch darin betätigten, werden sich erneut fragen, ob denn realisierte Einsparungen (Es war immer schon etwas billiger, nicht IBM zu wählen) tatsächlich die psychischen Belastungen und das Risiko um die Karriere wert sind. Selbst unter den IBM-Anwendern kaum einer der nicht auf IBM schimpft und solche Ausschaltung von Konkurrenz bedauert.

Heulen und Zähneklappern?

Haß-Liebe ist das. Die einen wissen, daß sie dem ach so teuren, ach so arroganten Marktführer nicht entgehen können - zumal sie gar nicht wollen. Die anderen fürchten, daß auch er sie noch einmal umarmen wird. Soll die ganze DV-Welt eine brave IBM-Welt werden? Einiges spricht doch wohl dagegen, daß jetzt Heulen und Zähneklappern ausbricht.

Univac übernahm vorbildlich Wartung und Service für die RCA-Kundenbasis, Honeywell erbte einst die GE- und jüngst die Xerox-Anwender. Auch für Singer's Business Machines Division wird sich ein Käufer finden, der die Singer-Verpflichtungen bei der Kundenbetreuung geradezu so gut übernimmt, wie Univac und Honeywell das schon taten.

Hardware macht ohnehin schon weniger als 50 Prozent der DV-Ausgaben der Wirtschaft aus. Und davon 50 Prozent höchstens entfallen auf Zentraleinheiten. In der Computer-Branche behaupten sich - seit Jahrzehnten bald - nicht nur einige, sondern wohl Hunderte von spezialisierten Firmen, die Terminals und Kleinsysteme in den unterschiedlichsten Varianten produzieren.

Zum anderen gibt es so durch und durch gesunde Firmen wie DEC, Interdata, Data General und so weiter - ja auch Nixdorf -, die zunehmend und auch ernstlich mit Mega-Minis und Midi-Maxis den alten Mainframern Konkurrenz machen.

Des weiteren Konkurrenz auch vom ganz, ganz anderen Ende: Amdahl's Großrechner 470/V6, vielleicht gar Seymor Cray's Cray-1, Super-Duper-Vector Scalar-Jumbo.

Ferner Bewegung durch ganz neue Technologien: Goodyear Aerospace's Assoziativer Feldrechner Staran oder die Imsai-Hypercubes als Distributed Array Processoren.

Schließlich auch wird es zunehmende Hardware-Unabhängigkeit durch höhere Programmiersprachen und vielleicht eines Tages durch genormte Datenbank-Software geben, so daß man zunehmend mit dem Risiko leben kann, eventuell die Hardware wechseln zu müssen.

Wer lacht zuletzt?

Für den, der das Besondere will - und sei es nur, weil er sparen muß - wird es immer noch Alternativen neben dem IBM-Angebot geben - sicherlich riskanter, aber auch erheblich kostengünstiger.

Noch ist nicht erwiesen. daß die ehemaligen RCA-, GE-, Xerox-. Philips-, Singer-Kunden durch das Aussteigen ihres Herstellers tatsächlich so große Unannehmlichkeiten hatten. Vielmehr kann - wie Marktforschung ergab - für die Univac RCA-Übernahme das Gegenteil behauptet werden.

Und selbst wenn es Schwierigkeiten gab, gibt oder geben sollte: Hat jemand eigentlich mal durchgerechnet, wieviel potentiellen Ärger man bei wieviel Einsparung getrost ins Kalkül einbeziehen darf?

Zuletzt lacht, wer die billigste Gesamtrechnung hatte.