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10.04.1981 - 

Seufzer eines Registratur-Abhängigen:

Lieber den täglichen Frust als EDV

10.04.1981

FRANKFURT (bi) - Da hat einer die EDV abgelehnt, obwohl er doch tagtäglich seine liebe Mühe hat mit einer Arbeit, die für eine EDV nur ein Klacks wäre. Die Seufzer eines von so viel Ignoranz oder Platzhirsch-Allüre Geschädigten, der fast schon resignierte, formulierte Karl Zimmerer "aus seiner Sicht" in der FAZ*. Allzuweit dürfte die glossierte Situation von der Realität nicht entfernt sein.

Die Besprechung mit dem Registrator über die Umstellung auf die EDV verläuft negativ. Er sagt: Im letzten Jahr haben mehr als zweihundert Kunden ihren Namen geändert. Durch die Ortszusammenlegung kommen neue Ortsnamen vor. Die Umstellung der Anschriften auf Postfachnummern - dadurch werden die Briefe schneller verteilt - braucht auch ihre Zeit. Außerdem sei das Versetzen der leitenden Herren der deutschen Wirtschaft in immer neue Positionen außerordentlich schwierig. Viele von ihnen führen im Briefkopf nicht mehr den Namen ihres Unternehmens. Auch die Sekretärinnen beklagen sich, daß wir sie anhalten, eine leitende Persönlichkeit mit Doktorgrad und Vorstandsvorsitzer-Titel zu bezeichnen, wo die meisten von ihnen verschiedene Briefbogen benutzen: einen mit Titel, den anderen ohne. Was man dazu sagen solle, daß zum Beispiel Bankvorstände die schlechte Angewohnheit hätten, als Adresse die Bank anzugeben, aber das Postfach und den Namen der Firma wegzulassen. Dadurch verzögert sich jeder Brief um einen Tag. Man müsse außerdem dauernd in den Verzeichnissen nachsehen, welche Telefonnummer und welcher Fernschreib- beziehungsweise Telefax-Anschluß vorliege. Dabei wiederholen sich etliche Namen mehrfach. Man könne doch nicht immer im "Handbuch der leitenden Männer" nachsehen, um wen es sich handle. Auch die ausländischen Verhältnisse seien nicht mehr so, wie sie einmal waren. Da werde ihnen ein Brief diktiert an Alusuisse; im Briefkopf der Firma hieße es dann aber "Schweizerische Aluminum AG". Noch schlimmer stehe es mit Svenska Tändsticks. Die laufe unter Swedish Match und unter Schwedische Zündholz. Was das denn solle. Man könne doch von einer einfachen Sekretärin mit Normalabitur oder von einem Ableger, der von der Bundeswehr ausgebildet worden sei, nicht verlangen, daß sie mit allen Veränderungen auf dem laufenden seien. Im übrigen sei Sekretariatsarbeit wie Registraturtätigkeit mit zwei bis drei Stunden Suche täglich verbunden. Wo man denn "3M" ablegen solle, etwa unter "Drei M"? Aber weshalb nehme diese bedeutende Firma denn dann nicht den alphabetischen Namen ans' Die Franzosen mit ihrer Abkürzungswut seien die schlimmsten Sünder. Da brauche man schon einen besonderen Spürsinn, um festzustellen, welche Firma etwa zur Thomson-Brandt-Gruppe welche zur Paribas gehöre. Apropos Paribas. Heißt die nicht eigentlich Banque de Paris et des Pays-Bas? Aber es gäbe auch die Compagnie.... und die Group... und die Paribas Corporation. Und in Antwerpen hieße sie wieder ganz anders. Genau wie die Allgemeine Elsässische, von den Schweizer Banken ganz zu schweigen. Wir ändern doch auch nicht unseren Namen, wenn wir über die Sprachgrenze hinaus reisen? Weshalb tun das denn die Banken? Weshalb habe ein Haus verschiedene Bezeichnungen? Die US-Ölkonzerne hätten mit ihren Abkürzungen auch nichts Gutes bewirkt. Was hat denn die Chevron mit der Socal zu tun? Die Briten machen es mit ihren komischen Briefgrößen den Ablegern auch schwer, aber wenigstens wisse man, daß ein klein geschnittener Bogen aus England komme, und daß dort nicht nur die Liebesleute, sondern auch die Insdustriemanager farbiges Briefpapier benutzen, auch daß man dorthin die Anrede mit der Hand schreiben müsse. Die Chefs wissen das nicht immer.

Wenn wir das alles auf eine Linie bringen müssen, mit Bildschirmabruf und so, dann bräuchten wir mehrere Akademiker, um das alte Schriftgut neu zu ordnen, und wir brauchen eine eigene, recht gebildete Dame (allerdings keine Diplom-Volkswirtin, frischgebacken, denn die wisse noch nicht einmal, was denn hinter der Veba stecke), am besten einen Wirtschaftsjournalisten a. D. Der könne dann auch die Verweiszettel, die laufend anfallen, erstellen. Den bräuchten wir aber auf Dauer. Also, vielleicht sei das Suchen dann gar nicht so unwirtschaftlich. Und, lieber Chef, vielleicht kommen die Firmen nun auch langsam zur Ruhe. Dann kann man ja in einigen Jahren mit der EDV beginnen.

*Quelle: "Blick durch die Wirtschaft"