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19.05.2000 - 

Networld + Interop 2000 in Las Vegas:

Liebesgrüße an Bill Gates und das Turbo-Ethernet

LAS VEGAS - Kunststück! Kurz nach der globalen Attacke sorgte der Virus " I love you" auf der Networld + Interop (N+I) für viel Gesprächsstoff. Security-Anbieter hatten auf der Messe Hochkonjunktur. Außerdem lag wieder einmal der Evergreen Ethernet im Trend: Die Turboversion 10-Gigabit-Ethernet wird mehr und mehr als breitbandiges Übertragungsverfahren im WAN gehandelt.CW-Bericht, Martin Seiler

Die größte Netzwerkmesse der Welt, die Networld + Interop, war dieses Jahr zwar nicht in dem Maße von polarisierenden Themen beherrscht wie in der Vergangenheit, dennoch herrschte in den Ausstellungshallen des Convention Center in Las Vegas reges Treiben. In Folge der Schäden, die der Virus "I love you" unlängst verursacht hat, galt das Augenmerk der Besucher vor allem dem Thema Sicherheit. Kein Wunder, dass auch Bill Gates, Chairman und Chief Software Architect bei Microsoft, in seiner Keynote auf diesen Punkt zu sprechen kam und im Publikum allgemeines Gelächter hervorrief, als er bemerkte: "Ich habe in letzter Zeit viele E-Mails von Leuten bekommen, die sagten, dass sie mich lieben."

Gates rief Hersteller und Anwender zum verstärkten Einsatz von Smartcard-Technologien auf. Nur so lasse sich das "schwächste Glied in der Sicherheitskette" verstärken. Dies sind seiner Meinung nach Passwörter - Mitarbeiter gingen oftmals zu nachlässig damit um, etwa, wenn sie dafür zu einfache Begriffe benutzen oder mehrere Applikationen mit demselben Schlüsselwort schützen.

Mit Smartcards in Verbindung mit Technologien wie Public Key Infrastructure (PKI) oder dem Sicherheitsprotokoll IP Security (Ipsec) lasse sich dieses Problem beseitigen. "Wir müssen davon wegkommen, Passwörter als die einzige Authentifizierungsmaßnahme zu benutzen", appellierte Gates. Wenn dies gelinge, sei ein wesentliches Hindernis auf dem Weg zur digitalen Ökonomie aus dem Weg geräumt. Die N+I hatte aber auch eine Menge konkreter Lösungen für den Bereich Security zu bieten - ein Überblick findet sich in dem Beitrag "Unternehmen suchen nach Lösungen zum Absichern ihrer Netze" auf Seite 36.

Fast genauso viel Aufsehen wie die Sicherheit der Netze erregte das nach wie vor aktuelle Thema Bandbreite. Nicht nur im Internet spielt der wachsende Bedarf an Übertragungskapazität eine Rolle, sondern auch in Firmen. David Peterschmidt, Chairman, President und Chief Executive Officer (CEO) von Inktomi, mahnte: "Der Erfolg eines Unternehmens hängt vor allem von seiner Infrastruktur ab." Dabei komme es in erster Linie auf Skalierbarkeit und ausreichend Kapazität an. Hier wird mit Ethernet ein Verfahren in die Diskussion gebracht, das urspünglich keiner für geeignet hielt. Für den Dauerbrenner in der Highspeed-Variante spricht nach Ansicht von Anbietern wie Extreme Networks das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis.

Gordon Stitt, President und CEO von Extreme, betonte, worauf es bei der Wahl der richtigen Infrastruktur ankommt: "Unternehmen müssen in der Lage sein, Sprache und Daten zu übertragen, aber auf der Basis eines für die Datenübermittlung eingerichteten Netzes." Verglichen mit Verfahren wie Token Ring, FDDI, ATM oder Sonet sei Ethernet in allen seinen Spielarten wesentlich einfacher in der Handhabung und dazu viel günstiger: "Gegenüber Sonet bringt 10-Gigabit-Ethernet das 70fache an Leistung bei einem nur um das Dreifache höheren Preis."

Produkte, die Extreme auf der N+I zeigte, untermauerten die Stitts Argumente. Der Hersteller präsentierte unter anderem die unlängst auch in Deutschland vorgestellten Switches der Reihe "Alpine". Diese übertragen Gigabit Ethernet über Glasfaser und sind zur Verbindung von Gebäuden auf einem Firmencampus oder zum Aufbau von Metropolitan Area Networks (MANs) geeignet. Die Alpines erhielten die Auszeichnung "Best of Show" im Bereich Unternehmensinfrastruktur. Eine Live-Demonstration der Produkte und der Funktionstüchtigkeit von 10-Gigabit-Ethernet lieferte Extreme im Rahmen des Messenetzes "Interopnet" - dessen Backbone auf Basis der schnellen Ethernet-Technologie realisiert wurde.

Auch Cisco Systems hat das Potenzial von Ethernet erkannt. Das Unternehmen ist zwar Gründungsmitglied der 10-Gigabit-Ethernet-Alliance, gab sich bislang aber noch ziemlich zurückhaltend. Auf der N+I kündigte der Hersteller neben einer Reihe von kupferbasierten Gigabit-Ethernet-Erweiterungen für seine Switches der Reihen "Catalyst 6000", "Catalyst 4000" und "Catalyst 2900" auch Lösungen für das Turbo- Ethernet an. Diese sollen in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen. Vielleicht trägt dies dazu bei, dass die Vision von Extreme-Boss Stitt Wirklichkeit wird: "Irgendwann sehen wir Ethernet in den Netzen von Ende zu Ende."

Ob das Ethernet-Verfahren seine LAN-Herkunft abstreifen und seinen Siegeszug im WAN - etwa als Backbone-Technologie für das Internet - fortsetzen kann, wird sich erst zeigen müssen. Momentan ist die weitere Entwicklung des weltweiten Datennetzes noch nicht abzusehen. Bill Gates, der ja bekanntlich sehr spät auf den Internet-Zug aufgesprungen ist, gab dennoch den Propheten: "Das Internet wird sich in den nächsten fünf Jahren dramatischer verändern, als es in seiner bisherigen Entwicklung der Fall war." Es stehe kurz davor, über die Transaktionsphase hinauszugehen und zu einer Plattform für alle möglichen Dienste zu werden. Möglich werde dies durch die Extensible Markup Language (XML): Diese Technologie könne als Ausgangsbasis für "sich selbst beschreibende Informationen" dienen und so den Grundstein der digitalen Ökonomie bilden.

Insgesamt nutzten fast 60000 Besucher die Gelegenheit, um sich bei mehr als 850 Herstellern über deren Neuheiten zu informieren. Die N+I zeigte damit wieder, dass sie der Knotenpunkt Nummer eins der Netzbranche ist und bleibt - auch wenn radikale Neuheiten oder polarisierende Themen diesmal fehlten.