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20.06.1980 - 

Niedersachsen kooperiert mit Siemens:

Liegenschaftskarte via Bildschirm

Der aussagekräftigste Informationsträger ist immer noch das Bild. Die Liegenschaftskarte, die die Liegenschaften (Flurstücke, Gebäude, Nutzungsarten, Ertragsfähigkeit) in ihrer Form und gegenseitigen Lage nachweist, entspricht in der heutigen Form immer weniger den gestiegenen Anforderungen der Benutzer. Deshalb entwickelt Siemens im Rahmen einer Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesverwaltungsamt das Anwendersystem IGS-Liegenschaftskataster. Der Autor erläutert, wie sich mit Hilfe des Interaktiven grafischen Systems "IGS" das Erstellen und Verändern der Liegenschaftskarten

automatisieren läßt.

Die heutige Grundlage der Liegenschaftskarte geht bis an den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Damals waren steuerrechtliche Gründe Anlaß für den Aufbau des Liegenschaftskatasters. Inzwischen ist die Liegenschaftskarte aber eine Planungs-, Entscheidungs- und Ausführungshilfe für vielfältige Benutzer geworden. Grundstückseigentümer, Bauleitplanung, Raumordnung, Infrastrukturkataster, Elektrizitätsversorgungsunternehmen, sonstige Versorgungs- sowie Entsorgungsunternehmen, Bodenordnungsstellen und die Wirtschaft stellen höhere Anforderungen an die Genauigkeit und Güte. Sie fordern eine ständige Beschleunigung bei der Aktualisierung und eine größere Flexibilität für die Darstellungsform und den Inhalt.

Zur Lösung dieser Probleme ist der Einsatz der EDV gut geeignet. Das Land Niedersachsen und die Siemens AG sind eine Kooperation eingegangen, um das IGS-Grundsystem zu einem universellen Anwendungssystem besteht aus einem grafischen Arbeits im Bereich des Liegenschaftskatasters weiterzuentwickeln.

Die EDV-gestützte Verwaltung der Liegenschaftskarten ist Teil eines bundeseinheitlich konzipierten Automatisierungsvorhabens, in dem alle bisher in Grundbuch- und Katasterämtern (Grundbüchern, Liegenschaftsbüchern, Liegenschaftskarten und Flurbüchern) verstreut gespeicherten Angaben über Eigentümer, Lage, Nutzungsart, Grundstücksgrößen und so weiter in einer Grundstücksdatenbank zusammengefaßt werden sollen.

Ziel dieses Vorhabens ist eine Verbesserung der Aktualität, Flexibilität und Qualität der Information für alle beteiligten Verwaltungsstellen.

Das IGS Grundsystem

IGS ist ein Software-Produkt der Siemens AG. Es ist auf Datenverarbeitungsanlagen der Systeme 7.500 und 7.700 ablauffähig. Es speichert die Koordinaten, Parameter und Zusatzinformation von über einen Bildschirmarbeitsplatz oder ein spezielles Zeichentablett eingegebenen grafischen Elementen (Punkten, Verbindungslinien, Bogen etc.) und ermöglicht es dem Benutzer im interaktiven grafischen Dialog, Zeichnungen am Bildschirm aufzubauen, zu verändern, auszuwerten und abzuspeichern.

Die hierfür erforderliche Hardware besteht aus einem grafischen Arbeitsplatz, der per Datenübertragung an einen Rechner der Systeme 7.500 oder 7.700 unter dem Betriebsystem BS2000 angeschlossen ist. Der grafische Arbeitsplatz besteht aus den Komponenten

- Terminalrechner (Steuerelement)

- Bildschirmgerät mit Tastatur (Kontrollinstrument),

- Digitalisiertablett (Eingabemedium),

- Hardcopy-Gerät (Dokumentation).

Der Benutzer verständigt sich mit dem System über Kommandos. Das IGS-Grundsystem stellt etwa 120 verschiedene Kommandos zur Verfügung. Mit ihnen kann er

- grafische Elemente erzeugen und ändern,

- Zeichnungen aufrufen, speichern und kombinieren,

- Bilder über Plotter ausgeben,

- am Bildschirm Zeichnungen ausschnittsweise vergrößern (Fenstertechnik),

- Symbole definieren, aufrufen und abspeichern,

. Prozeduren aufrufen

- das Tablett in Form der Menütechnik verwenden (Kommandoeingabe nicht nur über Tastatur, sondern auch über Antippen definierter Felder auf dem Tablett)

- Hilfsfunktionen aufrufen (wie Auflisten der gespeicherten Grafiken nach Namen, Kommandowiederholungen, Raster über Bilder legen).

Der Anwender kann IGS über ein Dialogprogramm um neue Kommandos, neue Datenstrukturelemente und neue Verknüpfungen zwischen den Datenstrukturelementen erweitern. Er braucht dabei keine Änderungen in Programmen des Systems vorzunehmen. Die Programme und Kommandofunktionen sind von anderen Programmen abrufbar.

Die Weiterentwicklung von IGS für die Belange des Liegenschaftskatasters

Bei Verwendung von IGS zur Verwaltung der Liegenschaftskarten kann jedes Kartenbild in mehrere Ebenen aufgeteilt werden (insgesamt bis zu 31 Ebenen, Bild 1). So kann zum Beispiel Ebene eins die Grundstücksgrenzen enthalten. Ebene acht die Hausnummern und Ebene elf die Gebäudegrenzen. Je nach Planungsanforderungen kann man diese Ebenen nun kombiniert ausgeben lassen. Dadurch wird die automatisierte Liegenschaftskartenverwaltung zu einem außerordentlich flexiblen Instrument für vielfältige Planungsarbeiten.

Ein großer Teil der im Gebrauch befindlichen alten Flurkarten muß schon aus Gründen der Genauigkeit nach und nach erneuert werden. Mit diesen Arbeiten sind umfangreiche Berechnungs- und Kartierungsarbeiten verbunden, die - manuell ausgeführt- einen erheblichen Arbeits- und Zeitaufwand erfordern. Bereits deshalb lohnt sich der EDV-Einsatz zum Bearbeiten dieser Aufträge.

Dabei werden unterschiedliche Maßstäbe (zum Beispiel 1:3200, 1:2133,3) und Ungenauigkeiten (zum Beispiel durch Papierverzug, vielfache Kopiervorgänge oder auch vermessungsbedingte Ungenauigkeiten) der alten Kartenzeichnungen berücksichtigt. Den organisatorischen Ablauf einer solchen Kartenerneuerung zeigt Bild 2.

Im Rahmen der Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesverwaltungsamt wird das IGS-Liegenschaftskataster um weitere Funktionen ergänzt. Hierzu gehören spezielle Kartenausgestaltungs- und Berechnungsprogramme (wie Schraffieren, Einpassen, Beschriften automatische Hausnummernsetzung. Bild 3 zeigt die Ausgestaltung von Flurkarten nach der herkömmlichen Methode und nach Anwendung von IGS.

Umfangreiche Berechnungen werden außerhalb des Pakets mit dem Programmsystem "Geodätische Berechnungen" ausgeführt und die Ergebnisse anschließend in IGS übernommen. Darüber hinaus werden in IGS für Berechnungen kleineren Umfangs Dialogprogramme entwickelt.

Das System läßt sich damit - neben seinen eigentlichen interaktiven grafischen Funktionen - für alle Berechnungsaufgaben verwenden, die auf den Katasterämtern im Rahmen der Vorbereitung von Vermessungen sowie der Vorverarbeitung der Vermessungsergebnisse anfallen.

Weitere Anwendungen

Das System wird derzeit bei Anwendern aus unterschiedlichen Branchen als Grundsystem beziehungsweise erweitertes Grundsystem verwendet. Beispiele: Zur Erfassung und Bestandsführung von Netzplänen der Energieversorgungsunternehmen

wird es im Rahmen des Projekts Betina (Bausteine für ein technisches Informationssystem mit Netzanalyse) erweitert und eingesetzt.

Zur Erfassung und Wartung von Stromlaufplänen wurde in das Verfahren Malta (Maschinelle Abwicklung elektrischer Anlagen), ein Verfahren zur Erstellung von Fertigungs- und Montageunterlagen, integriert.

Derzeit wird IGS um neue Kommandofunktionen erweitert, die das Erstellen von Zeichnungen für SF6-Hochspannungs-Schaltanlagen unterstützen.

Im Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen werden die Ergebnisse verschiedener DV-Programme zur Landesplanung mit dem Instrument in grafische Form gebracht und interaktiv aufbereitet. Die vielfältige grafische Gestaltung der Planungsergebnisse ermöglicht es, auch komplexe Zusammenhänge allen von der Planung Betroffenen anschaulich darzubieten.

Im Rahmen des Systems Cadis (Computer Aided Design Interactive System) dient IGS der rechnerunterstützten Konstruktion von mechanischen Bauteilen.